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Spezial: Banken im Umbruch
Spezial: Banken im Umbruch - Aktuell
Dieses Spezial wird fortgeführt als Debatte: Wege aus der Krise.
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Eurozone

Dollar wird zum Ärgernis

Von Werner Balsen

Luxemburg. Mit großer Sorge sehen die Finanzminister der Europäischen Währungsunion auf den schwachen Dollar. Der durch die angeschlagene US-Währung gestärkte Euro wird zunehmend als Gefahr für die wirtschaftliche Erholung in Europa gesehen.

Die Gemeinschaftswährung setzte am Dienstag ihren Höhenflug fort und notierte an den Devisenmärkten bei knapp 1,50 Dollar. "Das ist ein Problem, das uns beschäftigt", betonte Jean-Claude Juncker, Chef der Eurogruppe, zu der die 16 Finanzminister der Währungsunion gehören.

Besorgnis bekundete auch der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) Jean-Claude Trichet: Die "überzogenen Schwankungen und die ungeordneten Bewegungen auf den Devisenmärkten sind voller negativer Auswirkungen auf die wirtschaftliche und finanzielle Stabilität."

Firmen beklagen Nachteile


Steuerbetrug
Im Kampf gegen Steuerhinterziehung haben sich die EU-Finanzminister nicht auf ein Abkommen mit Liechtenstein geeinigt. Luxemburg und Österreich blockierten den Vertrag, nach dem sich das Fürstentum verpflichten sollte, den EU-Steuerbehörden auf Anfrage Auskunft über Kapitaleinkünfte von EU-Bürgern zu geben. Luxemburgs Finanzminister Luc Frieden sagte, der Vertrag würde auch für Österreich und Belgien einen "automatischen Informationsaustausch" von Steuerdaten mit EU-Ländern bedeuten. Das sei der falsche Weg. Deutschland bedauere die Entwicklung, so Staatssekretär Jörg Asmussen. Zwischen Deutschland und Liechtenstein besteht ein bilateraler Vertrag zur Bekämpfung von Steuerbetrug. (isk)
Der schwache Dollar verteuert Lieferungen der Euroländer in Staaten außerhalb der Währungsunion. Das sind nicht nur die USA, sondern auch andere für deutsche Exporteure wichtige Märkte wie China, Russland, Großbritannien oder Schweden. Die Unternehmer kalkulieren die Preise ihrer Produkte in Euro.

Verkaufen sie etwa in die USA, müssen sie einen Preis in Dollar berechnen, der dem kalkulierten Preis in der eigenen Währung entspricht. Ist der Dollar schwach, müssen die Exporteure auf dem US-Markt deshalb einen entsprechend höheren Preis in US-Währung verlangen.

Das benachteiligt sie gegenüber Konkurrenten aus dem Dollarraum. Deshalb befürchten Unternehmer und Wirtschaftsforscher, dass ein weiter steigender Euro die Hoffnung auf einen wirtschaftlichen Aufschwung zerstört.

Diese Sorge schwindet nicht dadurch, dass auf der anderen Seite Importeure in der Eurozone vom schwachen Dollar profitieren. Der Schrecken über den derzeit hohen Ölpreis hält sich in der deutschen Chemieindustrie, die auf den Rohstoff angewiesen ist, in Grenzen. Denn der Preis für das "schwarze Gold" wird in Dollar kalkuliert, weshalb der in Euro umgerechnete Aufwand für die Unternehmen nicht ganz so dramatisch steigt.

Finanzaufsicht
Die 27 EU-Finanzminister haben sich auf einen sogenannten Ausschuss für Systemrisiken geeinigt, der bei der Europäischen Zentralbank in Frankfurt eingerichtet werden soll. Seine zentrale Aufgabe wird es sein, Finanzkrisen frühzeitig vorzubeugen. "Das ist ein erster wichtiger Schritt für eine neue Finanzaufsichtsstruktur", sagte der Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Jörg Asmussen. Deutschland befürworte die Initiative.

Dem Systemrisiko-Ausschuss, der sich vier Mal im Jahr trifft, werden alle Notenbankchefs aus der EU angehören. Diskutiert wird noch, wie die EU-Agenturen für Banken, Versicherungen und Wertpapiere organisiert sein sollen. (isk)
Vorteile aus den aktuellen Verhältnissen ziehen auch Touristen, die in Staaten außerhalb der Eurozone reisen. Auch der Bundesverband Großhandel, Außenhandel Dienstleistungen (BGA) warnt vor allzu großer Panik. Zwar gibt dessen Präsident, Anton Börner, zu bedenken, die gegenwärtige Stärke des Euro könne die "weitere Gesundung" in den exportstarken Branchen gefährden. "Allerdings sollten die wechselkursbedingten Auswirkungen derzeit noch nicht überschätzt werden."

Die Dollar-Schwäche hat am Dienstag die Preise für Öl und Gold in die Höhe getrieben. In Asien kostete ein Fass (159 Liter) US-Leichtöl der Sorte WTI mit 80,05 Dollar zeitweise wieder so viel wie seit einem Jahr nicht mehr. Nordseeöl der Sorte Brent verteuerte sich in der Spitze auf 78,18 Dollar und erreichte ebenfalls ein Jahreshoch.

Im Verlauf bröckelten die Preise wieder ab. Auch der erneute Anstieg des Goldpreises auf 1067,70 Dollar je Feinunze sei "eine Dollar-Story", denn eine wirkliche physische Nachfrage nach Gold sei nicht da, sagte Analyst Walter de Wet von der Standard Bank in London.

Um die Schwäche des Dollar zu bekämpfen, wäre eine gemeinsame Intervention der wichtigsten Wirtschaftsnationen an den Devisenmärkten notwendig. Entsprechende Schritte diskutierten die sieben stärksten Industrienationen vor zwei Wochen in Istanbul. Ohne Erfolg. Vor allem die USA zeigten wenig Interesse: Die Schwäche des Dollar nutzt ihrer Wirtschaft.


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Dokument erstellt am 20.10.2009 um 17:38:03 Uhr
Letzte Änderung am 21.10.2009 um 11:40:12 Uhr
Erscheinungsdatum 21.10.2009 | Ausgabe: d
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