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Infrastrukturprojekt

Stuttgart 21 - das Milliarden-Grab

Das Projekt ist seit Jahren umstritten: In Stuttgart soll der Bahnhof mitsamt Gleisen in Tunneln verschwinden. Die Kosten dafür explodieren, das Vorhaben wackelt. Dennoch sollen jetzt die Arbeiten starten.
Von Thomas Wüpper

Berlin. Die Deutsche Bahn will im Februar mit den ersten Arbeiten für ihr umstrittenes Großprojekt Stuttgart 21 beginnen. Dann soll das Gleisvorfeld in der baden-württembergischen Landeshauptstadt umgebaut werden.

Stuttgart 21 bewegt die Menschen und die Politik seit langem - und wird sie auch weiter viele Jahre beschäftigen. Schon alleine deshalb, weil die Arbeiten ein Jahrzehnt lang die Innenstadt der Schwaben-Metropole auf den Kopf stellen werden.

Einmal bereits wurde das finanziell durchaus riskante Projekt beerdigt. Jetzt sagt der zuständige Sprecher, Landtagsvizepräsident Wolfgang Drexler (SPD), der Beginn der Arbeiten werde "vorbehaltlich der derzeit laufenden Kostenaktualisierung" geplant. Die neue Schätzung der Bahn werde derzeit vom Land überprüft. Das Ergebnis solle noch vor Weihnachten vorliegen.

Ende der 90er Jahre war es der damalige Bahnchef Johannes Ludewig, der das Prestigevorhaben seines Vorgängers Heinz Dürr gestoppt hatte. Der Schwabe hatte die Neuordnung des Bahnknotens am Neckar durchgesetzt.

Die Idee ist genial - in der Theorie


Die Grundidee schien genial: Der bisherige Bahnhof verschwindet mitsamt Gleisen in Tunneln unter der Erde – und mitten in der Stadt werden so große Flächen für neue Läden, Wohnungen und Büros frei, deren Vermarktung das Projekt mitfinanziert.

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Soweit die Theorie. In der Praxis wurden ähnliche Pläne für Frankfurt oder München bald wieder aufgegeben. Zu teuer, zu riskant, erkannte man dort. Stuttgart 21 blieb übrig. Aber nur bis zu Dürrs Abgang. Ludewig legte das damals auf umgerechnet 2,5 Milliarden Euro taxierte Vorhaben rasch zu den Akten.

Doch Stadt und Land ließen nicht locker. Durch eine Übernahme der meisten Kosten und Risiken sowie umfangreiche weitere Zusagen an die Deutsche Bahn gelang es den Politikern, den neuen Konzernchef Hartmut Mehdorn umzustimmen.

So kaufte die Stadt schon im Jahr 2000 der Bahn die projektierten Bahnhofsflächen zum stolzen Preis von 450 Millionen Euro ab. Doch die Chancen für die Realisierung sinken. Denn das Hauen und Stechen um die immer knapper werdenden Steuermittel für Verkehrsprojekte hat längst begonnen.

Die "Fuldarunde" verteilt das Geld


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Deutschlandweit rund 60 laufende und künftige Bahn-Bauprojekte soll der Bund in den nächsten Jahren finanzieren. Die Verteilung legt die "Fuldarunde" fest, zu der sich die Experten der Bundesregierung, der Bahn und des Eisenbahnbundesamts jedes Jahr treffen. Deren aktuelle Planzahlen zeigen, dass am wichtigsten Bahnprojekt weiter kräftig gespart werden soll.

Noch 2015 steht demnach ein Investitionsbedarf von mehr als 2,2 Milliarden zu Buche. Massive Kapazitätsengpässe im Güterverkehr auf der Schiene wären damit programmiert – und der Ärger der Nachbarstaaten. Denn in der Schweiz soll bis 2017 der Gotthardt-Bahntunnel fertig werden. Das Nadelöhr im Nord-Süd-Frachtverkehr Europas haben dann für viele Jahre die Deutschen zu verantworten – sofern die Politik nicht umsteuert.

Wie sicher ist die Finanzierung von Stuttgart 21?


Der angekündigte Baubeginn in Stuttgart beschäftigt auch die Politik. Die Landtags-Grünen kritisierten, dass die Arbeiten ohne Abschluss der neuen Schätzung geplant werden. Projekt-Sprecher Drexler rechnet nach eigenen Angaben damit, dass die bislang kalkulierten knapp 3,1 Milliarden Euro für das Projekt nicht ausreichen. Er gehe aber auch nicht davon aus, dass die Maximalkosten in Höhe von 4,5 Milliarden Euro "angegriffen" werden müssten.

