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21. September 2012

Fehler in Apple Maps: Apples Karten-Desaster

 Von 
Berlin in der Apple-Welt: Mitten in der Antarktis. 

Downgrade statt Upgrade: Erstmals erleben Apple-Nutzer mit einem Update einen massiven Rückschritt. Der neue Kartendienst Maps ist so fehlerhaft, dass vor dem Update gewarnt wird. Für Apple wird dieses Problem nur schwer zu lösen sein.

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Es ist das erste Mal, das iPhone-Nutzer mit einem Upgrade einen massiven Rückschritt erleben: Mit dem neuen mobilen Betriebssystem iOS 6 ersetzt Apple den Kartendienst Google Maps durch eine eigene App – und die ist so fehlerhaft, dass viele sich verwundert die Augen reiben. Auf eigenen Blogs tauchten ganze Sammlungen der Fehler auf, etwa das ironisch betitelte „The Amazing iOS 6 Maps“.

Die Verkehrsbehörde im US-Bundesstaat Washington sah sich erst mal gezwungen, das einmal klarzustellen: Nein, die berühmte Tacoma-Narrows-Hängebrücke sei nicht geschmolzen, teilte sie mit. Genau so sieht sie nämlich aus in Apples neuem Kartendienst Maps. Dieser ersetzt in der neusten Version des mobilen Betriebssystems iOS die Karten von Google.

Die Premier ist gehörig misslungen. Nicht nur, dass im Satelliten-Modus Brücken einstürzen und Flugzeuglandebahnen plötzlich kurvig werden – der Dienst ist so fehlerhaft, dass eine verlässliche Navigation damit unmöglich wird. Die EZB verortet der Kartendienst etwa in Schwalbach am Taunus statt im Ostend, das Frankfurter Rathaus in Mörfelden-Walldorf und Berlin am Südpol. In anderen Städten verschwinden Bahnhöfe, unzählige Geschäftsadressen werden nie angezeigt.

Nicht nur Apple-Nutzer, auch Analysten sind perplex, wie fehlerhaft die Karten sind. „Damit hatte niemand gerechnet“, sagt die Analystin Annette Zimmermann vom führenden IT-Forschungsinstitut Gartner. Apples Vorgehen scheint mit der bisherigen Strategie des Unternehmens zu brechen. „Eigentlich ist Apple dafür bekannt gewesen, ein ganz fertiges Produkt auf dem Markt zu bringen, bei dem alles niet- und nagelfest ist.“

Die Anspruch ist vor allem mit einem Namen verbunden: Steve Jobs, der 2011 gestorbene Apple-Gründer. Seiner mitunter nervtötende Beharrlichkeit wurde stets ein hoher Anteil daran angerechnet, dass in der Vergangenheit die Qualität der Produkte konstant hoch war. Als Apple 2008 den missratenen Synchronisierungsdienst MobileMe einführte und die Nutzer Sturm liefen, bestellte Jobs das zuständige Team ein und beschimpfte die Entwickler, sie hätten das Ansehen von Apple beschädigt. Zeugen zufolge soll er gesagt haben: „Ihr solltet euch alle hassen dafür, dass ihr einander im Stich gelassen habt.“

Doch nun wird Apple seit einem Jahr von Tim Cooks geführt – und ihn dürfte das Karten-Desasteter unter Druck setzen. Zimmermann sagt: „Es wird nun natürlich die Frage diskutiert, ob Apple ohne Steve Jobs seine Qualität halten können wird.“ Zwar sind dem US-Konzern auch unter Steve Jobs Missgeschicke passiert. Doch anders als bei Empfangsproblemen, die durch die Anordnung der Antennen im Rahmen des iPhone 4 ausgelöst wurden, müssen die grundlegenden Defizite der Kartenfunktion für die Verantwortlichen vorab sichtbar gewesen sein. Diese scheinen sich bewusst zu entschieden haben, ihren Nutzern einen schlechteren Service zuzumuten.

Der Grund: Apple geht es bei der Trennung von Google Maps nicht nur darum, dem Konkurrenten sein Geschäft zu erschweren. Google verkauft über sein Kartenprodukt mobile Anzeigen, ein Milliardenmarkt, der in Zukunft rasant wachsen soll. Vielmehr fürchtet Apple, zu abhängig von Google zu sein. Kartendienste zählen zu den elementaren Funktionen von Smartphones. Und Apple steht unter Zeitdruck. „In einem Jahr wäre es vielleicht schon zu spät gewesen,“ sagt Analystin Zimmermann. Nicht nur ist Google bei der Entwicklung weit voraus – Kartendienste basieren auf den Nutzerdaten, die von den Anbietern eingesammelt werden. Apple verwies in einer ersten Reaktion darauf, dass sich das Angebot durch die Nutzung verbessern soll. Doch so etwas dauert.

Google dürfte das Geschehen genüsslich auskosten. Ob es eine eigene Anwendungen im App Store von Apple geben wird ist vorerst unklar. „Unser Ziel ist es, Google Maps jedem, der es nutzen möchte, verfügbar zu machen - unabhängig davon, welches Gerät, welcher Browser oder welches Betriebssystem verwendet wird“, teilt Google vielsagend mit. Bislang war ein Angebot im App Store nicht notwendig, weil die sowohl Google Maps als auch Youtube auf Apples Geräten vorinstalliert waren. Eine Youtube-App ist unterdessen schon vorgestellt worden, sie soll in naher Zukunft verfügbar sein.

Das Karten-Desaster deutet darauf hin, dass Apple den Aufbau eines eigenen Dienstes unterschätzt hat. Zwar soll Apple bereits vor drei Jahren den Aufbau des Dienstes mit dem Kauf von drei Datenfirmen vorbereitet haben. Doch bei Google arbeiten mehrere tausend Entwickler an der Erstellung eigener Karten. Apple hingegen scheint enorme Probleme zu haben, die Daten miteinander zu verknüpfen, die es von verschiedenen Anbietern einkauft. Das Ergebnis: Hotels werden nicht gefunden, obwohl sie auf der Karte eingezeichnet sind.

„Es wird dauern, bis Apple diese Fehler beheben kann – das geht nicht über Nacht“, sagt Analystin Zimmermann. Kartendienste sind hochkomplexe Produkte: „Es bedarf eines enormen Zeit- und Ressourcenaufwands, um die Daten zu sammeln, miteinander zu verknüpfen und instand zu halten.“

Viele Nutzer dürften nun damit warten, die neue iOS-Version aufzuspielen. Für Apple ein Problem: Bisher konnten Entwickler davon ausgehen, dass die Nutzer alle auf dem gleichen Stand sind, was für sie große Vorteile hatte. Die Karten-App könnte so zu Apples bisher größtem Problem werden.

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Ja, sehr bald: Der Funktionsumfang des Galaxy S4 ähnelt dem iPhone - aber es dürfte günstiger sein.
Ja, mittelfristig: Viele Leute werden zunächst noch aus Gewohnheit zu Apple greifen.
Nein: Fürs iPhone gibt es mehr und bessere Apps.
Nein: Entscheidend sind nicht Funktionen oder Preis-Leitungs-Verhältnis - sondern der von Apple gepflegte Kult.
Ich bin da noch nicht ganz sicher.

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