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03. September 2012

Glück: Es gibt nichts Individuelleres als Glück

Dr. Florian Langenscheidt im Interview zum Thema Glück Foto: privat

Im Interview: Jeder Mensch hat die Chance auf Glück – er muss sie nur wahrnehmen, meint der Buchautor und Unternehmer Dr. Florian Langenscheidt. Keinen unbedeutenden Part spielt dabei die Arbeit.

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Herr Dr. Langenscheidt, beginnen wir mit einer Begriffsklärung: Was ist Glück?

Glück, das sind jene raren und wertvollen Momente, in denen wir uns eins fühlen mit uns selbst, mit unseren Erwartungen, mit unserer Arbeit, mit unserer Umwelt.

Haben sich die Vorstellungen von Glück im Laufe der Zeit gewandelt?

Ja, sehr! Sie unterscheiden sich nicht nur von Jahrhundert zu Jahrhundert, sondern auch von Mensch zu Mensch. Der eine geht – symbolisch gesehen - gern ins Stadion, um Fußball zu erleben, der andere hört lieber Richard Wagner in Bayreuth. Die inhaltliche Füllung des Glücksbegriffs ist total individuell. Es lassen sich nur allgemeine Parameter feststellen, die immer gleich sind – zum Beispiel, dass sich in Glücksmomenten die Sinnfrage nicht mehr stellt. Oder dass der objektive Begriff von Zeit vollkommen verschwimmt.  

Stehen die Chancen auf ein glückliches Leben heute besser oder schlechter?

Sie sind heute definitiv größer. Wir leben ja schon fast in einer Art Glücksdiktatur, in der es zur Forderung wird, glücklich zu sein und solche Momente zu erleben. Auch unter den Stichworten wie Sicherheit, Kriege, Gesundheitssystem, Länge des Lebens haben wir heute weitaus bessere Chancen auf Glück als vor 200 Jahren. Aber Glück liegt immer ganz tief in einem selbst, im Bauch, sagen wir mal. Die Umstände bilden nur den Rahmen, das Leben ist nur eine Ausmalvorlage. Wie ich diese Vorlage gestalte, mit bunten Farben oder eher düster gehalten, das bleibt mir selbst überlassen. Von daher kann man eigentlich aus allen Lebensumständen Glück schöpfen.

Es gibt den Spruch: „Jeder ist seines Glückes Schmied“. Dem würden Sie folglich zustimmen?

Dem stimme ich sehr zu. Es mag Extremsituationen geben, etwa in Zusammenhang mit Unfällen und Krankheiten, wo das vielleicht nicht mehr zutrifft. Aber in 90 Prozent unserer Lebenszeit, in unserem Alltag, sind wir ganz klar selbst dafür verantwortlich, ob wir glücklich sind oder nicht. Es liegt an uns: Sei dein eigener Wettergott!

Aber Menschen mit existentiellen Problemen sind sicher für Ihre Ratschläge weniger empfänglich...

Ja, schon. Aber um rauszukommen aus so einer Situation, brauche ich viel Optimismus, da brauche ich den Glauben, dass ich etwas verändern kann. Der schönste Satz dazu stammt von Martin Luther. Er lautet: „Selbst wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Das umschreibt auf pointierte, sicher übertriebene, aber sehr schöne Weise: um herauszukommen aus Situationen, in denen sich alles gegen mich wendet, brauche ich den Glauben, dass das geht. Und die dicken Bretter, die gebohrt werden müssen in der Politik oder in der Wirtschaft, um erfolgreich zu sein, die werden von Optimisten hundertprozentig besser gebohrt als von Pessimisten.

Was hat Arbeit mit Glück zu tun?

Lebensversicherungen führen ja oft differenzierte Tests durch, um die Lebenserwartung zu ermitteln. Gemeinsam mit vielen Freunden habe ich einmal an einem solchen Test teilgenommen. Bei diesem Verfahren erhielten alle, die 80 Stunden Arbeit pro Woche angegeben hatten – das waren zum Beispiel Unternehmer oder Chefredakteure – sehr hohe Abzüge in Hinblick auf ihre Lebenserwartung. Ich selbst sehe das etwas anders. Ich glaube, wenn sie eine Leidenschaft ist und wenn ich diese wunderschönen Momente des Flows dabei erlebe, wirkt sich viel Arbeit eher lebensverlängernd und glückserhöhend aus. Nur Routinearbeit, die einen langweilt und anödet, ist sicher nicht dazu geeignet, Glück zu produzieren.

