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17. August 2012

Alkohol am Arbeitsplatz: Mehr Fehlzeiten durch Alkoholkonsum

 Von Amelie Buskotte
Viele Arbeitnehmer greifen bei Arbeitsstress schon mal zum Flachmann.  Foto: dpa

Die Zahl der Erwerbstätigen die an psychischen Erkrankungen leiden steigt. Jeder fünfte bis zehnte Arbeitnehmer betreibe einen riskanten Alkoholkonsum.

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Tipps für Kollegen

Arbeitnehmer, die bei Kollegen ein akutes Alkoholproblem vermuten, sollten in keinem Fall das Thema verschweigen. Das rät Regina Sahl von der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen (HLS). Das Thema dürfe nicht tabuisiert werden. Oft wollten Betroffene sogar, dass sie angesprochen werden und Hilfe bekommen. Wichtig sei, dass man den Betroffenen in einer ruhigen Minute anspreche und keinesfalls sein Verhalten bewerte.

Erste Anzeichen für übermäßigen Alkoholkonsum seien häufige Fehlzeiten, häufiges Zuspätkommen sowie Alkoholfahnen und unkonzentriertes Arbeiten. Arbeitgeber, die Auffälligkeiten bei ihren Angestellten bemerken, sollten ebenfalls das Gespräch suchen.

Betriebsvereinbarungen seien für Firmen am sinnvollsten. Hierbei wird mit allen Ebenen des Betriebs eine Vereinbarung über das Vorgehen bei Alkoholmissbrauch am Arbeitsplatz geschlossen. Diese Vereinbarung enthalte meist verschiedene Stufen, die von einem ersten Fürsorgegespräch über weitere Begleitgespräche reichten. Erst wenn keine der Vereinbarungen eingehalten werde und der Abhängige sich nicht einsichtig zeige, komme es zur Abmahnung, im schlimmsten Fall zur Kündigung.

Hilfe unter www.hls-online.org

Übermäßiger Alkoholkonsum wird oft in Zusammenhang mit Jugendlichen genannt. Immer wieder wird von „Saufgelagen“ und „Komasaufen“ berichtet. Doch Alkoholmissbrauch und Alkoholsucht seien kein „Jugendphänomen“, sagt Brigitte Schlöter, Pressesprecherin der Krankenkasse Barmer GEK.

Ganz im Gegenteil: Der neue Gesundheitsreport für Hessen, der am Mittwoch vorgestellt wurde, zeigt, dass krankhafter Alkoholkonsum vor allem Menschen zwischen 40 und 60 Jahren betrifft. Von 788 Versicherten der Barmer GEK, die in Hessen im vergangenen Jahr wegen einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus lagen, waren 28 Prozent in der genannten Altersgruppe. Die meisten der Fälle kamen aus Frankfurt. Dies sei allerdings ein genereller Trend, sagt Schlöter. Denn der Gesundheitsreport zeige, dass Arbeitnehmer in den Städten mehr Alkohol konsumierten als auf dem Land.

Anzahl der Krankmeldungen

Bundesweit nehmen die Arbeitsausfälle durch Krankheit zu. Durchschnittlich 15,4 Tage waren Arbeitnehmer im vergangenen Jahr krank gemeldet. „Hessen macht da keine Ausnahme“, sagt Barmer-Landesgeschäftsführer Norbert Sudhoff. Grund für die steigenden Fehlzeiten sei die Zunahme von psychischen Erkrankungen, auch infolge übermäßigen Alkoholkonsums. Hektik und Stress im Arbeitsleben versuchten immer mehr Menschen, mit Suchtmitteln zu bewältigen. „Leider bekommen wir kein vollständiges Bild des Alkoholkonsums“, sagt Sudhoff. Aber Analysen zu alkoholbedingten Fehlzeiten machten die Größenordnung deutlich.

Zahlen, die erschrecken: Jeder fünfte bis zehnte Arbeitnehmer betreibe einen riskanten Alkoholkonsum, schätzt das wissenschaftliche Kuratorium der deutschen Hauptstelle für Suchtfragen. Um Betroffene aufzufangen und weitere Fälle zu vermeiden, bietet die Hessische Landesstelle für Suchtfragen (HLS) Präventionsprogramme, Stufenpläne und Schulungen an. „Wir müssen die Menschen in ihrer Arbeitsumgebung erreichen“, sagt Regina Sahl, Koordinatorin für Suchtprävention der HLS.

Ganz wichtig seien Betriebsvereinbarungen, die festlegten, wie im Fall einer Alkoholkrankheit vorgegangen werde. „So weiß jeder Bescheid und jeder Mitarbeiter wird gleich behandelt“, sagt die Suchtexpertin.

Tabu der Sucht

Doch Alkoholmissbrauch sei in vielen Unternehmen noch immer ein Tabu. „Es ist schwierig, Unternehmen für das Thema zu sensibilisieren“, sagt Gerd Scheuplein vom betrieblichen Gesundheitsmanagement der Barmer GEK. Ein Wandel sei trotzdem zu erkennen. Dadurch, dass die Krankheitsfälle zunähmen, widmeten sich immer mehr Betriebe dieser Problematik. Sudhoff sieht dabei das komplette Gesundheitssystem in der Pflicht. „Es ist Zeit, dass Betroffene ganzheitlich behandelt werden“, sagt er. Es dürfe nicht immer wieder heißen „Man müsste mal“, sondern „Wir machen das“. Das fange bei der Prävention an und höre bei der Nachbehandlung und weiteren Betreuung auf. Gerade deshalb sei der Gesundheitsreport so wichtig. „So erkennen wir genau, wo Handlungsbedarf besteht“, sagt er.

Der Gesundheitsreport 2012 ist der fünfte, den die Barmer GEK erstellt. Die Daten erhält die Krankenkasse durch die Krankmeldungen. Während Arbeitgeber die Krankmeldungen ohne Diagnose bekommen, können die Krankenkassen diese anonym auswerten. Grundlage des diesjährigen Reports für Hessen sind 285.000 von bundesweit 3,5 Millionen Erwerbstätigen. Schwerpunktthema ist der Alkoholkonsum am Arbeitsplatz.

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