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09. August 2013

Chefs ohne Skrupel: Wenn Psychopathen im Chefsessel sitzen

Legendärer Psychopath: Anthony Hopkins spielt den hochintelligenten Killer Hannibal Lecter in „Das Schweigen der Lämmer“. Anders als viele glauben sind Psychopathen aber nicht immer kriminell.  Foto: dpa

Grenzenlos selbstverliebt, gewissenlos und ohne Mitgefühl - so würde man einen Psychopathen beschreiben. Die unangenehmen Charakterzüge treffen aber auch auf manche Manager zu, zeigen US-Studien. Allerdings verstehen sie es, die anderen Beschäftigten zu blenden.

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Grenzenlos selbstverliebt, gewissenlos und ohne Mitgefühl - so würde man einen Psychopathen beschreiben. Die unangenehmen Charakterzüge treffen aber auch auf manche Manager zu, zeigen US-Studien. Allerdings verstehen sie es, die anderen Beschäftigten zu blenden.

Der neue Chef war allen Mitarbeitern sympatisch - er lobte viel, drückte sich gewählt aus und hatte immer ein Lächeln auf den Lippen. Doch der Schein trügte: Nach einem Jahr wurde die Hälfte der Belegschaft hinausgeworfen und durch billigere Arbeitskräfte ersetzt. - Kommt Ihnen das bekannt vor? Dann dürfte Sie auch das Ergebnis einer US-Studie nicht überraschen: Schwerverbrecher und Manager verfügen demnach über vergleichbare Persönlichkeitsmerkmale - einer von 25 Führungskräften weist die Charakterzüge eines Psychopathen auf.

Auf den den ersten Blick erscheinen solche Menschen freundlich und aufmerksam - aber tatsächlich sind sie egozentrisch, kennen kein Mitgefühl mit anderen und auch kein Gewissen. Kollegen, Partner und Freunde werden manipuliert, damit sie ihre Ziele schneller erreichen. „Psychopathen sind Blender, sie treten uns gegenüber sehr charmant auf. Dieser Charme gepaart mit der richtigen Business-Sprache - und wir haben eine charismatische Führungskraft“, sagt der New Yorker Psychiater Paul Babiak, der mit seinen Kollegen Robert D. Hare und Craig S. Neumann diese Persönlichkeitsstörung eingehend erforscht hat.

Psychopathen kommen häufig sehr charmant daher - aber ihre Gefühle für andere sind nur vorgetäuscht.
Psychopathen kommen häufig sehr charmant daher - aber ihre Gefühle für andere sind nur vorgetäuscht.
 Foto: dpa

Mit gesundem Narzissmus Karriere machen

Eine gute Portion Selbstliebe ist natürlich nötig, um die Karriereleiter zu erklimmen - denn ohne Narzissmus stecken Menschen voller Selbstzweifel. Ungesund wird es, wenn sich ein „aggressiver Narzissmus“ herausbildet, sagt Gerichtspsychiater und Autor Reinhard Haller im Gespräch mit dem Schweizer Tages-Anzeiger. Heute werde übersteigerte Selbstliebe geradezu idealisiert, „etwa in Form des emotionslosen und durchsetzungsstarken Managers“.

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Hallers Ansicht nach gibt es erstaunliche Parallelen zwischen Wallstreet-Bankern und kriminellen Psychopathen: „Manchmal entscheiden bloß die Umstände, ob Menschen ihre psychotischen Neigungen im Chefsessel oder in der Kriminalität ausleben.“ Den skrupellosen Führungskräften gehe es dabei weniger um das Geld, als vielmehr um Imponiergehabe und Machtausübung.

Langfristig fährt man alles an die Wand

Ist ein Hannibal Lecter im Chefsessel also der erfolgreichere Manager? Der Personalexperte Michael Zondler, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens centomo, bezweifelt dies: „Wer nur über die negativen Eigenschaften des Narzissmus wie Überempfindlichkeit gegenüber Kritik, mangelnde Empathiefähigkeit, Neigung zum Größenwahn etc. verfügt, wird ein Unternehmen langfristig an die Wand fahren.“ Er lande dann für sein psychotisches Verhalten vielleicht nicht im Knast, werde aber als Unternehmensführer scheitern. Denn seine Neigung, sich mit Speichelleckern und Ja-Sagern zu umgeben, führe zu einem Kontrollverlust.

„Ich bin aber davon überzeugt, dass viele Manager und insbesondere auch Unternehmer aus dem Mittelstand über eine gehörige Portion positive Eigenliebe verfügen.“ Sie wollten etwas aufbauen und entwickelten Visionen für ihre Firma - nicht nur um sich ein Denkmal zu errichten, sondern auch um etwas Positives für die Mitarbeiter zu schaffen. (gs)

Dauer-Nörgler, Choleriker und Schreibtisch-Chaoten: Auf diese Chef-Typen können wir gerne verzichten:

Buchtipps:

Reinhard Haller: Die Narzissmusfalle: Anleitung zur Menschen- und Selbstkenntnis.

Paul Babiak, Robert D. Hare: Menschenschinder oder Manager: Psychopathen bei der Arbeit.

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