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09. Februar 2010
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Der Tarifstreit bei der Bahn
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Monatelang kämpften die Lokführer der Deutschen Bahn für ein höheres Gehalt und einen eigenen Tarifvertrag - mit allen Mitteln und mit Erfolg. Wir dokumentieren eine der schärfsten Tarifauseinandersetzungen der vergangenen Jahre.


Tarifkonflikt

Keine Einigung in Sicht

Frankfurt/Mainz (dpa/ddp/rtr/ap) - Die Lokführer werden weder morgen noch am Wochenende streiken. Das gab die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) in Frankfurt bekannt. Allerdings sind Arbeitskämpfe schon ab Montag wieder möglich - die Gewerkschaft werde in diesem Fall am Sonntagnachmittag über ihre Pläne informieren, sagte Sprecherin Gerda Seibert. Am Nachmittag hatte die Gewerkschaft noch andere Töne angeschlagen. "Es ist Zeit für unbefristete Streiks", hatte der GDL-Vize Günther Kinscher dem Nachrichtensender n-tv gesagt.

Der erneute, neunstündige Streik mit zahlreichen Zugausfällen und zehntausenden betroffenen Pendlern verhärtete die Fronten zwischen der Gewerkschaft GDL und der Deutschen Bahn AG zusehends. Die Lokführer bestehen weiter auf einem verbesserten Angebot, die Bahn lehnte eine Aufstockung dagegen ab.

Langsam fahren die Bahnen nach dem heutigen Streik wieder regelmäßiger. Die Bahn erwartet, dass sie am frühen Abend wieder "das volle Programm" fahren kann. Erhebliche Beeinträchtigungen durch den Streik gab es vor allem in Ostdeutschland aber auch in Frankfurt/Main und in München. Trotz des Streiks seien insgesamt aber rund die Hälfte aller Regional- und S- Bahnen gefahren, teilte die Bahn mit.

Die Mehrheit der Bundesbürger hat einer aktuellen Umfrage zufolge mittlerweile kein Verständnis mehr für weitere Streiks der Lokführer. 55 Prozent der Bundesbürger halten neue Arbeitsniederlegungen der Lokführer für nicht gerechtfertigt, wie eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag des Vereins Berlinpolis ergab. Nur noch 43 Prozent äußerten demnach Verständnis für den Ausstand.

SPD gegen den Streik


SPD-Chef Kurt Beck hat die Lokführergewerkschaft GDL angesichts des erneuten Streiks bei der Bahn scharf attackiert. Die GDL wolle "ohne Rücksicht auf andere" Sonderregelungen, sagte Beck am Donnerstag dem Nachrichtensender N 24. Beck forderte den Bahnvorstand auf, gegenüber der GDL im Tarifkonflikt hart zu bleiben. "Insgesamt muss man klar machen: Es ist ein kleiner Prozentsatz der Bahnbeschäftigten, es ist nur ein kleiner Teil der Lokführer, und es ist ein Teil, der sich aus der Solidargemeinschaft aller bei der Bahn herausbegibt", sagte Beck.

Am Nachmittag hat sich auch Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) mit einem "dringenden Appell" in den Lokführerstreik eingeschaltet. "Es geht in diesem Tarifstreit nicht nur um die Interessen der Beschäftigten und des Bahnkonzerns. Es geht hier auch um gewichtige volkswirtschaftliche Auswirkungen", sagte Tiefensee am Donnerstag dem "Münchner Merkur" und lobte das jüngste Angebot der Bahn: "Die Bahn hat der GDL ein Angebot unterbreitet, das eine gute Grundlage ist für weitere Gespräche."

