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19. März 2010
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Bewerbungsmappen bei Ebay

Persönliche Daten im Ausverkauf

Von Matthias Thieme

Julius Leineweber ist ein umtriebiger Geschäftsmann. Nach fünf Jahren in Frankfurt habe er "die Hessen lieben gelernt", verrät Leineweber auf der Internetplattform Xing. Mal war er nach eigenen Angaben im Telekommunikations-Vertrieb tätig, dann in der Immobilienbranche, dann sucht er plötzlich "Druckmaschinen aller Art". Frankfurt ist eine gute Stadt, findet Leineweber, der sich im Internet auch mit einem Foto präsentiert und stolz auf seine Ehrenmedaille der Bundeswehr ist.

Doch ob seine Zuneigung zur Region künftig noch auf viel Gegenliebe stößt, darf bezweifelt werden. Leineweber war Geschäftsführer der CSS-Marketing GmbH in der Frankfurter Solmsstraße 18. Und dort ist offenbar mit den Daten von anderen einiges schiefgelaufen: Hunderte Bewerbungsunterlagen, die arbeitssuchende Menschen an diese Firma geschickt haben, sind abhanden gekommen, wurden im Internet gehandelt und liegen nun der Frankfurter Rundschau vor.

Die Kiste voller persönlicher Daten, Bewerbungsfotos, Lebensläufen und Zeugnissen von hunderten Menschen aus dem Rhein-Main-Gebiet wurde am 16. Juli 2009 beim Internet-Auktionshaus Ebay versteigert. Angeblich standen lediglich 500 leere gebrauchte Bewerbungsmappen zum Verkauf. Für nur 10 Euro ersteigerte ein Schreibwarenhändler aus Paderborn die Ware und staunte nicht schlecht, als er das Paket öffnete: "Es war in fast jeder Mappe noch die komplette Bewerbung drin!" Der Händler wollte die Kiste nicht aufbewahren und übergab sie der Frankfurter Rundschau.

Spezial: Überwacht
Spezial: Überwacht

Lidl, Bahn, Telekom, Daimler, Müller: Wie dreist Firmen ihre Mitarbeiter bespitzeln. Das Spezial: Überwachte Beschäftigte.
Eine Kiste voller schriftlicher Bemühungen um einen Arbeitsplatz. Lächelnde Gesichter, ausführliche Lebensläufe, Adressen, Telefonnummern, Zertifikate, Unterschriften - sogar Gesundheitszeugnisse. Und viele freundliche Anschreiben an Entscheidungsträger Julian Leineweber, den wichtigen Mann bei der CSS Marketing. Seine eigenen persönlichen Daten hält Leineweber im Internet stets verdeckt. Auf keinem Weg ist er erreichbar. Seine Firmen-Telefonnummer funktioniert nicht mehr, seine Firma ist verschwunden. Julius Leineweber war für die FR trotz vielfältiger Kontaktversuche nicht erreichbar.

Vor seinem Abtauchen hatte der Geschäftsführer im Internet und in Zeitungsanzeigen viele Mitarbeiter "für unsere Telekommunikationsabteilung" gesucht. Gleich 46 Stellen waren angeblich frei. Und seine Firma stellte Leineweber als Vertriebspartner der Telekom dar. Geboten wurde ein Vollzeit-Job in Festanstellung mit gutem Verdienst, sowie Spaß in einem "europaweiten Team". Doch die Telekom weiß nichts von ihrem angeblichen Partner: "Die Firma CSS Marketing ist bei uns nicht als Vertriebspartner geführt", stellt ein Telekom-Sprecher klar. "Es bestand zu keiner Zeit ein Vertriebsverhältnis."

Vorschriften
Nach einer erfolglosen Bewerbung müssen die Bewerbungsunterlagen grundsätzlich vernichtet oder an den Bewerber zurückgegeben werden. Nach Angaben des Bundesbeauftragten für Datenschutz darf der Arbeitgeber die Unterlagen nur aufbewahren, um sich gegen einen etwaigen Verstoß gegen das Benachteiligungsverbot nach dem Antidiskriminierungsgesetz (AGG) verteidigen zu können.

