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Teure Warteschleifen

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Von Markus Sievers

Berlin. Die Verbraucherzentralen warnen vor hohen Kosten bei Kundenhotlines. Noch immer müssten Anrufer viel Geld für teure Warteschleifen bezahlen, selbst wenn sie nur eine Störung etwa bei ihrem Mobilfunkservice reklamieren oder einen Flug umbuchen wollten, sagte Christian Fronczak, Sprecher des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, der Frankfurter Rundschau.

Die vor zwei Jahren auf dem IT-Gipfel der Bundesregierung abgegebene Selbstverpflichtung der Telekommunikationsbranche habe nicht den erhofften Erfolg gebracht. "Wir sind mit der Umsetzung der Standards nicht zufrieden", betonte Fronczak. Grundsätzlich sollten erst dann Kosten entstehen, wenn die Verbraucher auch tatsächlich mit einem Berater sprechen.

Von diesem Anspruch ist die Praxis weit entfernt, wie eine Untersuchung der grünen Bundestagsfraktion zeigt, deren Resultate dieser Zeitung vorliegen. Dabei führten die Tester in der zweiten und dritten Dezemberwoche rund 300 Anrufe bei 50 verschiedenen Anbietern mit 0900-Nummern durch. Einbezogen wurden ausschließlich Servicehotlines, bei denen Kunden etwa Probleme mit ihrem Handy melden oder einen Flug umbuchen wollen.

Glossar zu den Sondernummern
Unübersichtlich sind die Sondernummern wegen ihrer Vielfalt . Auf der Basis der Recherche von Verbraucherzentralen gibt die FR einen Überblick.

0900 führt zu einem Premiumservice. Dies können durchaus jugendfreie Dienste sein, wie die Hotlines von Fluggesellschaften oder Mobilfunkfirmen. Dafür können die Anbieter den Tarif frei wählen bis zu einer Grenze von drei Euro je Minute oder 30 Euro je Verbindung. Nach 60 Minuten muss das Gespräch abgebrochen werden.

0180 bedeutet, dass sich Anrufer und Angerufener die Kosten teilen. Für

Anrufe aus dem Festnetz gilt schon seit längerem die Obergrenze von 14 Cent pro Minute oder 20 Cent pro Anruf. Bei Anwahl aus dem Mobilfunknetz fiel bis zu ein Euro an. Ab dem 1. März 2010 darf dafür höchstens 42 Cent pro Minute oder 60 Cent pro Anruf berechnet

werden. Außerdem müssen die Dienste künftig neben dem Festnetz- auch den Mobilfunkpreis angeben.

118 kennen viele etwa von der

Telefonauskunft der Deutschen Telekom (11833). Auch für diesen Service können die Firmen die Preise frei wählen. Sie liegen in einigen Fällen sogar höher als bei den 0900er-Nummern.

0137 oder 0138 muss wählen, wer bei Abstimmungen mitmachen möchte,

etwa wenn Deutschland den Superstar sucht oder Fußballfans das Tor des

Monats wählen. Diese Nummern Sie können aus dem Festnetz bis 0,50 Cent pro Anlauf kosten. Besonders teuer ist das Televoting per Handy.

0800 ist für den Verbraucher die schönste Zahl. Diese Dienste sind entgeltfrei.

Kurzwahldienste: Hier ist besondere Vorsicht geboten. Gerne greifen Firmen auf spezielle kurze Nummern zurück, um vor allem junge Leute zu Chatlines, Ansagediensten (z.B. Bundesligaer-gebnisse) und zum Einkauf etwa von Klingeltönen, Fotos, Spielen und Videos zu bewegen. Anders als beim Premiumservice (0900) schützt bislang keine Preisobergrenze vor Missbrauch. (msv)
Ergebnis: Bei fast jedem dritten Anbieter stecken die Kunden im Durchschnitt länger als eine Minute in der Warteschleife fest. Dabei fielen T-Mobile, Deutsche Telekom und Freenet positiv auf. Deren Berater hatten sich in der Regel nach wenigen Sekunden gemeldet. "Positiv überrascht" wurden die Tester generell von Billiganbietern auf dem Handymarkt, bei denen meistens "akzeptable Warteschleifen" gestoppt worden seien.

Das Schlusslicht bildete der DSL-Anbieter 1&1. Er brachte es auf den negativen Spitzenwert von 23 Minuten und ließ auch bei weiteren Testanrufen mit 16 Minuten und 11,5 Minuten überdurchschnittlich lang warten. Allerdings erhebt er für den Telefonservice relativ niedrige Preise.

