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09. Februar 2010
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Bellbird

Wer zu viel zappelt, stirbt ganz schnell aus

VON ROLAND KNAUER

Hätte der kleine Singvogel mit dem grünlichen Gefieder nicht gelernt, einfach mal ganz ruhig sitzenzubleiben, würden die Neuseeländer auf den Glocken-ähnlichen Gesang der "Bellbird" genannten Art Anthornis melanura heute vergeblich warten. Gab es doch auf den Inseln weit im Süden des Pazifik über Jahrmillionen keine Säugetiere, die sich vom Boden anschleichen und Vögel töten oder Nester ausräumen.

Als um 1300 erstmals Menschen auf ihren Ausleger-Kanus Neuseeland erreichten, fanden sie eine Insel voller Vögel, von denen die meisten Arten kaum Scheu kannten. Den auf den Kanus klammheimlich mitgereisten polynesischen Ratten fielen daher rasch viele Vögel zum Opfer, weil diese an solch flinke Feinde einfach nicht angepasst waren. Als nach 1769 erst der Brite James Cook und später andere Einwanderer aus Europa nach Neuseeland kamen, brachten sie weitere Nesträuber wie die Wanderratte, Igel, Katzen, Hermeline, Mauswiesel und Frettchen mit.

Zusammen mit anderen Einflüssen rotteten diese Neuankömmlinge in den vergangenen 700 Jahren rund 40 Prozent aller Vogelarten auf Neuseeland aus. Weshalb ausgerechnet der Bellbird dieses Massensterben erstaunlich gut überstand, wollten Melanie Massaro und ihre Kollegen von der University of Canterbury in der neuseeländischen Großstadt Christchurch wissen, berichtet das Journal PLoS ONE.

Denn anfangs nahmen die Bestände des Bellbird ebenfalls dramatisch ab. Der nahe verwandte Chatham Bellbird auf den abgelegenen Chatham-Inseln ist schließlich auch ausgestorben. Dem Bellbird auf die Schliche zu kommen, könnte Artenschützern helfen, andere Arten wie den Kakapo und den Takahe zu retten. Von diesen Arten lebt der gesamte Weltbestand mit je 90 und 216 erwachsenen Vögeln auf Neuseeland.

Die Forscher nahmen das Verhalten von Vögeln in zwei völlig unterschiedlichen Wäldern unter die Lupe: Bis zu den Poor Knights Islands, 22 Kilometer vor der Ostküste der Nordinsel in der Höhe der Stadt Whangarei, hatten es die flinken Landraubtiere nie geschafft. Die Bellbirds auf der Poor Knights-Insel Aorangi mussten sich daher nie mit solchen Feinden abplagen. Dort verlassen die Vögel das Nest relativ häufig und füttern die Küken mittels regelmäßigen Versorgungsflügen. Da es keine Raubtiere auf der Insel gibt, die auf sie aufmerksam werden könnten, können sie sich dieses unruhige Verhalten leisten.

Ganz anders die Situation im Kowhai-Urwald in der Nähe der Küstenstadt Kaikoura an der Ostküste der Südinsel: Dort machen Ratten, Hermeline und andere Nesträuber den Vögeln das Leben schwer. Die Bellbirds verhalten sich dort ganz anders als auf Aorangi: Völlig regungslos brüten die Weibchen auf dem Nest. Sobald die Küken da sind, fliegen die Eltern möglichst selten zum Füttern ans Nest und machen so ebenfalls kaum auf ihren Nachwuchs aufmerksam.

Vermutlich legten einige wenige Bellbirds schon immer diese vorsichtige Verhaltensweise an den Tag. Als die Landräuber dann in Neuseeland ankommen, rotteten sie rasch die unvorsichtigen Bellbirds und viele anderen Arten aus. Die übrig bleibenden vorsichtigen Vögel aber wurden nur selten Beute und konnten sich wieder vermehren.


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Dokument erstellt am 01.02.2009 um 16:32:02 Uhr
Letzte Änderung am 01.02.2009 um 19:21:12 Uhr
Erscheinungsdatum 02.02.2009
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