Spätestens zwei Monate nach Zugang der Ablehnung an den Bewerber müssen die Unterlagen auf jeden Fall zurückgegeben oder vernichtet werden. Auch das Bewerbungsschreiben gehört zu den sensiblen Unterlagen. (thie)

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Der FR namentlich bekannte ehemalige Bewerber versichern, dass Leineweber persönlich ihnen die Tätigkeit im Vorstellungsgespräch so beschrieben habe: "Man hätte zu Kunden gehen sollen und Verträge für die Telekom verkaufen sollen." Der Geschäftsführer habe sich als "Sprücheklopfer" und "typischer Verkäufer" präsentiert, "der einem das Blaue vom Himmel herunter erzählt". Dass ihre persönlichen Daten nun im Internet gehandelt wurden, ist für ehemalige Bewerber "eine Riesensauerei". Ein Bewerber war sogar eigens an der Firmenadresse aufgetaucht, um seine Unterlagen zurückzufordern - doch da war die Firma schon weg.

"Wir erleben sehr oft, dass sich bei Firmenauflösungen niemand um die Mitarbeiterdaten kümmert", sagt Thilo Weichert, Datenschutzbeauftragter von Schleswig-Holstein. Bewerbungsschreiben seien hochsensible Unterlagen, die nicht an Dritte weitergegeben werden dürften. Mit der Vielzahl persönlicher Daten könnten Kriminelle im großen Stil Identitätsdiebstahl betreiben. Die Unterschriften, Fotos und Adressen könnten für illegale Geschäfte genutzt werden. Bewerbungsunterlagen müssten immer entweder zurückgeschickt oder vernichtet werden, sagt Weichert. "Was hier passiert ist, ist definitiv illegal". Die FR wird die Kiste der Datenschutzabteilung des Regierungspräsidiums Darmstadt übergeben.

Für die Piratenpartei zeigt der Vorfall, "wie schnell man die Kontrolle über seine Daten verlieren kann", so Sprecher Thorsten Wirth. "Die Staatsanwaltschaft muss eingeschaltet werden", sagt er. "Wir fordern restriktiveren Datenschutz und mehr Macht und Befugnisse für Datenschützer."

Im Internet hatte ein Ebay- Nutzer mit dem Pseudonym "Hoffnung88" die Mappen verkauft. Nach FR-Recherchen handelt es sich dabei um einen jungen Frankfurter namens K., der sich als "Fachoberschüler" bezeichnet, jedoch nichts zu dem Vorgang sagen will. Gut möglich, dass K. nur derjenige war, der in Leinewebers Firma zuletzt aufräumen musste. Die Verantwortung für die Datensicherheit trage der Geschäftsführer, so Datenschützer Weichert. Laut Bundesdatenschutzgesetz seien Strafen bis zu 300 000 Euro möglich.
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Dokument erstellt am 17.09.2009 um 17:33:04 Uhr
Letzte Änderung am 18.09.2009 um 11:01:51 Uhr
Erscheinungsdatum 17.09.2009 | Ausgabe: d
Kommentare
1. Wer glaubt denn...
Mal abgesehen davon, dass dieser Schwätzer die Bewerbungsunterlagen hätte zurückschicken müssen... wer glaubt denn, dass er wirklich zur Verantwortung gezogen und empfindlich bestraft wird.

Datenschutz und informationelle Selbstbestimmung werden ja von Politik und Gesetzgeber nicht wirklich ernst genommen...



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2. Persönliche Daten im Ausverkauf.....
wo kann man erfahren aus welchem zeitraum die mappen sind? muss man sich denn jetzt immer noch gedanken machen, wegen der privatdaten? ich hatte mich auch mal dort beworben, im übrigen durch die arbeitsagentur vermittelt.

bekommen die "besitzer" der mappen eine info?
wäre gut sowas zu wissen.



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3. (fahrlässig) Identitätsdiebstahl den Weg bereitet
Aha, da gehen also die ganzen Bewerbungsmappen hin die nie zurückgeschickt werden.

Identitätsdiebstahl leicht gemacht - per Ankauf über's Auktionshaus. Und für den Unternehmer fällt - neben der Einfachlösung des Entsorgungsproblem - auch ein bisschen was ab.

Deutschland ist sowas von im A--h.



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4. Piratenpartei
Was hat den ein Kommentar der Piratenpartei darin zu suchen?
Irgendwie sieht das so aus, als hätte die FR irgendeinen Experten gebraucht, der sich zu Wort meldet?
Der Artikel über das gleiche Thema auf der piratenpartei.de Seite, zeigt, dass die Piratenpartei sehr viel mehr involviert ist, als in diesem Artikel vermittelt wird.
Unabhängiger Journalismus hätte diese Engagement nicht unter den Tisch fallen lassen.



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5. Und jetzt=
Und was ist jetzt nun mit meiner Bewerbung- kriege ich nun jedn Job oder nicht ;-))



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