Schwerpunkt im Osten


Schwerpunkt der Streiks war am Vormittag der Osten Deutschlands. Massiv betroffen waren der Regionalverkehr in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern sowie in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, hieß es in einer Pressemitteilung der Bahn. In Mecklenburg-Vorpommern fielen bis zu 80 Prozent der Nahverkehrszüge aus, sagte das für den Personenverkehr zuständige Vorstandsmitglied der Bahn, Karl-Friedrich Rausch, in Berlin. Ähnlich sehe es in Brandenburg aus. Die S-Bahnen in Berlin, Hamburg und Hannover fuhren nach Angaben Rauschs in den Innenstädten im 10- Minuten-Takt und in den Außenbezirken im 20-Minuten-Takt. Rausch sagte, in Nordrhein-Westfalen seien rund 160 Lokführer dem Streikaufruf gefolgt, in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen legten demnach 300 die Arbeit nieder.

Der Fernverkehr sei auch während des Streiks planmäßig und pünktlich unterwegs, sagte Rausch. Nach einer Entscheidung des Arbeitsgerichts Chemnitz darf die GDL bis auf weiteres nur Züge des Nah- und Regionalverkehrs bestreiken. Um 2 Uhr hatte die GDL mit einem neunstündigen Streik im Nah- und S-Bahn-Verkehr begonnen. Der Westen Deutschlands sei deswegen weniger vom Ausstand betroffen, da dort mehr Beamte bei der Deutschen Bahn beschäftigt seien, die nicht in den Ausstand treten dürften, sagte eine GDL-Sprecherin.

Bahn-Vorstand Karl-Friedrich Rausch forderte am Donnerstagmorgen im Nachrichtensender N24 die GDL erneut auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. "Ich bedaure, dass die Gewerkschaft in der Schmollecke sitzt und nicht an den Verhandlungstisch kommt", sagte er zuvor im ARD-"Morgenmagazin". Die GDL hatte bereits am vergangenen Freitag den Nahverkehr in weiten Bereichen ganztägig zum Erliegen gebracht. Am 5. Oktober hatte die GDL zwischen 8 und 11 Uhr gestreikt.

GDL-Chef rechtfertigt seine Kur


Der Vorsitzende der GDL, Manfred Schell, rechtfertigt indes seine umstrittene Kur mit dem nahenden Ende seines Berufslebens. Er halte die Zeit reif für eine Kur, sagte Schell der "Bild"-Zeitung (Donnerstagausgabe). "Ich habe keine ernsthafte Erkrankung. Aber nach 50 Jahren im Berufsleben, ohne einen Tag gefehlt zu haben, habe ich gedacht: Jetzt ist auch mal Zeit für eine Kur, quasi zum Abschied aus dem Berufsleben." Schell will nach eigenen Aussagen im Frühjahr 2008 seinen Posten als GDL-Vorsitzender räumen. Die Entscheidung Schells zu einer Kur in der heißen Phase des Tarifkonflikts hatte für Unverständnis gesorgt.

Mit der Arbeitskampfmaßnahme will die GDL einen eigenen Tarifvertrag für die Lokführer durchsetzen. Die Bahn hatte am Montag ein neues Angebot vorgelegt. Es orientiert sich wiederum an dem Abschluss, der im Sommer mit den Gewerkschaften Transnet und GDBA erzielt wurde: 4,5 Prozent mehr Geld zum 1. Januar 2008 sowie eine Einmalzahlung von 600 Euro. Ferner schlug die Bahn Mehrarbeit vor, um den Lokführern ein höheres Einkommen zu ermöglichen. Überdies sollen nach dem Vorschlag rund 100 Überstunden des laufenden Jahres ausbezahlt werden - was 1400 Euro brutto ergibt. Die Bahn sagte außerdem zu, die Dienstpläne mitarbeiterfreundlicher zu gestalten als bisher.

Auch in Frankreich ist ein flächendeckender Streik angelaufen. Damit
wollen Eisenbahner und Beschäftigte der Energieversorger die geplante Abschaffung von Frühpensionen in Staatsbetrieben verhindern.


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Dokument erstellt am 18.10.2007 um 07:02:09 Uhr
Letzte Änderung am 01.11.2007 um 11:05:18 Uhr
Erscheinungsdatum 18.10.2007
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