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Iran USA Hormus: USA rüsten in Irans Vorgarten auf

Die USA und der Iran ringen um die Vormachtstellung in der strategisch wichtigen Meerenge von Hormus. Durch dieses Nadelöhr im Persischen Golf erhält die Welt einen Großteil des dringend benötigten Erdöls.  Foto: NASA - The Visible Earth / Archiv
Die USA und der Iran ringen um die Vormachtstellung in der strategisch wichtigen Meerenge von Hormus. Durch dieses Nadelöhr im Persischen Golf erhält die Welt einen Großteil des dringend benötigten Erdöls. Foto: NASA - The Visible Earth / Archiv

Die iranische Führung hat ihre Außen- und Nuklearpolitik immer nach einer klaren Kosten-Nutzen-Analyse verfolgt und sich – aus ihrer Sicht – damit bisher nicht verspekuliert. Über ein Jahrzehnt ist es Teheran gelungen, mit Atomgesprächen die westlichen Staaten hinzuhalten und zugleich Spekulationen zu schüren, dass es insgeheim ein militärisches Atomprogramm verfolgt. Dieses Kalkül scheint nicht mehr aufzugehen.

Seit dem 1. Juli ist das Öl-Embargo der EU in Kraft. Diese und andere internationale Sanktionen, vor allem im Finanzsektor, machen dem Land inzwischen sehr zu schaffen. Zudem wächst die Gefahr, dass die USA, Israel und deren Verbündete Angriffe gegen iranische Atomanlagen führen. Am Dienstag haben die iranischen Streitkräfte als Antwort darauf neue Raketentest durchgeführt. Wie der Fernsehsender Al-Alam berichtete, kam dabei auch eine Schahab-3-Rakete zum Einsatz, die eine Reichweite bis zu 2 000 Kilometern hat – und Israel erreichen könnte.

Am gleichen Tag berichtet die New York Times, dass die US-Regierung die amerikanische Militärpräsenz am Persischen Golf deutlich verstärkt habe. Es seien mehr Kampfflugzeuge in die Region beordert worden, die iranische Raketenstellungen oder Atomanlagen angreifen könnten.

Mit der Aktion würden mehrere Ziele verfolgt: Barack Obama wolle sich vor den Wahlen als starker Präsident erweisen. Der Druck auf die Führung in Teheran werde erhöht, aber auch Israel signalisiert, dass die USA die Sorgen des Verbündeten ernst nehmen und es keinen Alleingang starten soll.

Das sind sowohl vom Iran als auch von den USA riskante Manöver, die schnell außer Kontrolle geraten können. Doch parallel zu diesem martialischen Muskelspiel traf sich am Dienstag auch eine Expertenkommission der sogenannten 5+1-Gruppe mit iranischen Vertretern in Istanbul, um die Atomgespräche nicht abreißen zu lassen.

Ein Teil der Führung in Teheran glaube noch immer fest daran, so meinen Iran-Experten, dass der Lohn für Durchhaltevermögen und Renitenz die Risiken aufwiegt. Andere Fraktionen in der Führung jedoch zweifelten, ob die Rechnung aufgeht.

So boten in einem Beitrag für die US-Zeitschrift Foreign Affairs iranische Autoren – ein einflussreicher Politikberater sowie ein ehemaliger Unterhändler – erstmals eine Option an: Die Islamische Republik würde bei Gesprächen mit den USA ihre gesammelten Trümpfe aufgeben, wenn sie bei der Lösung des Problems ihr Gesicht wahren könnte. Eine solche Lösung aber ist bisher nicht einmal ansatzweise in Sicht.