kalaydo.de Anzeigen

IT-Branche
Apple, Microsoft, SAP; RIM, Nokia, HTC - Nachrichten aus der IT-Branche.

03. Januar 2013

iPad: Twitterkrieg um iPad-Verbot

 Von Steven Geyer
Der Stein des Anstoßes: Das Apple iPad, das keinen austauschbaren Akku hat. Foto: dpa

Jochen Flasbarth, Präsident des Umweltbundesamtes, und ein Spiegel-Reporter streiten über ein Verbot des iPads.

Drucken per Mail

Das hätt’ es früher nicht gegeben! Natürlich hätte auch schon vor der Erfindung von Internet und iPad der damals mächtige Spiegel den Chef einer Bundesbehörde mit Genuss in den Senkel gestellt. Nur wäre das Schwarz auf Weiß geschehen, an einem Montag in Woche 1. Dann hätte der Behördenchef, der sich ungerecht behandelt fühlte, einen, wie man damals sagte,  geharnischten Leserbrief in die Maschine gehackt, der in Woche 2  im Spiegel abgedruckt worden wäre. Wäre ihm dann ein Politiker beigesprungen, hätte der wohl mit einer Tageszeitung gesprochen. Falls das Thema nicht schon durch gewesen wäre.

Heute läuft derselbe Streit an einem Tag, dafür doppelt so schnell, dreifach so aggressiv und vor allem zugleich öffentlich und direkt zwischen Journalist und Behörden-Chef. In seinem Zentrum steht just das Gerät, das die Tageszeitung wahlweise töten oder retten wird: das iPad. Das will  Jochen Flasbarth,  Präsident des Umweltbundesamtes – eine Behörde, die dem Umweltministerium untersteht – verbieten lassen. Behauptet jedenfalls der Spiegel-Mann Alexander Neubacher, der seit seinem Bestseller-Erfolg mit der Anti-Naturschutz-Fibel „Ökofimmel“ gegen alles kämpft, was er als Ökostalinismus ausgemacht hat.

Jochen Flasbarth ist Klimaberater der Bundesregierung.
Jochen Flasbarth ist Klimaberater der Bundesregierung.
Foto: dpa

Und was wäre bezeichnender und spaßtötender als ein Öko-Behörden-Chef, der das coole iPad verbieten will – sicher nur, weil es aus Plastik und Blech gemacht  und trotzdem pfandfrei ist? Wieder ein irrer Umweltideologe enttarnt, freute sich Neubacher.

Behördenchef schießt zurück

Doch da – moderne Zeiten! – schoss der Behördenchef zurück. Unvermittelt, per Twitter. Er habe nie ein Tablet-PC-Verbot gefordert, erklärte Flasbarth seinen Abonnenten am Mittwochabend. „Was ich zu iPads gesagt habe, wusste Alexander Neubacher, passte aber nicht in seine Geschichte. Guten Journalismus muss man können & wollen!“ Schon am Morgen wehrte sich der angegriffene Angreifer: „Was stimmt denn nicht mit unserer Darstellung?“, fragte er öffentlich.

Nun wurde der Ton rapide rauher: Flasbarth empfahl dem Spiegel-Mann, dann doch „mal (zu) recherchieren – gehört bei anderen Journalisten zum Handwerk“. Neubacher postete als Beweis den Link zu einem Text, laut dem Flasbarth dieser Zeitung im November gesagt hatte: Die Lebensdauer und Recycling-Fähigkeit von Tablet-Computern – die eben nicht nur aus Plastik und Blech gemacht sind, sondern aus wertvollen Rohstoffen – könnte stark erhöht werden, wenn  das Akku nicht fest eingebaut, sondern austauschbar wäre. „Dass das verschleißträchtigste Bauteil nicht einfach ersetzt werden kann, ist grotesk. Das muss man verbieten“, so Flasbarth damals. 

Alexander Neubacher, Spiegel-Journalist.
Alexander Neubacher, Spiegel-Journalist.
Foto:  Imago

Nur dass der Streit damit nicht endete. Denn was ist das zu verbietende „Das“?  Das ressourcen-, umwelt- und letztlich auch industrie-feindliche Design, sagt Flasbarth. Wenn Neubacher unter Journalismus mehr verstünde als „bisschen rumgoogeln“, hätte er das kapiert. „Wir haben Ihren O-Ton auch auf Band, in Stereo und in Farbe“, droht der. „Erst denken, dann reden!“

Kurz bevor Tiernamen ins Spiel kamen, schaltete sich die Politik ein. SPD-Umweltexperte Ulrich Kelber stellt fest, dass auch Neubachers Links die Forderung nach einem Verbot belegen, „Akkus fest einzubauen, nicht Verbot der Geräte“. Dem schließe er sich an, so Kelber: „Es wäre ökologisch richtig und aus Verbrauchersicht wichtig, auswechselbare Akkus vorzuschreiben.“

Der Kampf geht weiter.

