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16. März 2010
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Lohnspreizung

Wege zum Jobwunder

VON EVA ROTH

Hat die stärkere Lohnspreizung in Deutschland Jobs geschaffen? Die Frage sei schwer zu beantworten, weil viele Faktoren auf den Arbeitsmarkt wirken, sagt Ulrich Walwei, Vize-Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), der Frankfurter Rundschau. Für ihn sprechen jedoch Indizien dafür, "dass die Lohnspreizung den Beschäftigungsaufbau eher begünstigt hat". So sei in Deutschland früher ein Wirtschaftswachstum von rund zwei Prozent nötig gewesen, damit Jobs entstehen. Heute genüge ein Wachstum von einem bis 1,5 Prozent.

Service wird billger


Der beschäftigungspolitische Effekt lasse sich so erklären: Lohnspreizung bedeute, dass ein Teil der Einkommen nur langsam oder auch gar nicht steigt. Arbeitsintensive Produkte und Dienste würden im Vergleich zu kapitalintensiven Waren billiger. Dies könne dazu führen, dass sich die Nachfrage verschiebt, und Bürger beispielsweise öfter ihre Hemden bügeln lassen und seltener einen neuen DVD-Player kaufen.

Allerdings sei auch ein gegenteiliger Effekt möglich: Weil die Jobs unattraktiv sind, verzichtet die Eeefrau auf einen Zuverdienst. Die Lohnspreizung sei jedenfalls kein "dominanter Faktor" für den Arbeitsmark.

Anders sieht das Gustav Horn, Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung: Er könne keine positiven Effekte erkennen, sagt Horn der FR. So sei Ende der 1990er Jahre die Zahl der - meist schlecht bezahlten - Minijobs explodiert. Die Arbeitslosenrate habe dies jedoch nicht sichtbar gedrückt. Denn im Gegenzug seien weniger Vollzeit-Stellen angeboten worden. Und: Viele Minijobber seien Studenten, Rentner oder Ehefrauen von gut verdienenden Männern - also Menschen, die zuvor nicht arbeitslos gemeldet waren. Klarer Hauptgrund für den jüngsten Rückgang der Arbeitslosigkeit sei der Aufschwung, betont Horn.

Joberfolge in anderen Ländern


Fest steht: Zwingend ist eine starke Lohnspreizung nicht, um die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen, da sind sich seriöse Fachleute einig. Ein Blick über die Grenzen zeigt, dass unterschiedliche Wege zum Ziel führen können. Skandinavien, die Schweiz und die Niederlande haben bei einer relativ gleichmäßigen Einkommensverteilung beschäftigungspolitische Erfolge gefeiert. Großbritannien, Kanada und Irland haben das gleiche Ziel bei großen Gehaltsunterschieden erreicht. Jedes Land kann also selbst entscheiden, mit welchem Politikmix es Jobsuchenden hilft.

Auch Walwei plädiert übrigens für einen - wenn auch recht niedrigen - Mindestlohn von 5,50 bis sechs Euro pro Stunde, um "krasse Lohnungleichheiten zu begrenzen". Dies sei auch ein Gebot der Fairness.
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Dokument erstellt am 25.08.2008 um 17:36:14 Uhr
Letzte Änderung am 26.08.2008 um 10:16:09 Uhr
Erscheinungsdatum 26.08.2008
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