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06. August 2012

Gelbe Tonne: Strafen für Fehlbefüllung

 Von Jutta Ochs
Die gelbe Tonne ist für die Sammlung aller Arten von Verkaufsverpackungen vorgesehen. Zum Beispiel für Metall, Kunststoff, aber auch Naturstoffe. Foto: dpa

Keiner weiß, was in die gelbe Tonne kommt.

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Und schon wieder der Zettel mit den blauen Buchstaben der FES auf der gelben Tonne! In dem Sechs-Parteien-Mietshaus im Nordwesten der Stadt sind mittlerweile alle drei Stockwerke miteinander verkracht. Der Grund: „Fehlbefüllung!“ Das heißt: In der Tonne für Verpackungsmüll landen regelmäßig Kartons oder Essensreste, besonders dann, wenn das 80-Liter-Gefäß für den Restmüll schon voll ist. Man bezichtigt sich gegenseitig der Untat. Unangenehm für die Mietergemeinschaft: Sind mehrfach „Störstoffe“ in der Tonne, dann wird diese nicht mehr regulär geleert, eine kostenpflichtige Sonderleerung muss zuerst bei der FES beantragt werden. Bis dahin, so berichtet eine entnervte Mieterin, stapele sich der Verpackungsmüll in der Wohnung. „Und dafür zahlt man so hohe Müllgebühren!“

die gelbe tonne

Die gelbe Tonne ist für die Sammlung aller Arten von Verkaufsverpackungen vorgesehen. Zum Beispiel für Metall (Dosen), Kunststoff (Duschgel), aber auch Naturstoffe (Textilmaterialien).

Die Frankfurter Entsorgungs und Service GmbH (FES), zu 51 Prozent im Eigentum der Stadt, sammelt und sortiert im Auftrag des Dualen System Deutschlands „Der Grüne Punkt“, gegründet von Unternehmen aus der Lebensmittel- und Verpackungsbranche.

Kostenlos ist die gelbe Tonne für die Bürger. Die Entsorgung des übrigen Mülls kostet seit 1. Januar 2012 66 Euro Grundgebühr, sowie monatlich 16,42 Euro (80-Liter-Tonne) beziehungsweise 24,63 (120-Liter).





Es funktioniert nicht so recht mit der gelben Tonne, die doch mal eine Müll-Errungenschaft sein sollte. Die Tonnen-Leerung ist kostenlos, die Hersteller tragen die Kosten im „Dualen System“. Genau genommen hat der Bürger aber schon im Geschäft beim Warenkauf für die Entsorgung der Verkaufsverpackungen bezahlt.

Eigentlich sollte jeder der rund 380.000 Haushalte in Frankfurt eine gelbe Tonne nutzen dürfen. Das ist aber nicht so, einige müssen ganz verzichten. Beispielsweise die Mieter von mehr als 200 Wohnungen an der Großen Fischerstraße/Ecke Weckmarkt in der Nähe des Mains. Die Vermieterin, die FAAG, hat nach angeblich vielen, vielen „Fehlbefüllungen“ und Einzug der gelben Tonnen durch die FES auf selbige schließlich vollständig verzichtet.

Zwischen 150 und 200 falsch befüllte Tonnen werden alle 14 Tage festgestellt

Alle 14 Tage, in diesem Rhythmus wird die Tonne geleert, „gibt es stadtweit zwischen 150 und 200 Störungsmeldungen über Fehlbefüllungen der gelben Tonne“, berichtet Stephanie Pieper von der Pressestelle der FES. In den Gefäßen befänden sich dann Restabfälle, Kartonagen, Glas oder Bioabfälle. Wegen anhaltender Störungen sind im Jahr 2011 75 gelbe Tonnen komplett von den Liegenschaften entfernt worden, sagt die FES-Statistik.

Ein Anwohner hat ausgerechnet, dass das die Müllkosten enorm in die Höhe treibt und empört sich, dass keine Tonnen-Lösung gefunden werde. Frank Junker, Chef der ABG, zu der die FAAG gehört, sichert zu, „dass es in Kürze“, nach Abschluss der Baumaßnahmen in der Großen Fischerstraße, wieder gelbe Tonnen geben werde.

Damit ist das grundsätzliche Problem der „Fehlbefüllung“ nicht gelöst. Die ABG stellt in Siedlungen die Tonnen in absperrbare „Häuschen“, damit nicht etwa Fremde den Müll verunreinigen, so Junker. Die Nassauische Heimstätte arbeitet gar eigens mit einem Eschborner Service-Unternehmen zusammen, das sozusagen die Müllkontrolle in den Siedlungen übernommen hat.

Laut Sprecher Jens Duffner rechne sich das für alle Seiten. Die Wohnungsunternehmen betreiben zwar umfangreiche Müll-Aufklärung, das tun auch FES und Stadt, unter anderem mit der Broschüre „Oskar“ für alle Haushalte.

Die FES geht von 40 Prozent Fehleinwürfen beim Verpackungsmüll aus

Das alles hat aber unter dem Strich nicht gefruchtet. Die FES geht davon aus, dass es 40 Prozent Fehleinwürfe im Verpackungsmüll gebe. Das liege nicht nur an der Haltung mancher Frankfurter, die finden „am Schluss wird eh alles zusammengeworfen“, oder „meine Wohnung ist doch keine Müllsortieranlage“. „Die Kennzeichnung“, das gibt man bei der FES auch sofort zu, sei mehr als unübersichtlich.

Umweltdezernat und FES planen, 2013 in einem Modellversuch eine Wertstoff-Tonne als eine Art „gelbe Tonne plus“ einzuführen. Der genaue Zeitpunkt und die Siedlung stehen noch nicht fest. Neben den Verpackungen, meist aus dem Wertstoff Kunststoff, könnten dort Metallreste oder Holz entsorgt werden.

Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne), eine große Müllexpertin und kritische Begleiterin des Dualen Systems, macht keine falschen Hoffnungen. Es werde mit der Wertstoff-Tonne nicht einfacher, aber vom System her „sinnvoller“, da eben alles Wiederverwertbare, auch die wertvollen Metalle, an einem Platz gesammelt würden.

Im Sechs-Parteien-Mietshaus ist man allerdings eher skeptisch: „Vielleicht gibt es dann nur noch mehr Möglichkeiten, etwas falsch einzuwerfen in die Tonne.“

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