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Fukushima: Die Aufräumarbeiten ziehen sich hin

Ein neues Erdbeben hat die japanische Küste von Fukushima erschüttert. Größere Schäden gibt es nicht, aber das Beben erinnert daran: Auch fünf Monate nach Beginn des Super-GAU im AKW sind die Sanierungsarbeiten längst nicht abgeschlossen.

Tepco will ein Zelt über das AKW bauen (hier ein Modell)
Tepco will ein Zelt über das AKW bauen (hier ein Modell)
Foto: dapd
Frankfurt –  

Die Erde in Japan hat am Freitag wieder heftig gebebt. Diesmal mit Stärke 6,8, das Zentrum lag direkt vor der Küste von Fukushima. Autobahnen wurden gesperrt, Hochgeschwindigkeitszüge gestoppt – und der Stromkonzern Tepco evakuierte die Arbeiter, die seine AKW-Ruine in einen „sicheren Zustand“ bringen sollen – die Behörden hatten eine Tsunami-Warnung herausgegeben. Bis im 240 Kilometer entfernten Tokio wurden die Erdstöße registriert.

Zum Glück ging die Sache relativ glimpflich ab. Die Tsunami-Warnung wurde aufgehoben, Schäden wurden vorerst nicht gemeldet, und Tepco beeilte sich festzustellen: An den Strahlen-Messstationen rund um das AKW seien „keine Abweichungen“ registriert worden. Doch das Beben erinnerte daran, dass die Sanierungsarbeiten in dem zerstörten Atomkraftwerk auch fünf Monate nach dem Beginn des Super-GAU längst nicht abgeschlossen sind.

In den Kellern und Kanälen unter dem Fukushima-AKW stehen immer noch knapp 120 000 Tonnen stark radioaktiv verseuchtes Wasser, das dekontaminiert werden muss. In den Wochen nach dem Super-GAU am 11. März diesen Jahres hatte Tepco pro Tag 500 bis 600 Tonnen Wasser in die teils geschmolzenen Reaktorkerne geleitet, um sie zu kühlen. Das Wasser sammelte sich in den Kellern der Anlage.

In dieser Woche hat der Fukushima-Konzern nun eine zusätzliche Anlage zur Dekontaminierung in Betrieb genommen, die das Wasser schneller als bisher reinigen soll. Trotzdem befürchtet der Konzern, dass die Stabilisierung der teils schwer zerstörten Reaktoren nicht wie geplant bis Ende 2011 zu schaffen ist. Bisher sind 42 000 Tonnen der Atombrühe behandelt worden.

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Neue, robustere Anlage

Tepco hatte immer wieder Schwierigkeiten mit der Entseuchungsanlage, deren Komponenten der Konzern beim französischen Atomkonzern Areva und einem US-Hersteller bestellt hatte und die seit Juni in Betrieb ist. Sie holt radioaktive Stoffe wie Cäsium aus dem Wasser heraus, außerdem andere Verunreinigungen wie Öl und Schlamm. Allerdings funktionierte sie bisher in knapp einem Drittel der Zeit nicht. Die neue Anlage ist nun ein japanischer Eigenbau des Toshiba-Konzerns, sie ist einfacher aufgebaut und soll deswegen robuster sein. Sie besteht aus 14 zylindrischen Tanks, die das Mineral Zeolith enthalten, das die radioaktiven Partikel des hindurchgepumpten Wassers absorbiert.

Die Operation hat mehrere Ziele. Sie soll die radioaktive Belastung in den Anlagen mindern und den Wasserstand in den Kellerräumen absenken, damit die Gefahr des Überlaufens und der Verseuchung des Grundwassers gebannt wird. Das Problem allerdings: Regen kann die Menge des zu behandelnden Wassers wieder ansteigen lassen. Solange die Zelt-Konstruktionen nicht fertig sind, die Tepco über den Anlagen 1, 3 und 4 aufstellen lässt, kann das Wasser durch die zerstörten Reaktorgebäude in die Keller laufen. Zelt 1 wird derzeit gebaut und soll Ende September fertig sein. Die beiden anderen werden danach in Angriff genommen.

Das dekontaminierte, „recycelte“ Wasser nutzen die Betriebsmannschaften auch, um die Reaktorkerne weiter zu kühlen. Die stark belasteten Filter aus den Dekontaminierungsanlagen werden auf dem Fukushima-Gelände in abgeschirmten Behältern zwischengelagert.

Weitere Verzögerungen

Die nächste Etappe ist der sogenannte „cold shutdown“ der havarierten Reaktoren: Die Kühlwasser-Temperatur in dem Reaktor soll bei normalem Luftdruck dauerhaft unter 100 Grad Celsius sinken. Dadurch entsteht kein Wasserdampf mehr und es kann keine Radioaktivität mehr in die Umgebung gelangen. Der Konzern teilte mit, er strebe weiter an, dies in der „Periode Oktober bis Januar“ zu erreichen, möglicherweise dauere es aber länger. „Der Plan könne sich verzögern“, so ein Sprecher.

Unterdessen hat die japanische Regierung erstmals seit dem Fukushima-Super-GAU die volle Wiederinbetriebnahme eines vorher aus Sicherheitsgründen abgeschalteten AKW genehmigt – Reaktor 3 der Atomanlage Tomari auf der Nordinsel Hokkaido. Seit der Katastrophe sind fast drei Viertel der 54 japanischen Reaktoren nicht in Betrieb, die meisten von ihnen wegen Sicherheitschecks oder zur Wartung.

Eine wachsende Zahl Japaner ist dagegen, die Reaktoren wieder ans Netz zu nehmen, insbesondere in der Umgebung der Anlagen. Allerdings herrscht derzeit große Stromknappheit im Land; der Druck, die AKW wieder ans Netz zu nehmen, ist deshalb hoch. Mit Kampagnen fordern Regierung und Stromkonzerne die Bürger zum Stromsparen auf.

Autor:  Joachim Wille
Datum:  20 | 8 | 2011
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