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20. August 2013

Den Chef überzeugen: Wie setze ich ein Sabbatical durch?

Einmal richtig auftanken: Das erhoffen sich viele Arbeitnehmer von einem Sabbatical.  Foto: dpa-tmn

Endlich ein Buch schreiben oder durch Südamerika reisen: Viele Berufstätige träumen von einer Auszeit. Doch Arbeitgeber halten von Sabbaticals in der Regel nicht viel. Aber mit guten Argumenten können Arbeitnehmer punkten.

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Eine Auszeit vom Job zu machen und um die Welt zu reisen - das war schon lange Raoul Maiers Traum. Als Berater bei der Unternehmensberatung A.T. Kearney investierte er viel Zeit in verschiedene Projekte. Den richtigen Moment für eine Pause zu finden, schien daher schwierig. Doch nach einer Beförderung war für ihn der richtige Zeitpunkt gekommen.

Er überzeugte seine Vorgesetzten von dem Plan und bereiste mit seiner Verlobten ein halbes Jahr lang die Welt: Australien, Neuseeland, Tibet, China, Nepal, Hongkong und Hawaii standen auf seiner Liste. „Mir ist es wichtiger, mein Leben wirklich gelebt, als am Ende etwas mehr Geld auf dem Konto zu haben“, erklärt der 35-Jährige.

Bedürfnis nach einem Sabbatical wächst

Raoul Meier hat es geschafft: Er konnte seinen Vorgesetzten überzeugen und nahm sich ein halbes Jahr eine Auszeit vom Job.
Raoul Meier hat es geschafft: Er konnte seinen Vorgesetzten überzeugen und nahm sich ein halbes Jahr eine Auszeit vom Job.
 Foto: dpa-tmn

So wie Raoul Maier denken viele Arbeitnehmer. „Immer mehr Menschen haben das Bedürfnis nach einem sogenannten Sabbatical“, sagt Sabbatical-Coach Andrea Oder aus Berlin. Und die Zahl der Unternehmen, in denen eine solche mehrmonatige Job-Auszeit möglich ist, wachse. Auch wenn bislang nur wenige Firmen ein betriebliches Sabbatical fest installiert haben - oft können individuelle Lösungen gefunden werden. Bevor sich Arbeitnehmer mit ihren Wünschen an den Chef wenden, sei es jedoch wichtig, die persönlichen Ziele genau zu definieren. Die Chance zu einer Auszeit bietet sich nicht so oft. Arbeitnehmer sollten deshalb wissen, warum sie ihnen wichtig ist.

Gute Vorbereitung ist essenziell

Wer den Vorgesetzten von seinem Plan überzeugen will, muss gut vorbereitet sein. „Dazu gehört natürlich auch, dass man sich im Vorfeld überlegt, wie man die Auszeit finanziell überbrücken kann“, sagt die Karriereberaterin Ute Bölke aus Wiesbaden. Prinzipiell gebe es verschiedene Modelle: Die eleganteste Variante sei es, die Auszeit ein oder zwei Jahre im Voraus zu planen.

Dann könne man Vollzeit arbeiten, aber nur für Teilzeit bezahlt werden. Während des Sabbaticals werde dann das restliche Gehalt ausgezahlt, erklärt Bölke. Der Vorteil sei, dass man so weiterhin kranken- und rentenversichert ist. Dasselbe gelte auch, wenn Arbeitnehmer ungenutzte Urlaubstage oder Überstunden auf einem Zeitwertkonto ansparen und für das Sabbatical nutzen.

Einmal richtig ausspannen oder die lang ersehnte Fernreise planen: Für ein Sabbatical gibt es viele Gründe.
Einmal richtig ausspannen oder die lang ersehnte Fernreise planen: Für ein Sabbatical gibt es viele Gründe.
 Foto: dpa

Ein weiterer wichtiger Punkt, über den sich Arbeitnehmer klar werden sollten, ist die Länge des Sabbaticals. Dabei kommt es natürlich in erster Linie darauf an, welchem Ziel die Auszeit dient. „Wer nur mal auftanken will, für den sind drei Monate vielleicht schon genug. Wer sich nach 30 Jahren im Berufsleben neu orientieren möchte, braucht unter Umständen auch ein Jahr“, erklärt Oder. Laut Bölke ist es jedoch vor allem für Personen in Führungspositionen oft schwierig, eine längere Auszeit zu nehmen. Dann müsse eventuell eine Stellvertreterregelung gefunden oder interimsweise Ersatz besorgt werden. Aber auch für Arbeitnehmer ohne Führungsverantwortung sei es wichtig, sich vor der Auszeit zu überlegen, wer anfallende Aufgaben vertretungsweise übernehmen könnte.

Kein Rechtsanspruch auf ein Sabbatical

Die Doktorarbeit vervollständigen: Manch einer hat sich für sein Sabbatical ambitionierte Ziele gesetzt.
Die Doktorarbeit vervollständigen: Manch einer hat sich für sein Sabbatical ambitionierte Ziele gesetzt.
 Foto: dpa

Sind all diese Punkte geklärt, sollte man das Gespräch mit dem Vorgesetzten suchen. Eines muss jedoch jedem klar sein: Einen Rechtsanspruch auf ein Sabbatical gibt es nicht. „Deshalb ist der Gespräch mit dem Chef auch der Dreh- und Angelpunkt“, betont Andrea Oder. Sie empfiehlt sogar, die Situation vorher mit Freunden durchzuproben, um zu sehen, wie authentisch man wirke. Wichtig sei es, eine Win-Win-Situation zu erreichen: „Wenn ein Gewinn für die Firma sichtbar wird, hat der Vorgesetzte einen größeren Anreiz zuzustimmen“, erklärt Oder. Sei es, dass man nach der Pause wieder mit Elan zurückkehre, im Ausland wertvolle Sprachkenntnisse erwerbe oder durch einen weiteren Studienabschluss Kompetenzen dazugewinne - „auf die Argumentation kommt es an.“

Offen sein für Lösungsansätze

Natürlich sei es möglich, dass man zunächst auf Ablehnung stoße. Antworten wie „Das hatten wir ja noch nie“ seien nicht ungewöhnlich. Gerade dann sollten Arbeitnehmer sich aber nicht entmutigen lassen, sondern signalisieren, dass man gerne an einer Lösung mitarbeite: Wen könnte man einarbeiten? Wer kann die Aufgaben übernehmen? „Wenn ich klar machen kann, dass ich an einem reibungslosen Ablauf interessiert bin, wirkt das engagiert“, erklärt Oder. Es sei wichtig, zu zeigen, dass einem die Arbeit am Herzen liege.

Das kann Raoul Maier bestätigen: Er musste seine Reise dreimal um ein paar Wochen nach hinten verschieben, weil immer wieder Projekte bei Kunden dazwischenkamen. „So habe ich aber gezeigt, dass ich die Firmeninteressen vorne anstelle - was auch meine Vorgesetzten zu schätzen wussten“, erzählt er. Wer viel für die Firma geleistet und sich gewinnbringend eingesetzt habe, der könne auch mit Unterstützung bei seinem Anliegen rechnen. „Man muss immer erst einmal ein paar Chips einzahlen, bevor man sich wieder welche herausnehmen kann“, sagt Maier. (dpa/tmn)

Für alle, die kein Sabbatical verwirklichen können, zeigen wir in der Bildergalerie die besten Strategien gegen Stress im Job:

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