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12. November 2012

Berufspendler: Pendeln kann krank machen

 Von dpa
Pendeln stresst jeden Arbeitnehmer. Experten raten, am besten das Auto stehen zu lassen und die Zeit sinnvoll in öffentlichen Verkehrsmitteln zu nutzen. Foto: David Ebener

Wenn das Büro ganz woanders ist als der Wohnort sind Arbeitnehmer zum Pendeln gezwungen. Für den Weg zur Arbeit brauchen die meisten Pendler bis zu 60 Minuten, das kostet Zeit und Nerven.

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Jeden Morgen zum Bahnhof hetzen, sich über verspätete Züge ärgern - das stresst. Und am Abend haben viele das Gefühl, ihre Zeit durch das Pendeln sinnlos zu vergeuden. Was hilft dagegen?

Ihr Morgen ist durchgetaktet: Um 6.00 Uhr klingelt bei Kerstin Götz in Poppenricht in Bayern der Wecker. Um 6.25 Uhr fährt sie mit dem Auto zum Bahnhof. Dann noch schnell zum Bäcker und einen Kaffee holen. Um 6.47 Uhr geht ihr Zug nach Regensburg, ein kurzer Fußmarsch und um 7.45 Uhr ist sie bei der Arbeit. Götz macht diese Tour an fünf Tagen in der Woche. Eine Strecke ist 75 Kilometer lang. Sie genießt es, auf dem Dorf zu wohnen und trotzdem nach ihrem Studium nicht auf einen guten Job verzichten zu müssen. Trotzdem sagt sie: «Man ist schon immer ganz schön fertig.»

Ihre Probleme kennen alle, die täglich zur Arbeit pendeln. «Die Pendelbereitschaft steigt mit höherem Einkommen und höherer Qualifikation. Dieser Trend verschwimmt aber immer mehr», sagt Annette Haas vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Auch Bevölkerungsgruppen mit geringerem Einkommen müssten immer mobiler sein.

Laut Zahlen des Statistischen Bundesamts sind Fernpendler pro Strecke im Schnitt 74 Minuten unterwegs. Als Fernpendler gelten alle, die mindestens 60 Minuten für Hin- und Rückweg unterwegs sind. Die Mehrheit der Fernpendler fährt an fünf Tagen die Woche die Strecke. Zwischen Wohnort und Arbeitsort liegen im Durchschnitt 55 Kilometer. Über die Hälfte der Fernpendler fährt mit dem Auto. Etwas weniger (43 Prozent) nehmen die öffentlichen Verkehrsmittel.

Kerstin Götz hat sich für die Bahn entschieden, weil sie sich den Stress bei der Autofahrt ersparen wollte. Damit hat sie laut dem Pendlerforscher Steffen Häfner genau richtig gehandelt: «Das Fahren mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist gesünder und nervenschonender», sagt er. Am besten sei es, eine Verbindung zu nehmen, bei der Beschäftigte möglichst wenig umsteigen müssen. Immer wieder einen Sitzplatz suchen zu müssen, empfinden viele als stressig.

Außerdem könnten Pendler die Zeit in Bus und Bahn auch viel besser nutzen. Das gelte vor allem für längere Fahrten. «Man kann lesen oder arbeiten», sagt Verkehrsforscher Bastian Chlond. Manche könnten sogar schlafen.

Auf längeren Fahrten kann man im Zug lesen, arbeiten und sogar schlafen.  
Auf längeren Fahrten kann man im Zug lesen, arbeiten und sogar schlafen.  
Foto: Bodo Marks

Um die Fahrt angenehmer zu machen, sollten sich Pendler eine Beschäftigung suchen. Egal, was der Einzelne konkret macht: Laut Steffen Häfner ist nur wichtig, der Fahrzeit überhaupt einen Sinn zu geben. Dann werden die Stunden weniger als verschwendet wahrgenommen und in der Folge treten weniger psychische Probleme auf.

Kerstin Götz macht das so: Sie hat immer etwas zu lesen dabei. Meist versucht sie, Italienisch zu lernen, das sie bei ihrer Arbeit braucht: «Aber ich habe gedacht, ich schaffe viel mehr, meistens bin ich einfach viel zu erledigt», sagt sie.

Doch nicht nur darüber klagen Pendler. Viele Pendler litten auch unter Magen-Darm-Problemen, Rückenschmerzen, Kopfschmerzen und Schlafstörungen, so Häfner. Auch treten psychische Erkrankungen häufiger auf. Das geht etwa aus dem Fehlzeitenreport der Krankenkasse AOK für das Jahr 2012 hervor. «Wir konnten feststellen, dass Beschäftigte, bei denen der Arbeitsplatz mehr als 50 Kilometer vom Wohnort entfernt ist, öfter wegen psychischen Erkrankungen fehlen», sagt Helmut Schröder, Herausgeber des Fehlzeitenreports.

Und es besteht noch eine andere Gefahr: «Viele Pendler leiden auch unter Gewichtsproblemen. Denn die Verlockung, sich hastig schnell am Bahnhof etwas hineinzuschlingen, ist groß», so Häfner. Besser sei es, zu warten, bis man zu Hause ist und dann eine gemeinsame Mahlzeit mit der Familie einzunehmen.

 Kerstin Götz lebt gerne auf dem Dorf. Deshalb pendelt sie jeden Morgen 75 Kilometer mit dem Zug zur Arbeit.
Kerstin Götz lebt gerne auf dem Dorf. Deshalb pendelt sie jeden Morgen 75 Kilometer mit dem Zug zur Arbeit.
Foto: Privat

Um die gesundheitlichen Folgen des Pendelns in den Griff zu bekommen, rät er, in der Freizeit etwas Sport zu treiben. Auch sollten die Wochenenden nicht zu vollgepackt werden. Denn Pendler müssen sich in der Freizeit noch stärker als andere Arbeitnehmer von den Strapazen der Woche erholen.

Kerstin Götz hat sich inzwischen an das Pendeln gewöhnt. Häufig wird sie schon beim Einsteigen angesprochen. «Ich kenne einfach die Hälfte aller Mitfahrer mittlerweile, das sind schon so richtige Grüppchen.» Während der Fahrt seine Ruhe zu haben, sei deshalb manchmal gar nicht so leicht. Wenn ihr nicht nach Reden zumute ist und sie sich zurückziehen will, hilft deshalb oft nur eins: Kopfhörer aufsetzen.

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