Regensburg. Stöpsel rein, Kind still. Davon träumen Eltern wahrscheinlich des Öfteren. Doch so einfach geht es auch mit einem Schnuller nicht. Eine Erfolgsgeschichte ist er trotzdem. 60 Jahre nach seiner Erfindung gibt es heute kaum einen Kinderwagen, an dem kein Schnulli baumelt.
"Ich befürworte den Schnuller", sagt Hermann Scheuerer-Englisch, Leiter der Erziehungsberatungsstelle der katholischen Jugendfürsorge Regensburg. "Er beruhigt ein Kind, ohne dass es gleich gestillt werden muss." Und deshalb lieben ihn wahrscheinlich auch viele Mütter. "Er ist ein Ersatzobjekt zur mütterlichen Brust", erklärt Alice Semmler aus Bergisch-Gladbach, Stillbeauftragte des Hebammenverbandes Nordrhein-Westfalen.
Kinder haben das angeborene Bedürfnis zu saugen. "Kinder nuckeln manchmal schon im Mutterleib am Daumen", sagt Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer in Berlin. Der Daumen ist aus Sicht des Kindes zwar praktisch, weil er immer verfügbar ist. Trotzdem rät Oesterreich eher zum Schnuller.
"Der Daumen ist nicht kiefergerecht geformt", erklärt der Zahnarzt. Die harte Struktur führe auf Dauer zu einer starken Deformierung des Kiefers. Der Oberkiefer entwickele sich weiter nach vorn, der Unterkiefer bleibe zurück, und ein offener Biss könne entstehen. Ein Schnuller sei die deutlich bessere Variante.
Zu früh sollten Eltern ihn aber nicht anbieten, zumindest, wenn das Kind gestillt wird. Studien zeigten, dass bei Neugeborenen der Stillrhythmus durch den Schnuller gestört werden kann, erklärt Semmler. Stilldauer und -häufigkeit ließen nach. "Es kann passieren, dass ein bis zwei Mahlzeiten pro Tag dadurch ausfallen." Und das habe Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes. In den ersten vier Lebenswochen werde daher besser auf den Schnuller verzichtet.
Auch gebe es Kinder, die keinen Schnuller möchten. Ihre Eltern müssen sich zur Beruhigung etwas anderes einfallen lassen. Das tun sie ohnehin besser: "Den Schnuller sollten Sie nicht als Stöpsel benutzen", rät die Hebamme. Oft schreie ein Kind aus einem bestimmten Bedürfnis heraus - es hat Hunger oder sehne sich nach Zuwendung. "Das sollte man nicht damit beantworten, dass man den Schnuller reinsteckt."
Damit schaffen Eltern sich auch Probleme, wenn der Schnuller später wieder abgewöhnt werden muss. Wie leicht das geht, hängt auch davon ab, wie häufig das Kind den Schnuller bekommen hat. Üblicherweise lässt das Saugbedürfnis mit eineinhalb bis zweieinhalb Jahren nach. Manche Kinder bräuchten ihn aber noch bis zum dritten Lebensjahr.
Zum Schnullerabgewöhnen gehören zwei - Kind und Eltern. "Bei einem Eineinhalb- bis Zweijährigen können sie öfter mal versuchen, den Schnuller wegzulassen und ihn zum Beispiel nur noch zum Einschlafen geben", rät Scheuerer-Englisch. Kommt das Kind gut damit klar, kann der Sauger allmählich ganz verschwinden.
Eine Belohnung hat das Kind nach der Trennung verdient. "Es muss etwas Liebgewonnenes hergeben", erklärt Scheuerer-Englisch. Die Belohnung mache das einfacher. "Letztendlich geht es um die Botschaft: 'Schön, dass du schon groß geworden bist.'"
Sauger kann Schutz vor plötzlichem Kindstod bietenEin Sauger kann das Risiko des plötzlichen Kindstodes verringern. Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung haben aktuelle Untersuchungen ergeben, dass der Schnuller die Gefahr senken kann, wenn er zum Einschlafen gegeben wird. Allerdings lasse sich daraus nicht der Rückschluss ziehen, dass Kinder ohne Schnuller stärker gefährdet sind. Deshalb sollte der Sauger dem Kind nicht gegen seinen Willen gegeben werden. (dpa/tmn)


Bookmark
Verlinken









Zum FR-Spezial