Jetzt kommentieren

Thema

Apple, Microsoft, SAP, Deutsche Telekom, RIM, Nokia, HTC - Nachrichten aus der IT-Branche. Das Thema.


Smartphone-Markt
Wer gewinnt den Smartphone-Wettbewerb?

Mit dem Galaxy S4 legt Samsung nach. Werden die Südkoreaner den Wettbewerb mit Apples iPhone gewinnen?

Ja, sehr bald: Der Funktionsumfang des Galaxy S4 ähnelt dem iPhone - aber es dürfte günstiger sein.
Ja, mittelfristig: Viele Leute werden zunächst noch aus Gewohnheit zu Apple greifen.
Nein: Fürs iPhone gibt es mehr und bessere Apps.
Nein: Entscheidend sind nicht Funktionen oder Preis-Leitungs-Verhältnis - sondern der von Apple gepflegte Kult.
Ich bin da noch nicht ganz sicher.
Mitreden

Erst kippen die Banken - dann wackelt die Weltwirtschaft. Nun wird die Finanzbranche umgebaut - und der Staat stützt die Konjunktur. Reden Sie mit.

Smartphone-Markt
Anzeige
Animation

Die weltweite Ausbeutung der Schiefergas-Reserven könnte den Energiemarkt nachhaltig verändern: Animation mit Infos zu Vorkommen weltweit und der umstrittenen Fördermethode "Fracking".

Brutto-Netto-Rechner
Optimieren Sie Ihr Gehalt:
Bruttogehalt (Euro mtl.)
St.-Kl.
Arbeitslosengeldrechner
Wie viel Arbeitslosengeld steht Ihnen zu?
Bruttogehalt (jährl. Euro) Steuerklasse
Kinder Ja Nein Berechnen
FR-Spezial

Wendige Elektroautos statt schwerer Spritfresser, enges Bahnnetz statt weniger schneller Strecken - wie wir mobil bleiben.

FR-Spezial
Die IG Metall will in Kürze entscheiden, ob sie zu Warnstreiks in der Stahlindustrie aufruft.

Kurzarbeit, Jobabbau - wie sozial unsere Marktwirtschaft noch ist. Und: Hartz IV - Nachwirkungen der großen Sozialreform.

Frauen in die Aufsichtsräte

Die EU will, dass 40 Prozent der Aufsichtsräte weiblich sein sollen. Für Vorstände gilt das nicht. Eine gute Lösung?

22% Ja, finde ich gut. Die Unternehmen ernennen von sich aus keine Frauen.
67% Nein, ich bin dagegen. Die Qualifikation ist wichtiger als das Geschlecht.
11% Ist egal, für die Wirtschaft ist das nicht entscheidend.

Euro-Krise

Das Märchen von den Griechen

Von Stephan Kaufmann | 22 Kommentare
Die Geschichte der griechischen Krise wird sehr einseitig beschrieben. Europa ist gut, Athen ist böse. Europa muss sein Sorgenkind erziehen - oder es aus dem Euro werfen.

Die Geschichte der griechischen Krise wird sehr einseitig beschrieben. Europa ist gut, Athen ist böse. Europa muss sein Sorgenkind erziehen - oder es aus dem Euro werfen. Es geht um „Lügen“, „Sorgen“ und der teuren „Rettung“. Dahinter verbergen sich knallharte Interessen. Mehr...

Anzeige
Faktencheck
Zurück zur Drachme um den Euro zu retten?

Griechenland steht im Ruf, über seine Verhältnisse gelebt zu haben. Mythen über die Ursachen der Krise.

Anzeige
Insolvenz
Hunderte von Filialen hat Schlecker bereits geschlossen.

Der Insolvenzverwalter ist bestellt, jetzt beginnt die harte Zeit der Neuordnung von Schlecker. Wir erklären, wie es mit der Kette weitergeht.

Wirtschaft-Spezial

Die Schuldenkrise hat Europa im Griff: Nachrichten zur Eurokrise, Konjunktur, Eurobonds und Ratingagenturen.


Faktencheck
Steigende Beiträge zur Sozialversicherung - die Zukunft?

Was würde passieren, wenn Deutschland ein Sparpaket bewältigen müsste wie Griechenland? Ein erschreckendes Szenario.