Brüssel. Die deutschen Fischer müssen sich darauf einstellen, dass sie im nächsten Jahr weniger Fische aus der Ostsee holen dürfen. Das stand schon zu Beginn der gestrigen Verhandlungen der EU-Fischereiminister über die Fangquoten fest. Erbittert gefeilscht wurde in den bei Redaktionsschluss noch laufenden Verhandlungen darüber, wie viel weniger in den Netzen landen darf. Auf dem Konferenztisch in Luxemburg lag ein Vorschlag der EU-Kommission. Brüssel will die Quoten für die meisten Arten teilweise drastisch einschränken. So fordert der für Fischereipolitik zuständige Kommissar Joe Borg, die Quote beim Heringsfang um 63 Prozent zu reduzieren. Die deutsche Delegation unter Leitung von Staatssekretär Gert Lindemann hielt dies zu Beginn der gestrigen Runde für "nicht akzeptabel" - auch wenn sie erkannte, dass es nicht bei den derzeitigen Fangmengen bleiben darf, wenn die Arten nicht aussterben sollen.
Lindemann ging vor Verhandlungsbeginn davon aus, dass man bei einer Zahl landen werde, "die deutlich unter 63 Prozent liegt". Denn man müsse die Interessen der Fischereiindustrie im Auge behalten. Der von der Kommission vorgeschlagene Satz sei "auch wissenschaftlich nicht zu begründen". Borg hingegen beruft sich auf Studien des Internationalen Rates für Meeresforschung und die Stellungnahme kommissionseigener Spezialisten. Sie halten es für unumgänglich, die Fangmengen bei den meisten Beständen in der westlichen Ostsee 2009 zu senken - vor allem bei Hering und Kabeljau. Umweltorganisationen wie Greenpeace sind über die Entwicklung der Kabeljau-Bestände ebenfalls besorgt.
Deshalb wissen die Deutschen, dass sie sich auch bei dieser Fischart den Kommissionsplänen nicht komplett widersetzen können. Lindemann hat die deutschen Fischer bereits vor den Verhandlungen auf Kürzungen der Fangmengen vorbereitet. Gerechtfertigt sei ein Satz von sechs oder sieben Prozent. Auch hier fordert Brüssel für die westliche Ostsee doppelt so hohe Einschränkungen. Borg will die Fangquote für Kabeljau dort um 15 Prozent senken. Dafür kündigt er aber an, die Quote für die Bestände weiter östlich zu erhöhen. Sie hätten sich in einem Jahr durch den EU-Bestandserholungsplan regeneriert. Hier habe sich verantwortungsvolles Handeln ausgezahlt, schreibt der Kommissar den Ministern ins Stammbuch und appelliert, bei anderen Ostsee-Arten genauso viel Weitsicht zu beweisen. Neben der Situation in der Ostsee beraten die Minister auch über einen wirkungsvolleren Schutz des Thunfischs und einiger Tiefsee-Fischarten.


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