Die teuersten Warteschleifen beobachteten die Tester bei Tarotkönig (13 Euro), O2 (9,80 Euro) und Ryanair (4,30 Euro). Von den Billigfliegern hielt auch Easyjet mit durchschnittlich knapp zwei Minuten die Kunden lange in der Leitung. Fast durchweg als problematisch erweisen sich kleinere Anbieter mit einem Beratungsservice wie Rechtshilfen, Tipps für Hundehalter oder zum Legen von Tarotkarten. Hier fallen in der Regel die höchsten Gebühren an.

In Frankreich ist alles besser


"Bei vielen Anbietern scheinen die teuren Warteschleifen zum Geschäftsmodell zu gehören", sagte Nicole Maisch, verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen, der FR. "Da werden viele Millionen Euro verdient ohne Gegenleistung", so Maisch. Sie beklagte, dass die letzte Bundesregierung zwar Abhilfe angekündigt, dem Versprechen aber keine Taten habe folgen lassen. In Frankreich müssten Verbraucher erst zahlen, wenn sie einen Berater am anderen Ende der Leitung erwischt hätten. Dies sollte in Deutschland schnell eingeführt werden, forderte die Grünen-Politikerin.

Dass Kunden bei Hotlines weniger König als Zahlmeister sind, belegt auch eine Stichprobe der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen vom vergangenen Jahr. Demnach ließen nur zwei von 60 Unternehmen die Verbraucher auf die für sie kostenlose 0800-Nummer. Jede vierte Firma bot immerhin eine Ortsnetz-Vorwahl, etwa von Köln (0221) oder Berlin (030). Für Millionen Bürger mit einer unbegrenzten Flat-Rate fallen dabei keine Extra-Kosten an. Andere können mit Sparvorwahlen die Gebühren mindern. Doch zwei Drittel der Firmen drängten ihre Klientel in teure Sondernummern.

Aufgrund zahlreicher Beschwerden hat die alte schwarz-rote Bundesregierung die Praxis auf ihren IT-Gipfeln behandelt. Dabei einigten sich die Ministerien für Wirtschaft, Verbraucherschutz und Familie mit Telekommunikationsunternehmen und der Verbraucherzentrale Bundesverband auf einen Leitfaden, der die Standards in der Branche vorgeben soll. Diese Selbstverpflichtung fordert übersichtliche Informationen über die Kosten und den Verzicht auf Gebühren für Warteschleifen.

Die Telekommunikationsbranche wies allerdings im Anhang des Leitfadens auf technische Schwierigkeiten hin. Es sei nicht ohne weiteres möglich, bei einem Anruf zwischen einem kostenlosen und kostenpflichtigen Teil zu unterscheiden. Die Verbraucherzentralen fordern, zumindest die teuren 0180- oder 0900-Nummern durch normale Nummern mit Ortsvorwahl zu ersetzen.

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Dokument erstellt am 27.12.2009 um 17:28:05 Uhr
Letzte Änderung am 28.12.2009 um 08:04:38 Uhr
Erscheinungsdatum 28.12.2009 | Ausgabe: d
Kommentare
1. Bahn AG
Sie vergaßen die DB AG, die tel. Auskünfte auf diese Weise gebührenpflichtig macht.



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2. Kostenlose iPhone-App
Von TelTarif.de gibt es eine kostenlose iPhone-App, in die man die Bezahl-Nummer eingibt und die dann (in den meisten Fällen) eine "normale" Ersatz-Nummer mit Ortskennnummer nennt. Hat mir schon viel geld gespart:-)



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3. Armselig
Wie lange lesen wir solche Meldungen schon? 10 Jahre? Oder noch länger?
Wir sind eine armselige Gesellschaft! Tausende von Politikern und hochbezahlten Beamten in den verschiedensten Ministerien bringen es nicht fertig, eine klare Regelung zu finden, die nicht sofort wieder von den Abzockern zu eigenen Gunsten ausgelegt werden kann.



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4. Hotline Tarife
Die andere Seite ist doch die, gerade bei Handytarifen (online abgeschlossen) zahlen wir doch mittlerweile wirklich nur noch ein Apel&Ei. Ich zahle z.B gerade mal 10 Euro + MwSt. für 100 Minuten gespräch egal wohin und 100 SMS frei. Ich bin der Meinung irgendwoher muss das Geld ja kommen oder wollen wir eigentlich alles umsonst haben? Das gleiche gilt für Hotlines von Providern. Heute zahlen wir doch fast lächerliche Beträge für eine Domain, darüber hinaus besteht immer noch die Möglichkeit das ganze per Mail abzuarbeiten-außer natürlich es muss schnell gehen. MFG JK



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5. Telefonbuch-Einträge
Der Hammer ist ja auch, dass in den Telefonbüchern meist nicht mehr die Telefonnummer veröffentlich ist, sondern die kostenpflichtigen Telefonnummern.

So schaue ich meist nach der Telefax-Nummer und versuche die reguläre Telefonnummer zu konstruieren, da ich keine Lust habe, bei einer Flatrate, hierfür zu zahlen.



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