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30. Oktober 2012

Gläserne Handy-Besitzer: Datenschützer warnen vor O2-Plänen

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Kann Telefonica wirklich mit den Standortdaten der O2-Kunden Geschäfte machen? Foto: imago stock&people

Ausgerechnet am Tag des Börsengangs von O2 gibt es hässliche Schlagzeilen: Der Mutterkonzern von O2, die hochverschuldete Telefonica, will die Bewegungsprofile der Handy-Kunden auswerten und verkaufen. Datenschützer sind entsetzt.

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Berlin –  

Die spanische Telefongesellschaft Telefonica, Mutterkonzern des Mobilfunk-Anbieters O2, hat ein lukratives neues Geschäftsfeld entdeckt: Sie will die Bewegungsdaten der Handy-Kunden auswerten und verkaufen. Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar, sieht darin einen neuen, gefährlichen Trend. "Die Bildung von Bewegungsprofilen dürfte in der Zukunft immer mehr an Bedeutung gewinnen", sagte Schaar im Interview.

Durch die neue Technik lässt sich beispielsweise genau erfassen, welche Kunden wie lange welche Geschäfte besuchen und vor welchem Schaufenster sie verharren. Diese Informationen werden dann mit Angaben über Alter und Geschlecht des Kunden gekoppelt werden, um Handelsketten höchst genaue und aktuelle Marketing-Daten verkaufen zu können. Telefonica versichert allerdings, die Daten würden auf jeden Fall anonymisiert und aggregiert.

"Durch die starke Verbreitung von Smartphones und anderen Geräten mit mobiler Internetanbindung wird es immer einfacher, Standortdaten zu erheben" sagte Schaar in dem Gespräch. "Wohnort oder Arbeitsplatz des Gerätebesitzers können mittels Standortdaten bereits nach kurzer Zeit preisgegeben werden."

"Standortdaten sind hochsensibel"

Für das neue Geschäftsfeld hat die spanische Telefonica, der Mutterkonzern von O2, im Oktober in London eigens eine neue Sparte mit den Namen Telefonica Dynamic Insights gegründet. Ihr Zweck sei es, „die Chancen zur Wertschöpfung aus Daten zu identifizieren und freizusetzen“, wie es in einer Pressemitteilung des Konzerns heißt. Telefonica Dynamic Insights werde Unternehmen und Behörden auf der ganzen Welt mit analytischen Erkenntnissen versorgen, die ihnen helfen werden, effizienter zu werden.

Das erste Programm, das die neue Telefonica-Tochter an den Markt bringt, ist "Smart Steps" (Schlaue Schritte), das die anonymisierten und aggregierten Bewegungsdaten der Handy-Kunden nutzt. Einzelhandelsunternehmen sollen damit in die Lage versetzt werden, zu verstehen, welche Faktoren Einfluss auf Besucherströme haben. Städtische Behörden können Smart Steps nutzen, um beispielsweise die Auswirkungen von längeren Ladenöffnungszeiten abzuschätzen.

KOMMENTAR

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Auch der Datenschutzbeauftragte des Landes Schleswig-Holstein, Thilo Weichert, warnte vor dem hohen Missbrauchspotenzial der neuen Technik. "Standortdaten sind hochsensibel, weil eben über sie eindeutig erkennbar ist, wo sich jemand aufhält", sagte Weichert dem Sender HR-Info. "Insofern sehe ich es mit großen Bauchschmerzen, dass jetzt offensichtlich Telekommunikationsunternehmen beginnen, diese Daten in die Welt zu streuen."

"Grenzen gibt es keine"

Telefonica lässt sich nach eigenen Angaben beim Aufbau seines neuen Geschäftsfeldes von der Deutschen Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) beraten. Für Deutschland gebe es noch keine konkreten Pläne, sagte ein Telefonica-Sprecher am Dienstag in München. Er betonte: „Der Datenschutz muss zu hundert Prozent gewährleistet sein“. Telefonica ist hoch verschuldet und will mit dem Dienst eine neue Einkommensquelle erschließen.

Schaars Sprecherin erinnerte daran, dass Mobilfunkunternehmen die Ortsdaten ihrer Kunden nur dann auswerten dürften, wenn sie vollständig anonymisiert würden oder der Kunde seine Einwilligung zur Verwertung gebe. Doch genau damit hat O2 offenbar schon begonnen: Wer online einen neuen Handy-Vertrag bei O2 abschließt, muss im Kleingedruckten bereits zustimmen, dass der Konzern sowohl seine personenbezogenen Daten als auch seine Standortdaten verwerten darf.

"Es ist ein gefährliches Signal, wenn solche hochsensiblen Daten, wie zum Beispiel Standortdaten – auch wenn sie anonymisiert sind – an Dritte weiterverkauft werden", sagte der Grünen-Politiker Malte Spitz. "Ohne Probleme könnten weitere Informationen zum Nutzungsverhalten der Kundinnen und Kunden hinzugefügt werden. Alles ist vorstellbar, Grenzen gibt es keine."

Leichter Kursanstieg beim Börsengang

Unterdessen feierte die Aktie von O2 ein erfolgreiches Börsendebüt. Die Papiere der Telefonica Deutschland Holding, die unter der Marke O2 das kleinste der vier deutschen Mobilfunknetze betreibt, starteten am Dienstag mit einem Kurs von 5,70 Euro in den Handel. Ausgegeben worden waren sie zu 5,60 Euro.

Mit einem Volumen von 1,45 Milliarden Euro ist O2 der größte Börsengang in Deutschland seit dem des Motorenherstellers Tognum im Juli 2007 und der größte in Europa seit fast eineinhalb Jahren.

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