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Kommentar zur Welternährung

Wir brauchen die Agrar-Revolution

Von Tobias Schwab

Papst Benedikt XVI. eröffnet den Welternährungsgipfel in Rom. Hilft jetzt nur noch beten? Warten die Verantwortlichen angesichts einer Milliarde hungernder Menschen auf ein Brotwunder?

Es schadet nicht, dass der Pontifex den Vertretern aus 191 Staaten zum Auftakt der dreitägigen Konferenz die Leviten liest. Ob´s aber nützt? Mehr als 60 Staatsoberhäupter und Ministerpräsidenten reisen zum Gifel an.

Doch längst nicht aller Wege führen nach Rom. Außer dem gastgebenden Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi wird aus der Runde der führenden Industrienationen (G8) keiner zum Treffen erscheinen. Barack Obama nicht, Gordon Brown nicht und Angela Merkel nicht.

Das ist Politik und zeigt, welchen Stellenwert der Kampf gegen den Hunger hat. Das Millenniumsziel, die Zahl der Unterernährten bis 2015 zu halbieren, haben die G8 offenbar längst fahren lassen. Nur ein konzertierter Auftritt der Regierungschefs in Rom hätte noch einmal das Signal senden können, dass die Reichen die Schwachen nicht im Stich lassen und sich an der Millenniums-Mission hart abarbeiten.

Doch nicht nur der Mangel an Solidarität enttäuscht, auch die auf dem Gipfel verhandelten Strategien überzeugen nicht. Immerhin hat die Nahrungsmittelkrise die Überzeugung reifen lassen, dass wieder mehr Geld in ländliche Entwicklung fließen muss. Noch entscheidender aber ist die Frage, welches Landwirtschafts- und Ernährungsmodell die Geberstaaten damit finanzieren.

Der Entwurf der Gipfelerklärung von Rom folgt noch immer dem Credo, durch massiven Einsatz von Hybridsaatgut, Düngemitteln und Biotechnologie die Erträge zu steigern - was vor allem dem Agrobusiness dient. Als ob ein Mangel an Nahrungsmitteln und nicht deren ungerechte Verteilung das Problem wäre.

Wirklich hilfreich wären Investitionen in eine agrarökologische Revolution, die Kleinbauern und Kooperativen fördert, ihnen Zugang zu lokalen Märkten verschafft, die Menschen der Region satt und die armen Länder unabhängiger vom Weltmarkt macht.

Es braucht kein Brotwunder, nur eine kluge Politik, die sich am Recht auf Nahrung orientiert.
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Dokument erstellt am 15.11.2009 um 17:23:08 Uhr
Letzte Änderung am 17.11.2009 um 13:28:20 Uhr
Erscheinungsdatum 16.11.2009 | Ausgabe: d
Kommentare
1. Wir brauchen die ökologische Agrar Revolution
Der Beitrag geht in die richtige Richtung. Eines unserer Hauptprobleme liegt u.A. darin, dass die Agrarwissenschaften nach wie vor dem wissenschaftlichen kartesiansichem Paradigma unterliegen. Es wird daher nicht systemisch, d.h. es wird nicht versucht den Zusammenhang lebender Systeme zu verstehen, sondern nur einzelne Bestandteile daraus analysiert. Im Amazonastiefland von Bolivien haben wir seit über 15 Jahren aus der Praxis heraus komplexe Produktionssysteme experimentiert, die sich an der Logik der Funktionsweise (sofern wir diese überhaupt jemals richtig verstehen könnten) der lokalen Ökosysteme orientieren. Mehrer hundert Familien produzieren bereits ohne externe Hilfsmittel mit immer besseren Ernten. Es geht also auch anders.



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2. brauchen wir die agrarrevolution
der kommentator spricht mir aus dem herzen.gerade in der 3. welt, wo die arme bevölkerung auch wegen der arbeitsplätze auf die kleinteilige landwirtschaft angewiesen ist, kann armut und hunger nur durch eine naturangepasste ökologische landwirtschaft gewährleistet werden. es geht nur mit der natur und nicht gegen die natur. die ökowelle hier beweist, dass in den köpfen ein umdenken zugunsten von bioprodukten stattgefunden hat. nur darf nicht übersehen werden, dass ökolandwirtschaft personal intensiver ist und das fehlt hier. deshalb sind forschungsgelder für moderne
öko-anbaumethoden sinnvoller angelegt als in genforschungsprojekte, deren produkte keiner haben will.



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