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25. Oktober 2012

Microsoft Windows 8: Beeindruckend anders

 Von Marin Majica und Jonas Rest
Auf dem Microsoft Surface läuft eine abgespeckte Version von Windows 8. Foto: dpa

Mit Windows 8 strebt Microsoft ins Tablet-Zeitalter – für Nutzer ist es mehr als gewöhnungsbedürftig. Riskant ist dieses Unterfangen, weil Microsoft seine bisherigen Kunden nicht verprellen will. Bis Februar ist das Betriebssystem zum Kampfpreis zu haben.

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Es wirkt vertraut, was Microsoft veranstaltet. Der Konzern hat am Donnerstagabend in Berlin eingeladen, um mit Pomp sein neues Betriebssystem Windows 8 vorzustellen. Damit will Microsoft nicht weniger als eine neue Ära einläuten. Doch schon der fröhliche Mädchen-Gesang, mit dem die Werbevideos unterlegt sind, all die jungen, individuell und kreativ aussehenden Menschen auf den PR-Bildern, das kommt einem bekannt vor. Als der per Video aus New York zugeschaltete Microsoft-Chef Steve Ballmer das neue System als „wirklich magisch“ anpreist, erinnert das ebenfalls an etwas – an Apple.

Doch wie sich schon angekündigt hatte, ist der Software-Konzern aus Redmond tatsächlich bereit, mit Traditionen zu brechen. Er ist dazu gezwungen, will er nicht aus der PC-Branche verdrängt werden, die er selbst begründet hat, deren Takt aber immer stärker durch Smartphones und Tablets und die Konkurrenten Apple und Google vorgegeben wird. Windows 8 wird ab diesem Freitag in Deutschland verkauft, und es ist beeindruckend anders.

Für Fans ein Schock

Für alle, die das alte Windows kennen, wird Windows 8 ein Schock sein. Taskleiste, Start-Button, Papierkorb – das alles ist vom Startbildschirm verschwunden. Stattdessen starrt der Nutzer auf bunte Kacheln, die ihm neue E-Mails zeigen und ob es draußen regnet. Lieblingswebseiten, der Musikplayer, oft genutzter Kontakte, all das soll sich der Nutzer auf den Startbildschirm legen. Diese Gestaltung ist vor allem auf Tablet-Nutzer und Laptops mit Touchscreen ausgerichtet, vertraut ist sie längst Benutzern eines Telefons mit Windows Phone.

Was Microsoft versucht, macht Apple seit Jahren vor: Die Einführung einer Plattform mit möglichst vielen verschiedenen Endgeräten, auf denen dasselbe Betriebssystem läuft, und die Annäherung zwischen mobilen und Schreibtisch-Geräten. Das Update per Download auf Windows 8 bietet Microsoft bis Februar für günstige 29,99 Euro an. Der Konzern musste in den vergangenen Jahren mit ansehen, wie seine Stellung als Marktführer zunehmend bröckelte: Vor fünf Jahren lief Microsoft-Software auf 90 Prozent der Rechner, die damals fast ausschließlich PC waren.

Mit dem Aufkommen mobiler Geräte wie Smartphones und Tablets ist der Anteil dramatisch gesunken: Nach Angaben von Forrester Research beträgt er nur noch 30 Prozent. Marktführer ist inzwischen Googles Android mit 40 Prozent, Apple steht bei 20 Prozent. Und während die Smartphone- und Tablet-Märkte weiter wachsen, wird der PC-Markt 2012 wohl das erste Mal seit der Krise 2001 schrumpfen.

Microsoft hat sich zum Befreiungsschlag entschlossen – und geht dabei fast radikaler vor als Apple. In Zukunft soll auf allen Geräten nur noch Kachel-Windows laufen. „Programme“ gibt es nicht mehr, nur noch Apps. Und damit sich der im Moment noch recht leere Windows Store – Microsoft nennt keine Zahlen – schnell mit Apps füllt, werden Entwickler mit einer höheren Beteiligung an Umsätzen als bei Apple gelockt.

Mit XBox Music wurde eine Plattform gestartet, auf der Nutzer Musik kaufen können oder, wie bei Spotify, gegen eine Abogebühr Zugriff auf 30 Millionen Titel haben. Von Googles Android hat sich Microsoft abgeschaut, auf möglichst vielen verschiedenen Geräten präsent zu sein: große und kleine Laptops, Desktop-Rechner, teure Business-Notebooks oder Handtaschen-Tablets, es wird alles geben.

Mal oben, mal unten

Riskant ist dieses Unterfangen, weil Microsoft seine bisherigen Kunden nicht verprellen will. Windows 8 besteht eigentlich aus zwei Betriebssystemen. Unter der Kachelwelt liegt der bekannte Desktop. Das hat den Nachteil, das etwa die Systemeinstellungen an verschiedenen Stellen zu finden sind. Das URL-Fenster des Internet Explorers ist mal oben, mal unten. Der Vorteil: Auf dem Desktop laufen auch die alten Windows-Programme – nur nicht in der Version Windows RT. Auf den RT-Geräten laufen nur die Apps aus dem Windows-Store. Verwirrend? Microsoft bricht doch nicht mit allen Traditionen auf einmal.

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