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01. März 2013

Vernetzte Autos: Mobilfunk zieht ins Auto ein

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Ford B-Max auf dem Mobile World Kongress in Barcelona. Foto: AFP

Automobil-Hersteller und Mobilfunk-Betreiber machen gemeinsame Sache. Sie wollen den Mobilfunk ins Auto integrieren. Künftig werden Autos mit Freisprechanlagen und mit berührungsempfindlichen Bildschirmen in der Mittelkonsole und im Fond fürs mobile Internet ausgestattet sein.

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Im Fernsehen läuft eine Dokumentation über die Evolutionstheorie. Sie läuft auf dem Bildschirm in der Mittelkonsole eines Chevrolet Malibu. Der US-Autobauer General Motors will mit dem Malibu demonstrieren, wie das mit Connected Cars in naher Zukunft funktionieren könnte. So geschehen diese Woche auf der Mobilfunkmesse in Barcelona. Fortsetzung folgt nächste Woche auf der Cebit in Hannover. Thomas Kiessling, Leiter der Sparte Produkte&Innovation bei der Deutschen Telekom, kündigte Mitte der Woche an, dass es auch von seinem Konzern „in den nächsten Tagen“ Neuigkeiten zum Thema vernetzte Autos geben werde. Jetzt wird spekuliert, ob in Hannover ein großes Projekt angekündigt wird, womöglich gemeinsam mit BMW oder Daimler.

GM jedenfalls hat große Ambitionen. Der Konzern hat gerade eine Kooperation mit dem Telekom-Riesen AT&T angekündigt. Und Vize-Chef Stephen Girsky macht schon einmal klar: Kein anderer Autobauer werde so viel Mobilfunk-Technologie in so viele Autos einbauen wie GM. Doch die Amerikaner sind nicht alleine. Alle großen Automobil-Hersteller arbeiten daran, den Mobilfunk ins Auto zu integrieren. Bei GM werden Autos der Marken Chevrolet, Buick, GMC und Cadillac von Ende 2014 an mit Mobilfunkmodulen ausgerüstet, die mit der neuen LTE-Funktechnik arbeiten.

Mobiler Wlan-Hotspot

Um dies zu nutzen, sei kein zusätzliches Gerät nötig, so Girsky. Alles sei schon integriert ins Auto. Das läuft darauf hinaus, dass Autos mit Freisprechanlagen und mit berührungsempfindlichen Bildschirmen in der Mittelkonsole und im Fond fürs mobile Internet ausgestattet werden. Es muss nur noch die irgendwo in der Auto-Elektronik verbaute Sim-Karte aktiviert werden. Zugleich wird das Auto damit zum mobilen Wlan-Hotspot für den Halter und seine Familie. Alle können sich mit ihren eigenen Smartphones und Tablets in das Pkw-Netzwerk einklinken.

Was das letztlich bedeutet? Die Antwort von AT&T-Manager Glenn Lurie ist beinahe philosophisch: „Wir wissen noch gar nicht, was wir nicht wissen“, sagte er der US-Tech-Website C‘Net. Das beschreibt die Situation einigermaßen zutreffend. Connected Cars: das ist so etwas wie der neue unbekannte Kontinent der Telekommunikationsbranche.

Allerdings wird auch schon seit fast einem Jahrzehnt über die beinahe unbegrenzten Möglichkeiten philosophiert, die mit vernetzten Autos einhergehen. Umgesetzt wurde davon aber nur ein Bruchteil. Für viele Experten ist klar, dass ein entscheidender Hemmschuh die Mobilfunktechnik war. Die Bandbreite reichte insbesondere in ländlichen Regionen nicht, um konstant mit dem Internet in Verbindung zu bleiben. Das ändert sich mit LTE, das grob gesagt eine Verzehnfachung der Übertragungsgeschwindigkeit bringt. Viele Branchenkenner sind wie Girsky der Ansicht, dass nun der Moment der Umsetzung in großem Stil gekommen ist.

Interesse daran haben beide Seiten. Mobilfunker erhoffen sich angesichts gesättigter Märkte im konventionellen Geschäft in den Industrieländern enorme neue Einnahmequellen. Die deutschen Premium-Autobauer (Daimler, BMW, Audi) wollen mit mobilem Internet ihre Fahrzeuge weiter aufwerten, um sie von Massenmobilen abzuheben.

Fernüberwachung von Autos

GM allerdings will einen ganz anderen Weg gehen: „Ich betone, dass Opel und Vauxhall vollständig von den neuen Technologien profitieren werden“, sagt Girsky. Also Fernsehgucken auch im Astra, dem Kompaktwagen der GM-Tochter. Die Kinder im Fond könnten natürlich auch Online-Spiele spielen und mit ihren Freunden via Video-Telefonie kommunizieren. Eine Art Fernüberwachung des Autos wird bei GM ebenfalls getestet: Knallt ein anderer Wagen gegen den geparkten Pkw, wird der Halter via Smartphone alarmiert. Zugleich schalten sich vier Kameras ein, die in Echtzeit übertragen, was gerade rund ums Autos passiert. Fahrerflucht würde so erschwert. Automatische Notrufsysteme bei einem Unfall werden in jedem Fall zu den neuen Anwendungen gehören. Ferndiagnostik ist natürlich auch möglich. So könnte der Fahrer gewarnt werden, wenn etwas droht kaputt zu gehen. Ein Werkstatttermin kann dann gleich online vereinbart werden.

Die Pläne von Computerexperten gehen aber noch viel weiter. Ein vernetztes Auto lässt sich in die öffentliche Infrastruktur einbinden. Staut es sich irgendwo, können Autos umgeleitet werden. Es wird möglich, Parkplätze in der City zu suchen und zu reservieren. Natürlich kann der Fahrer sich auch dorthin navigieren zu lassen. Oder ihm wird mitgeteilt, dass alle Parkplätze belegt sind und er am besten das Auto stehen lässt und auf Busse und Bahnen umsteigt.

Connected Cars: das bedeutet auch, dass ungeheuer viele Daten über die Nutzer anfallen. Das belebt schlimmste Big-Brother-Szenarien. Kaum etwas ist so aufschlussreich über eine Person wie ihre Bewegungsmuster.
Firmen wie IBM sehen hierin aber auch eine Chance: Autoversicherer könnten ihre Kunden mit Apps beglücken, die deren Daten auswerten und an die Assekuranz weiterleiten. Stark ausdifferenzierte Tarife könnten die Folge sein. Leute, die wenig fahren, würden davon profitieren.
Girsky jedenfalls will die Zusammenarbeit mit Entwicklern massiv ausbauen, die Apps rund ums Auto ersinnen. Da schwingt natürlich die Hoffnung mit, dass es da eine ähnliche Evolution wie bei den Smartphones gibt. Als die ersten Geräte auf den Markt kamen, war von möglichen Zusatzprogrammen in einer zweistelligen Größenordnung die Rede. 2008 waren es alleine für das iPhone schon rund 500 Apps, heute sind es mehr als 770.000.

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Nein: Fürs iPhone gibt es mehr und bessere Apps.
Nein: Entscheidend sind nicht Funktionen oder Preis-Leitungs-Verhältnis - sondern der von Apple gepflegte Kult.
Ich bin da noch nicht ganz sicher.
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