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Atom-Debatte: Schnell raus

Die unsichersten Meiler könnte Deutschland sofort abschalten. Der Produktionsausfall der alten Meiler könnte durch den bestehenden Kraftwerkspark leicht aufgefangen werden.

Deutschlands ältestes Atomkraftwerk, Biblis, könnte sofort abgeschaltet werden.
Deutschlands ältestes Atomkraftwerk, Biblis, könnte sofort abgeschaltet werden.
Foto: dpa

Die Forderung, so zügig wie möglich aus der Atomkraft auszusteigen, wird lauter. Umweltorganisationen fordern das Abschalten der sieben ältesten Reaktoren an den Standorten Biblis, Isar, Brunsbüttel, Neckarwestheim, Philippsburg und Unterweser. Dazu soll noch der „Pannenmeiler“ Krümmel vorzeitig abgeschaltet werden. Dessen Siedewasser-Bauart – wie in Fukushima – gilt als besonders unsicher.

Doch wie schnell geht das? Gehen dann die Lichter in Deutschland aus? Und wird Strom dann deutlich teurer? Das hält die überwiegende Mehrzahl der Energie-Experten für Unsinn. Karsten Smid von Greenpeace sagte gestern der FR: „Das Abschalten der älteren Meiler ist ohne weiteres sofort möglich.“ Auch Gerd Rosenkranz von der Deutschen Umwelthilfe ist überzeugt: „Die risikoreichsten Atomanlagen gehören so schnell wie möglich vom Netz, das ist technisch machbar.“

Die angesprochenen AKW produzieren zusammen rund acht Gigawatt Leistung – wenn sie in Betrieb sind. Krümmel und Brunsbüttel stehen seit 2007 still. Auch Biblis A und B waren in den vergangenen Jahren zum Teil vom Netz. Da habe es entgegen vorheriger Warnungen „keine Probleme“ mit dem Stromnetz gegeben, sagte Gerd Rosenkranz.

Der Produktionsausfall der alten Meiler könnte durch den bestehenden Kraftwerkspark leicht aufgefangen werden. Die Reserven – zum Beispiel ältere Kohlekraftwerke, die kaum noch rentabel sind – reichen dafür aus. Hinzu kommt: Deutschland hat in den vergangenen Jahren trotz vieler AKW-Ausfälle in großen Mengen Strom exportiert: Von Januar bis November 2010 wurden laut Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen zwölf Terawattstunden Strom ins Ausland verkauft. Das entspricht etwa der Leistung eines großen Kernkraftwerks. Und drittens: In Deutschland sind fossile Kraftwerke mit rund 12 Gigawatt Kapazität in Bau oder geplant.

Menschenkette gegen Atomkraft

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Deutsche Kernkraftwerke und Atomlager

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Keine Preis-Explosion

Holger Krawinkel, Energieexperte des Bundesverbands der Verbraucherschützer, sagte: „Wir fordern, dass die alten Meiler so schnell wie möglich vom Netz gehen. Das wäre für die Stromversorgung überhaupt kein Problem.“ Auch große Preissteigerungen für Verbraucher sind laut Krawinkel kaum zu befürchten.

Entscheidend für den Börsenpreis ist immer das teuerste Strom liefernde Kraftwerk, das ist in Deutschland nie ein AKW. Es gäbe lediglich eine kleine Verschiebung hin zu älteren und damit etwas teureren fossilen Kraftwerken. „Die Auswirkungen dürften aber gering sein“, sagte Krawinkel. Auch die Deutsche Energie-Agentur (Dena) ist zu dieser Einschätzung gekommen.

Enger würde es, wenn alle 17 deutschen Meiler schnell vom Netz gehen müssten. Dann würden auf einen Schlag mehr als 20000 Megawatt Leistung fehlen, das entspricht rund einem Viertel der maximalen Strommenge, die in Deutschland aus dem Netz gesaugt wird. Stephan Kohler, Chef der Deutschen Energie-Agentur, hält das schnelle Stilllegen aller deutschen Atommeiler theoretisch für machbar. Es würde allerdings trotz der Wiederinbetriebnahme alter Kraftwerke und größtmöglicher Stromimporte knapp, meint er. Im Winter könne es zu Stromausfällen kommen. Zudem würden die Kohlendioxid-Emissionen massiv ansteigen, weil auch uralte und höchst ineffiziente Kraftwerke wieder dauerhaft ans Netz müssten.

Die sofortige Stilllegung aller Anlagen fordert deshalb kaum jemand. Aber den zügigen Abschied, und zwar in etwa so, wie es in dem im Herbst rückgängig gemachten Atomausstiegsplan von Rot-Grün vorgesehen war. Auch das Umweltbundesamt hält den Ausstieg bis zum Jahr 2020 für möglich, ohne dass es eine „Stromlücke“ gäbe. Doch müsste Deutschland zuvor erheblich Geld investieren.

Dafür sind moderne Gaskraftwerke besonders geeignet, die neben Strom auch Haushalte und Industrie mit Fernwärme versorgen. Die sogenannte Kraft-Wärme-Kopplung hält Verbraucherschützer Krawinkel für den Königsweg: „Natürlich müssen auch die erneuerbaren Energien so schnell wie möglich ausgebaut werden. Aber neue Gaskraftwerke lassen sich innerhalb weniger Jahre in großem Umfang bauen. Arbeiten sie in Kraft-Wärme-Kopplung, sind sie hocheffizient und produzieren sehr wenig Kohlendioxid.“

Autor:  Jakob Schlandt
Datum:  13 | 3 | 2011
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