McKinsey ist überall. Die smarten Berater helfen nicht nur Managern, Firmen um- und Arbeitsplätze abzubauen. Sie sind auch gefragt, wenn Gewerkschafter, wie jetzt bei einem "Mitbestimmungsforum" in Hannover, über die Beteiligung der Beschäftigten am Kapital von Unternehmen nachdenken.
Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Den Segen von McKinsey-Direktor Michael Jung haben sie. Bei Lohnverzicht sollten die Belegschaften als Gegenleistung Anteile am Unternehmen erhalten, lautete das Plädoyer, das Jung auf der von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung und dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) organisierten Veranstaltung hielt.
Die Argumentation des McKinsey-Manns, der unter anderem am Umbau der Bundesagentur für Arbeit beteiligt war, läuft wie folgt: Wir haben die Krise nach vor uns. Die üblichen Strategien zu ihrer Bewältigung versagen. Die Unternehmen sind gezwungen, ihre "Kernkosten", also vor allem den Personalaufwand, weiter zu senken. Das bedeutet entweder Stellenabbau oder Lohnverzicht. Gleichzeitig schwindet die Dominanz der kurzfristig orientierten Shareholder. Stattdessen gewinnen "Stakeholder" wie Staat, Kunden, Lieferanten oder Beschäftigte an Einfluss. Sie werden notgedrungen zu Kapitalgebern und damit zu Miteigentümern.
Krise als Chance für Veränderung
Wolfgang Müller von der IG Metall Bayern sieht diese Entwicklung auch als Chance für Veränderungen: "Nach der Krise soll nicht vor der Krise sein." Das bislang übliche Tauschgeschäft Lohnverzicht gegen Beschäftigungssicherung steht in Frage, auch weil Unternehmen immer wieder Ausstiegsklauseln nutzen. Wenn aber die Beschäftigten "sowieso verzichten" müssen, sollten sie im Gegenzug mit einer Beteiligung am Kapital entschädigt werden. "Wir haben nichts zu verschenken", sagt Müller.
Erprobt werden soll dieser Ansatz nun auch bei der Schaeffler-Gruppe. Der Autozulieferer, der sich bei der geplanten Übernahme des Branchennachbarn Conti verzockte und ums Überleben ringt, hatte im Rahmen des Rettungsversuchs mit der IG Metall eine "Zukunftsvereinbarung" abgeschlossen. Sie sieht unter anderem die "Möglichkeit zur Kapitalbeteiligung" der Beschäftigten vor.
Davon will die Gewerkschaft jetzt Gebrauch machen - als Gegenleistung für die geplante Senkung der Personalkosten um 250 Millionen Euro. Wie Müller, der die Schaeffler-Gruppe betreut, in Hannover berichtet, arbeitet der Gesamtbetriebsrat noch an den Details des Modells. Es soll Spekulationsgeschäfte ausschließen und ein einheitliches Vorgehen der Beschäftigten als Anteilseigner sichern.
Dietmar Hexel, Mitglied des DGB-Bundesvorstands, verbindet mit solchen Modellen große Hoffnungen. Das "Unternehmen der Zukunft" könne nicht "ohne Mitentscheidung der Arbeitnehmer geführt werden", ruft er den in Hannover versammelten Gewerkschaftern zu. Doch die sind nicht ganz so begeistert. "Die Doppelrolle als Eigentümer und Arbeitnehmer bringt uns in ein Dilemma. Halten wir das aus?", fragt ein Teilnehmer des Forums und fürchtet "ganz großes Konfliktpotential", etwa wenn Warnstreiks den Aktienkurs bedrohen.
Opel und Arcandor ungeeignet
Auch in anderen Punkten wartet das Publikum auf Antworten: Wann ist eine Beteiligung sinnvoll, wann nicht? Welche Kompetenzen brauchen wir? Welche Auswirkungen hat das auf die Gewerkschaften? Wie lässt sich der Grundlohn sichern?
"Sie müssen die Chancen des Unternehmens kalkulieren und beurteilen, ob Sie durch die Beteiligung nicht ein neues Risiko eingehen", gibt McKinsey-Mann Jung den Gewerkschaftern zu bedenken. In den Fällen Arcandor und Opel würde er abraten.