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Sebastian Jung

Der Honigkuchenmann

Von Jörg Hanau und Ingo Durstewitz

Für Sebastian Jung ist am Sonntagabend nicht nur ein Traum in Erfüllung gegangen. Überhaupt in der Startelf der Eintracht zu stehen, sei schon etwas Besonderes gewesen, erzählte der 19 Jahre alte Außenverteidiger. Dann auch noch in diesem Stadion. "Mein Lieblingsstadion - von der Atmosphäre her auf jeden Fall." Die meisten der gut 70.000 Zuschauer in der Dortmunder Arena stockte allerdings der Atem, als sich der U20-Nationalspieler in der 65. Minute seinen allergrößten Traum erfüllte und sein erstes Bundesligator erzielte. Es war nicht irgendein Treffer, es war der zwischenzeitliche Ausgleich zum 2:2. Ein Knaller aus gut 18 Metern. Ein Schuss mitten ins Herz Dortmunder Sieghoffnungen. Denn nur neun Minuten später setzte Alexander Meier mit seinem Treffer zum 3:2-Endstand noch einen drauf. "Wir haben einen guten Fußball gespielt, hätten schon in der ersten Halbzeit mehr Tore machen müssen", resümierte der gelernte Bäcker-Geselle mit professioneller Gelassenheit. "Wir haben hier verdient gewonnen."

Mit einem Honigkuchengrinsen im Gesicht rief Jung noch einmal die Sekunden vor seinem Tor ins Gedächtnis: "Nach der Ecke muss man einen Abschluss haben. Ich nehme den Ball halt Vollspann, er ist mir etwas über den Schlappen gerutscht. Den zu halten war schwer für den Torwart." Was so sachlich klingt, war "für mich einfach nur traumhaft". Zudem wurde die Kugel von Nuri Sahin noch leicht abgefälscht.

"Unverhofft kommt oft", rief Eintracht-Boss Heribert Bruchhagen nach dem Abpfiff in die Menge und freute sich diebisch über den Coup seiner Mannschaft. Bei allem Überschwang blieb sich der Ostwestfale in der Analyse einzelner Spieler jedoch treu und hielt den Ball bewusst flach. "Irgendwann schießt jeder das erste Tor", beurteilte Bruchhagen die Leistung des jungen Jung. "Immer wenn er gespielt hat, hat er ordentlich gespielt." Ordentlich? Mit Verlaub, Jung zählte an diesem Abend zweifelsfrei zu den besten Frankfurtern. Ebenso unbekümmert wie respektlos gab er den rechten Außenverteidiger.

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Eine starke Vorstellung, die Lust auf mehr machte. Es war dies erst der dritte Einsatz von Beginn an in dieser Saison. "Er hat das ganz prima gemacht", lobte Eintracht-Trainer Michael Skibbe den Youngster, der erst am Morgen vor dem Spiel überhaupt erfahren hatte, in der Startelf zu stehen. Weil Skibbe Chris vor die Abwehr dirigierte und der zuletzt auf rechts verteidigende Maik Franz in die Mitte rückte, war der Platz frei für Jung. "Es war ein klein wenig überraschend für mich", sagte Jung; er habe zwar unter der Woche ab und an in der A-Elf trainieren dürfen. Wirklich daran geglaubt hatte er wohl nicht. "Ich stand auf der Kippe, jetzt hat es gereicht."

Die Überraschung war Skibbe wirklich geglückt. In den Tagen vor dem Gang an seinen alte Wirkungsstätte war der Cheftrainer stets darauf bedacht, keinen Zweifel daran zu lassen, dass Chris in der Innenverteidigung gesetzt sei. Einen personellen Ringtausch schloss er kategorisch aus - bis Sonntagmorgen.

Es war aber nicht nur Licht, in dem sich der in der vergangenen Saison unter Skibbes Vorgänger Friedhelm Funkel in der Bundesliga debütierende Jung sonnte. Er war es, der zwar Nelson Valdez 90 Minuten zudeckte, in der 57. allerdings Lucas Barrios aus den Augen verlor. "Ich mache den Schritt raus. In dem Moment flankt einer rein, und Barrios läuft mir weg. Da war ich zu spät", gestand Jung seine Mitschuld am 1:2 der Dortmunder. Geknickt war er deshalb aber nicht. "Ich habe das Vertrauen des Trainers letzten Endes mit meinem Tor zurückbezahlt", sagte Jung stolz und hofft nun natürlich auf eine weitere Chance am kommenden Sonntag gegen Freiburg. "Die Hoffnung darf er sich machen", sagte Skibbe. Ob er tatsächlich spielt, ist eine andere Frage.
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Dokument erstellt am 07.02.2010 um 21:57:38 Uhr
Letzte Änderung am 08.02.2010 um 10:05:12 Uhr
Erscheinungsdatum 08.02.2010 | Ausgabe: d
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