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Kapital in Arbeiterhand: In guten wie in schlechten Zeiten

Wie das bayerische Unternehmen Grünbeck Wasseraufbereitung mit einem mehrfach prämierten Beteiligungsmodell das Spannungsverhältnis zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber auflösen will. Von Jutta Maier

Obwohl er nach einem Autounfall vor 15 Jahren nicht mehr ins Unternehmen zurückkehrte, ist Josef Grünbeck noch immer präsent: In Öl gemalt blickt der 83-jährige Gründer in der Zentrale über den Flur, sein Büro nutzt die Geschäftsleitung für Besprechungen.

Die Zeit scheint darin stehengeblieben zu sein, doch die Vision von der Mitarbeiterbeteiligung, die Grünbeck 1968 hatte und "soziale Partnerschaft" nannte, ist noch immer aktuell.

Gutes Betriebsklima: Geschäftsführer Ernst mit Mitarbeitern.
Gutes Betriebsklima: Geschäftsführer Ernst mit Mitarbeitern.
Foto: Kraus

"Wir bekommen viele Anfragen für Diplomarbeiten", sagt Walter Ernst, seit 25 Jahren Geschäftsführer und alter Weggefährte des Gründers. Zusammen mit seiner Frau hält Grünbeck noch immer 56 Prozent des Stammkapitals, der Rest ist in den Händen von derzeit 110 Gesellschaftern, das sind rund 40 Prozent der Belegschaft.

Grünbeck saß für die FDP im Bundestag und war in Bayern jahrzehntelang ein erfolgreicher Kommunalpolitiker. Dank seines Beteiligungsmodells konnte die Wasseraufbereitungs-Firma nach seinem Unfall reibungslos weitergeführt werden. "Er hat dafür gesorgt, dass die GmbH auf einer breiteren Basis steht und bei seinem Ausfall nicht führungslos dasteht", sagt Ernst.

Das kinderlose Ehepaar Grünbeck legte sogar fest, dass die Gesellschafter-Mitarbeiter bei ihrem Tod ihre Anteile erben, die sich so verdoppeln würden. Das erspare den künftigen Eigentümern eine hohe Erbschaftsteuer, sagt Ernst.

Grünbeck habe er durch sein mehrfach prämiertes Beteiligungsmodell "das Spannungsverhältnis zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber auflösen" wollen, sagt Ernst, und zwar nach der Devise "Mitarbeiten, mitbestimmen, mitverantworten". Vor allem aber habe der Politiker etwas Bleibendes schaffen wollen.

Das ist ihm gelungen. Sein Beteiligungsmodell hat er stufenweise aufgebaut von der reinen Gewinnbeteiligung "mit der Gießkanne" über stille Beteiligungen hin zu Gesellschaftern mit eigenen Anteilen. Nach einer Rentenwelle stehen derzeit etwa 14 Prozent der Anteile zum Verkauf.

Um die Nachfrage anzukurbeln, soll künftig mehr Führungspersonal Gesellschafter werden, "wegen der Multiplikator-Funktion", sagt der technische Geschäftsführer Günter Stoll. Die kleinsten Beteiligungen liegen bei 300, die größten bei 50 000 Euro. Zudem können die Mitarbeiter bei Kapitalerhöhungen neue Anteile erwerben.

Genau 62 Beschäftigte sind über vermögenswirksames Sparen stille Gesellschafter. Nach sieben Jahren können sie sich ihr Geld auszahlen lassen oder in Unternehmensanteile umwandeln. 60 bis 70 Prozent nutzen das Angebot. So wie Armin Hopfenzitz, seit 23 Jahren Konstrukteur.

Nicht immer sind alle Anteilseigner so loyal

Nach sieben Jahren ließ er seine mit fünf Prozent verzinsten, vermögenswirksamen Leistungen für ein Jahr ruhen, dann wandelte er sie in Anteile um. Obwohl er zwischendurch ein Haus baute, dachte er nie daran, das Geld zu nehmen: "Das wäre mir wie ein Vertrauensbruch vorgekommen."

Nicht immer waren alle Anteilseigner so loyal. Vor einigen Jahren versuchte eine Gesellschafterin, viele Anteile aufzukaufen, um sie auf dem freien Markt zu verscherbeln. Nach einem jahrelangen Rechtsstreit musste sie ihre Anteile zurückgeben.

Grünbeck besitzt ein Vorkaufsrecht, außerdem muss jeder Anteilsverkauf vom Firmenbeirat, wie sich der Aufsichtsrat bei Grünbeck nennt, abgesegnet werden. "Damit stellen wir sicher, dass die Anteile nicht in die falschen Hände geraten, etwa an Wettbewerber", erklärt Stoll.

Mitbestimmung "in kleinen Dimensionen"

In der Regel sehen die Gesellschafter ihre Anteile nicht als Spekulationsobjekte, sondern als relativ sichere Geldanlage und Beitrag zur Stabilisierung des Unternehmens. ."Durch die Beteiligung sind wir in konjunkturellen Schwierigkeiten und gegenüber Finanzhaien besser aufgestellt", glaubt Betriebsratsvize Norbert Körber.

Außerdem könne man "in kleinen Dimensionen" mitbestimmen. So wählen die Gesellschafter den Aufsichtsrat, der die Geschäftsführung kontrolliert. Er besteht aus Loni Grünbeck, dem Geschäftsführer einer Tochterfirma, drei Handelsvertretern, einem Mitarbeiter im Ruhestand sowie einem früherer Berater. Für ihn wurde eine Ausnahme gemacht sonst dürfen nur Beschäftigte, Handelsvertreter und deren Mitarbeiter Anteile kaufen.

Mitentscheiden dürfen die Gesellschafter auch über die Dividende. Bislang ließen sie stets mindestens die Hälfte des Gewinns in der Firma. Geht es ihr schlecht und werden Verluste eingefahren, gehen die Anteilseigner leer aus.

Natürlich denke man bei Abstrichen an den eigenen Geldbeutel, sagt Stoll. Auf den Gesellschafterversammlungen werde jedoch so lange gerungen, bis Entscheidungen von allen mitgetragen werden können.

Auf das operative Geschäft haben die Anteilseigner keinen Einfluss: Es liegt in den Händen der Geschäftsleitung. Das gleiche gilt für die Löhne, die nicht tarifgebunden sind, sich aber an den Abschlüssen der bayerischen Metallindustrie orientieren. Wenn es allerdings mit der Firma nicht so gut läuft, komme auch mal kein Tarifabschluss zustande, erklärt Ernst.

Als Geschäftsführer muss er sein Gehalt mit dem Beirat aushandeln. Er ist unbefristet eingestellt und könnte jederzeit bei einem Jahr Kündigungsfrist von den Gesellschaftern abberufen werden. Die Abfindungen liegen mit einem Monatsgehalt für zwei Jahre Betriebszugehörigkeit eher im unteren Spektrum. "Wir fühlen uns hier nicht als Manager", betont Ernst.

Kontrollierend wirkt auch der Beirat, der Bilanzen prüft, Berichte anfordert und Investitionen checkt. Extremes Wachstum gab es bei Grünbeck nie, aber auch keine betriebsbedingten Kündigungen. Offenbar hat sich die konservative Strategie ausgezahlt: Ernst geht davon aus, das Krisenjahr "nur mit leichten Schrammen" abzuschließen.

Autor:  Jutta Maier
Datum:  7 | 7 | 2009
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