Werde diese Summe bereits vor Baubeginn überschritten, können die Projektpartner noch aussteigen. Verteuert sich das Vorhaben während des Baus, gibt es laut Drexler keine Ausstiegsklausel.

Nach Angaben des Politikers prüft die Deutsche Bahn Vorschläge für Einsparungen, etwa beim Bau der Tunnel. "Ich glaube nicht, dass am Bahnhof groß gespart werden kann", fügte er hinzu. Der mache nur 250 Millionen Euro des Gesamtprojekts aus. (mit ddp)
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Dokument erstellt am 23.11.2009 um 17:53:04 Uhr
Letzte Änderung am 24.11.2009 um 14:28:37 Uhr
Erscheinungsdatum 24.11.2009 | Ausgabe: d
Kommentare
1. Stuttgart 21
Wenn noch nicht geschehen sollten die Verantwortllichen in Stuttgart ganz schnell Verbindung mit Leipzig aufnehmen. Dort wird seit Jahren ein Geldvernichtungs-Projekt gebuddelt, dessen Sinn und Zweck bis jetzt noch niemand wirklich erklären kann. Es handelt sich um den sog. City-Tunnel.
Finanziert durch Land, Stadt und BahnAG.
Mitten in der Stadt werden durch die Bauarbeiten Existenzen vernichtet und jeder Fertigstellungs-Termin ist bis jetzt ad absurdum geführt worden.
Vielleicht liegt das in Leipzig aber auch an einem Phänomen. Jeder Oberbürgermeister baut sich ein Denkmal. Sei es ein Riesen-Fußballstadion, obwohl es in Leipzig gar keinen Verein dafür gibt. Oder eben diese Bahnröhre.
Vielleicht lernen die Stuttgarter daraus.



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2. Und die SPD vorneweg dabei
Aktiver Teil des Trauerspiels um das Milliardengrab sind Teile der baden-würrtembergischen SPD, vorneweg Stuttgart 21-Sprecher Drexler - ein weiteres Beispiel für die Orientierungslosigkeit dieser Partei.



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3. Stuttgart 21 für wen ?
Allein die schiere Dauer macht das Projekt völlig unattraktiv, abgesehen von möglichen Kostenrisiken. Viel sinnvoller wäre es, das Geld so einzusetzen, daß möglichst schnell ein Nutzen daraus gezogen werden kann. Dann amortisiert sich ein Projekt auch volkswirtschaftlich. Bei Stuttgart 21 fragt man sich, für wen eigentlich gebaut werden soll?



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4. Unfassbar
Hier in Stuttgart stehen die Bürger fassungslos vor der Ignoranz der Politiker. Rund 70 Prozent forderten zuletzt in einer Onlineumfrage der Stuttgarter Zeitung den sofortigen und bedingungslosen Planungsstop für diesen sinnlosen und riskanten Tunnelbahnhof. Trotzdem tönt Herr Drexler von der SPD in substanzlosen Pressemitteilungen mit substanzlosen Baubeginnankündigungen und teilt mit, welcher Prellbock an welchem Gleis zuerst abgeschraubt wird. Gott sei Dank wird dieser Unfug mittlerweile deutschlandweit immer mehr wahrgenommen. Danke, fr-online!



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5. Miliardengrab
Ich bin auch eine betroffene Stuttgarterin und bin entsetzt darüber, wie sich die Parteien CDU,SPD (wobei sich 3 Bezirke klar abgrenzen-danke!),FDP und Liberale für diese extreme Geldverschwendung zum Nachteil der ganzen Region+Pendler einsetzen.Beim Projekt ist auch die Sicherheit vollkommen egal - aus Kostengründen natürlich. Es sollen nur alle 1000m Fluchtstollen bei den Tunneln gebaut werden -laut EU sind sie aber alle 500m vorgeschrieben. Es gibt dutzende von fatalen Fehlplanungen bei diesem Projekt, die bahntechnischer Rückschritt sind. Was mich voll erbost, ist die Tatsache, dass jetzt schon Schulkinder manipuliert werden. Auf 4 Seiten in einem Schulbuch wird S21 hochgepriesen und es wird dort gelogen.Pfui Teufel!
Verstoß gegen Artikel 7 im Grundgesetz:Schulen müssen neutral sein!



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