stellen
auto
immobilien
marktplatz
inserieren
Wissen & Bildung
10. Februar 2010
Anzeigenmarkt | Zeitungsanzeige aufgeben | Abo-Angebote

In- & Ausland
Frankfurt & Hessen
Marktplatz
Verlagsservice
ANZEIGE
Die FR auch bei
Wissen & Bildung

Gastbeitrag

Nein zur Turboschule

VON MANFRED BÖNSCH

In der schulpädagogischen Diskussion ist immer wieder ein Dissens hinsichtlich der Struktur des allgemeinbildenden Schulwesens festzustellen. Da gibt es die Position, die Strukturfragen zu einem nachrangigen Problem zu erklären, wenn nur die Qualität des Unterrichts stimmt. Und da gibt es die andere Position, die Chancengerechtigkeit und die Vermeidung von sozialen Benachteiligungen von Strukturfragen abhängig macht.

Wer auf das streng gegliederte Schulwesen setzt, spricht unverhohlen von einem begabungsgerechten Schulsystem. Die Verteilung der Kinder nach dem vierten Schuljahr auf die Schularten der Sekundarstufe I (Hauptschule, Realschule, Förderschule, Gymnasium) erfolge nach dem Maß ihrer Begabung.

Anregendes Lernbiotop entscheidend


Zur Person
Manfred Bönsch ist Professor für Schulpädagogik an der Leibniz-Universität Hannover.
Diese Position ist zwar schon lange nicht mehr zu halten, wird aber in Niedersachsen zum Beispiel nach wie vor zur maßgeblichen Haltung gemacht. Die Alternative der integrierten Gesamtschule hat dagegen zur Grundidee, unterschiedlichen Lernern bei gemeinsamem Lernen genug Zeit zu geben, um alle angebotenen Abschlüsse erreichen zu können.

Da aufgrund unterschiedlicher Bedingungen des Aufwachsens, unterschiedlicher Lernweisen und vor allem Lerntempi die Ausgangslagen verschieden sind, ist ein anregendes und kommunikatives Lernbiotop (die Gesamtschule) der entscheidende Anregungsrahmen.

Die bisherige Regelung, zwei Tempi auf dem Weg zum Abitur zuzulassen (G8-Gymnasien und Gesamtschulen), kann als eine weise Regelung verstanden werden. Ermöglicht sie doch Eltern und ihren Kindern, zwischen zwei Lernwegen und -tempi zu wählen.

Wenn nun, wie in Niedersachsen geplant, auch integrierte Gesamtschulen auf den Schnellweg zum Abitur verpflichtet werden sollen, kommt ein Systemelement in ein anders gedachtes System hinein. Das wird dann als eine Art Sprengsatz wirken. Die integrierten Gesamtschulen werden gegen ihre Philosophie und Praxis gezwungen, frühzeitig Gymnasialzweige (Turbozweige) einzurichten.

Von ihnen wird ferner erwartet, das langjährige gemeinsame Lernen früh aufzugeben und vielen Schülern, Zeit zu nehmen, die sie brauchen. Das bringt Verwerfungen mit sich, die bei einer weiteren Teilschülerschaft potenziert werden. Wer nach einem guten Sekundarabschluss nach Klasse zehn Anschluss an die Sekundarstufe II sucht, muss in eine Schleife hinein. Beim zwölfjährigen Weg zum Abitur beginnt die Sekundarstufe II schon im zehnten Schuljahr!

Zwei Wege und Tempi zum Abitur sinnvoll


Die Gesamtschulen müssen also einen (Um-)Weg einrichten, der die Einfädelung in die schon früher begonnene Sekundarstufe II möglich macht. So wird die integrierte Sekundarstufe I auseinandergerissen. Einerseits ist also der stetige, Zeit gebende Weg zum Abitur verbaut, andererseits wird eine Sonderkonstruktion für langsamere, aber gut Lernende nötig. Systemfremde Elemente machen das System "Gesamtschule" kaputt.

Die Schuljahre neun und zehn sehen eine Arbeitswoche von mindestens 45 Stunden vor. Wer herausbekommen möchte, wie viele Schüler im Zuge einer so großen Belastung auf der Strecke bleiben, würde Zahlen gewinnen, die belegen: Zwei Wege und Tempi zum Abitur sind für viele Schüler und Schülerinnen nach wie vor sinnvoll. Sie eröffnen Chancen, statt sie zu verringern.

Insofern sind die Strukturen des deutschen Schulwesens eben doch von zentraler Bedeutung: Wege bauen, Zeit geben, möglichst viele Schüler mitnehmen - das geht mit rigiden Regelungen nicht. Moderne Bildungspolitik ist toleranter, einfallsreicher und pädagogischer!


Empfehlen via:    Twitter    Facebook    StudiVZ    MySpace
[ document info ]
Copyright © FR-online.de 2010
Dokument erstellt am 03.05.2009 um 17:12:01 Uhr
Letzte Änderung am 04.05.2009 um 09:53:26 Uhr
Erscheinungsdatum 04.05.2009
FR-online.de interaktiv


Alles - außer Englisch: Der neue EU-Kommissar Günther Oettinger braucht Ghostwriter. Wir haben sie.

Integration


Die Frankfurter Rundschau und die Stadt Frankfurt fragen: Wie stellen Sie sich Integration optimal vor?

Pfeil-SymbolDossier: Integration
Bologna-Reform


Bildungspolitik in der Kritik, massive Studentenproteste, Bologna brennt: Wo die Probleme der Studienreform liegen.

FR-Spezial: BolognaZum FR-Spezial
FR Spezial: Klima
Zum FR Spezial: Klima

Der Klimawandel - Ursachen und Folgen: Erderwärmung, Treibhauseffekt, Ozonloch führen zu Katastrophen

FR Spezial: KlimaZum FR Spezial: Klima
Dossier: Schweinegrippe


Pandemie Schweinegrippe: Was sind die Symptome?
Ist die Impfung sinnvoll?

Pfeil-SymbolDossier: Schweinegrippe
40 Jahre Mondlandung
FR Spezial: Mondlandung

Vor vierzig Jahren brachen mutige Männer auf, um einen Menschheitstraum zu erfüllen - die Landung auf dem Mond

Pfeil-SymbolSpezial: Mondlandung
FR Dossier
Deutschlandwetter
Stadtgeschichte
Stadtgeschichte: Frankfurt Story

FR Weinbar
Zum FR-Weinshop

In der FR Weinbar finden Sie eine exzellente Auswahl von über tausend Weinen, die von erfahrenen Sommeliers für Sie ausgesucht und verkostet wurden.

FR WeinbarZur FR Weinbar
Zeitgeschichte


Studentenproteste, Rassen- unruhen, Vietnamkrieg und die Anfänge der RAF

Pfeil-Symbol1968 - Wie es wirklich war
FR Leserreisen Katalog




Copyright © 2010 Frankfurter Rundschau
Startseite | Anzeigenmarkt | Hilfe | Politik | Wirtschaft | Frankfurt | Hessen
Sport | Fotostrecken | Kultur | Medien | Blogs | Auto
Reise | Videos | Spiele | Stellenmarkt | Kfz-Markt | Immobilien
Datenschutzerklärung | Abo-Service | Mediadaten | Kontakt | Impressum | Sitemap
realisiert von evolver media®