Die beste Nachricht der Woche liefert der Ifo-Index. Die Stimmung in den Chefetagen der 7000 befragten deutschen Unternehmen hat sich im April überraschend kräftig aufgehellt. Wie passt dieser vorsichtige Optimismus zur Horrorprognose der Wirtschaftsforschungsinstitute, die im Frühjahrsgutachten der deutschen Wirtschaft für 2009 einen Absturz um historische sechs Prozent vorhergesagt haben und bis in die zweite Hälfte 2010 auf Schrumpfung setzten?
"Das passt nicht zusammen", sagt Andreas Rees. Der Deutschland-Chefvolkswirt von Unicredit sieht vor allem in der Prognose der schrumpfenden Wirtschaft bis Mitte 2010 den Widerspruch zum Ifo. Die Geschäftserwartungen, die Teilkomponente des Index, die am weitesten in die Zukunft weist, haben sich den vierten Monat in Folge aufgehellt. "Das ist die Trendwende", glaubt Rees. Gut möglich, dass die deutsche Wirtschaft ab dem vierten Quartal 2009 wieder zulege.
Kann es sein, dass auch Forscher dem gleichen Herdentrieb unterliegen wie Händler an der Börse? Kann es sein, dass sie die grottenschlechte Gegenwart einfach fortschreiben? Der Ifo-Index, der zuverlässigste Frühindikator, den die deutsche Wirtschaft kennt, legt diesen Schluss zumindest nahe. Und auch die Einkäuferindizes für Euroland, die bereits am Donnerstag veröffentlicht wurden, verbreiteten Hoffnung.
Als "gute Nachricht" bezeichnete auch Dirk Schumacher von Goldman Sachs den Ifo-Index. Er zeigte sich erfreut, dass erstmals auch die wirtschaftliche Lage von den Chefs wieder besser als im Vormonat beurteilt worden ist. "Das sieht nach Bodenbildung aus."
Wird jetzt alles gut? Natürlich nicht. Aber der einmalige Absturz der deutschen Wirtschaft dürfte Geschichte sein. Noch kann man aus den Frühindikatoren kein echtes Wachstum herauslesen. Sie sind immer noch auf Niveaus, die einen gruseln lassen. Doch die weltweiten Programme zur Krisenbekämpfung verfehlen ihre Wirkung eben auch nicht. Die Krise ist noch nicht vorbei und die Banken sowie der amerikanische Verbraucher müssen erst noch wirtschaftlich gesunden, bevor es ein Zurück zur Normalität geben kann.
Arbeitslosigkeit steigt lange
Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg auf 83,7 von 82,2 Zählern im März. "Der Rückgang der Wirtschaftsleistung dürfte sich damit deutlich verlangsamen", sagte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Bundesbank-Chef Axel Weber erwartet eine Entspannung binnen weniger Monate. "Vermutlich bekommen wir schon im Laufe dieses Jahres einen weniger starken Abwärtsdruck, wahrscheinlich im Sommer", sagte er im Deutschlandfunk.
Wermutstropfen bei aller Hoffnung: Die Arbeitslosigkeit wird noch lange weiter steigen, denn die Beschäftigung hinkt der Konjunktur hinterher und deshalb erst recht den Konjunkturindikatoren. Wegen der rückläufigen Auslastung wollten die Firmen des verarbeitenden Gewerbes weiter Personal abbauen, so das Ifo-Institut.
Und die spannende Frage lautet natürlich: Wann wird Deutschland wieder das Wohlstandsniveau erreichen, das es im Winter 2007/2008 hatte? Zum Ende des ersten Quartals 2009 dürften sieben bis acht Prozentpunkte fehlen. Wüchse die Wirtschaft in den kommenden Jahren um jeweils zwei Prozent dauert das noch mindestens drei Jahre.