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Namibia

Geld für eine zweite Mahlzeit

VON SUSANNE GÖTZE

Ein Grundeinkommen für alle, unabhängig von Bedürftigkeit und Arbeitsbereitschaft - was in Deutschland selbst innerhalb der Parteien kontrovers diskutiert wird, erproben afrikanische Länder bereits. Beispiel Namibia: Der Staat gilt als einer der reicheren des Kontinents. Aber die Einkommensungleichheit ist enorm. Seit Januar bekommen die Einwohner der Gemeinde Omitara in der Wüste Namib jeden Monat 100 namibische Dollar (achteinhalb Euro) auf dem Dorfplatz ausgezahlt - ohne eine Leistung dafür erbringen zu müssen. Jeder Einwohner bis 60 Jahre, ob Kleinkind oder Erwachsener, hat darauf einen Anspruch.

Allen Unkenrufen zum Trotz werden bereits nach sechs Monaten die Erwartungen des Basic Income Grant (BIG), das sich für ein Grundeinkommen in Namibia einsetzt, übertroffen. "Es hat sich eine ganze Menge verändert", sagt BIG-Koordinatorin Claudia Haarmann. "Die Menschen kaufen sich Lebensmittel, schicken Kinder zur Schule und lassen sich ärztlich untersuchen. Teilweise machen sie sogar kleine Geschäfte auf und investieren in ihre Häuser."

Mittlerweile beteiligen sich auch entwicklungspolitische Organisationen, die namibische Evangelische Lutherische Kirche, Gewerkschaften und Anti-Aids-Initiativen an dem zweijährigen Projekt, das aus Spenden finanziert wird. "Jeder Mensch hat ein Recht auf Leben und eine Grundsicherung", betont BIG-Initiatorin Haarmann, "und wir können im 21. Jahrhundert nicht mehr davon ausgehen, dass sich alle durch eine Arbeit absichern können."

Grundeinkommen
In Namibia trägt ein Bündnis aus Kirchen, Gewerkschaften und Entwicklungsorganisationen das Pilotprojekt eines bedingungslosen Grundeinkommens. Die Zahlungen an die Bewohner des Dorfes Omitara werden aus Spenden finanziert.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz veranstaltet das Netzwerk Grundeinkommen noch bis zum 21. September die "Woche des Grundeinkommens", um mit zahlreichen Veranstaltungen für den Rechtsanspruch auf ein existenz-sicherndes Einkommen zu werben. Weitere Infos unter Grundeinkommen
Ähnlichen Argumenten begegnet man in der Grundeinkommensdebatte in Deutschland. Doch auch hier ist die Skepsis groß: Werden die Menschen noch arbeiten, wenn sie eine monatliche Auszahlung bekommen, ohne auch nur einen Finger zu rühren? Wird hierzulande über Summen von 600 bis 1000 Euro pro Monat gestritten, geht es in Afrika um eine zweite oder dritte Mahlzeit am Tag. Deshalb wird das Grundeinkommen in der Sprache der Entwicklungshilfe auch "Social Cash Transfer" genannt und erhebt nicht den Anspruch, die gesamte Grundversorgung zu sichern.

In Sambia startete ein Transfer-Projekt bereits 2005. Ausgewählte Familien im Bezirk Kalomo erhielten ohne jede Auflage sieben Dollar im Monat. Das Projekt endete vor wenigen Wochen, nun werden die Erfahrungen ausgewertet.

Auch wenn das Niveau des Grundeinkommens in Afrika sich erheblich von hiesigen Vorstellungen unterscheidet, greift doch dasselbe Prinzip: "Wenn man nichts hat, kann man auch nichts machen", sagt Haarmann. Auch die Menschenrechtsorganisation Fian, die sich für das Recht auf eine angemessene Ernährung einsetzt, plädiert deshalb für einen Social Cash Transfer. Mit Haarmann ist sich Fian einig, dass ein flächendeckendes Grundeinkommen nicht von Hilfsorganisationen, sondern aus Steuern finanziert werden müsse. Nur so seien Korruption und Missbrauch zu verhindern. Deshalb kommt es nun darauf an, dass die Regierungen mitziehen. In Namibia, so Haarmann, unterstützten immerhin schon einige Abgeordnete das Vorhaben.


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Dokument erstellt am 17.09.2008 um 17:00:09 Uhr
Letzte Änderung am 18.09.2008 um 10:35:53 Uhr
Erscheinungsdatum 18.09.2008
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