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Problem Obermann

Telekom-Chef verheimlichte Datendiebstahl

VON MATTHIAS THIEME

Im Skandal um den Klau von Kundendaten und der beispiellosen Überwachung von Aufsichtsräten der Telekom kommen immer neue Einzelheiten ans Licht, die Konzernchef René Obermann in Bedrängnis bringen: Die Datenbank mit 17 Millionen T-Mobil-Anschlüssen liegt zwei Jahre nach Bekanntwerden des Diebstahls noch immer bei einem privaten Erotik-Unternehmer in Mainz, obwohl der Mann sich schon 2006 bei der Telekom meldete.

Zudem informierte die Telekom ihren Aufsichtsrat bis vor kurzem nicht über den größten Datendiebstahl in der Geschichte des Unternehmens. "Uns wird vieles erst mitgeteilt, wenn Medien berichten", sagt T-Mobile Aufsichtsrat Ado Wilhelm. "Auch die Öffentlichkeit hätte informiert werden müssen."

Weiter wurde bekannt, dass der Konzern Einzelverbindungsnachweise aller Gespräche von Aufsichtsräten in Ordnern sammelte. Nach FR-Informationen waren die aufgelisteten Nummern der Gesprächsteilnehmer nicht unkenntlich gemacht, sondern durchgängig voll lesbar. Dies sei normal, teilt Telekom-Sprecher Stephan Broszio mit. Die Auflistung sei gewünscht gewesen. "Die Aufsichtsräte wussten nichts davon", heißt es dagegen aus Konzernkreisen, "da ist der Teufel los." Die Rechtfertigung des Konzerns sei "pure Verharmlosung".

Die Gesprächslisten hätten "niemals archiviert werden dürfen", sagt der ehemalige Bundesinnenminister Gerhard Baum, der einige Aufsichtsräte rechtlich vertritt. "Das ist eine neue Dimension, weil jetzt sichtbar in Aktenordnern die Beweise vorliegen." Laut Baum hatten die Gremiumsmitglieder "keine Ahnung davon", dass ihre Gespräche einsehbar waren. "Es ist zu viel Schluderei bei der Telekom", so Baum. Ungereimtheiten und eklatante Verstöße, die nun auch Konzernchef René Obermann zum Problem werden. Von einem "Abgrund der Verletzung von Bürgerrechten" sprach Grünen-Chefin Claudia Roth. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter fordert gar den Rücktritt des Telekom-Chefs. "Obermann wusste von dem Diebstahl seit 2006 und hat nichts gesagt", sagte Bernd Carstensen, Sprecher der Beamten. "Das ist unverantwortlich für einen Konzernlenker."
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Dokument erstellt am 06.10.2008 um 17:24:02 Uhr
Letzte Änderung am 06.10.2008 um 19:30:57 Uhr
Erscheinungsdatum 07.10.2008
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