Also ist die sinnstiftende Beschäftigung das Maß aller Dinge?

Ja, wobei auch hier wieder die Frage des Sinns eine sehr subjektive ist. Ich muss ihn in mir finden – der eine eher in der Sinnlichkeit, der andere mehr im Transzendentalen, der nächste  im Helfen, also im Dasein für andere. Worin der Sinn besteht, ist wieder sehr subjektiv. Aber ich brauche diese Sinnerfahrung, denn die Empfindung, etwas Sinnloses zu tun, macht innerlich hohl und lässt die Arbeit sehr öde erscheinen.

Was können Arbeitgeber tun für ihr beziehungsweise das Glück ihrer Mitarbeiter?

Ich glaube, Menschen ernst nehmen, sie fair behandeln und ihnen so viel wie möglich Freiheit geben im Rahmen der Ziele, die sich die Organisation oder das Unternehmen gesetzt haben.

Das klingt nach einem modernen Führungsverständnis...

Eindeutig. Wobei ich den Arbeitsbegriff gerne ausweiten möchte, zum Beispiel auch auf die Pflege von Angehörigen oder das Eltern-Dasein. Der Arbeitsbegriff, wie er immer in der Arbeitslosenstatistik aufscheint, ist sicher revisionsbedürftig.

Sie würden ihn weiter fassen?

Ich würde Arbeit weiter fassen, denn ich betrachte das Management eines Haushalts durch eine Mutter oder einen Vater auch als Arbeit. Die Glücksfrage stellt sich dabei ganz genauso wie bei der Arbeit im Büro oder in der Fabrik. Denn auch unter Hausfrauen und Hausmännern gibt es solche, die nur frustriert sind, und andere, die das mit innerer Begeisterung machen – die objektiv gleichen Tätigkeiten.

Jetzt muss ich natürlich auch fragen: Was können Arbeitnehmer für ihr Glück tun?

Das beginnt schon – und damit habe ich sehr viel zu tun – bei den Jugendlichen, die nicht so recht wissen, was sie werden sollen. Es gibt ja den schönen Satz „Glücklich ist, wer das sein will, was er ist“. Doch das muss ich erst einmal herausfinden – nur so kann ich mich in berufliche Welten hineinbegeben, in denen ich mit vollem Engagement dabei bin. Und damit tue ich natürlich das Beste für mich und zugleich auch für meinen Arbeitgeber.

Ansonsten ist es eine Frage von Selbstmanagement, von der Erwartungshaltung, wie ich mit meiner Arbeit umgehe und wie ich mich so verhalte, dass sie zu meinem Glück beiträgt. Es  ist eine sehr persönliche Sache, ob ich es schaffe, jeden Morgen mit Freude zur Arbeit zu gehen, oder ob ich es als sehr lästig empfinde. 

Also würden Sie jungen Leuten raten, nicht nach den größtmöglichen Karrieremöglichkeiten zu schielen, sondern stattdessen sehr genau in sich hinein zu hören?

Werteuntersuchungen belegen ja ohnehin, dass das reine Geldverdienen und Karrieremachen an Bedeutung verliert und Glück und Selbstverwirklichung wichtiger werden. Ein persönliches Lebens-Motto von mir lautet „Money follows passion.“ Also ich glaube, wenn jemand wirklich das findet, was für ihn am besten ist und wo er auch am besten ist, dann beantwortet sich sozusagen die Frage des Geldes fast von allein. Von daher muss das gar kein Widerspruch sein, Karriere oder Glück.

Macht Geld glücklich?

Glück wohnt sicher nicht im Tresor. Ich glaube, dass sich das Wesentliche im Leben nicht kaufen lässt: Ein Geldschein gibt keine menschliche Wärme oder Liebe. Aber man kann auch nicht sagen, dass Geld unwichtig ist, denn für jemand, der unter einer Schuldenlast leidet oder für eine Mutter, die von Hartz IV lebt und drei Kinder durchbringen muss, ist es natürlich wahnsinnig wichtig. Aber in dem Moment, wo ich das Notwendigste habe zum Leben, verliert sich – wie alle Studien zeigen – die Bedeutung von Geld, und dann kommt es auf andere Faktoren an. In reichen Villen herrscht sicher genauso viel Unglück und Depression wie in manchem Etagenhaus. Da gibt wieder die persönliche Einstellung den Ausschlag.

Die fortschreitende Digitalisierung durchzieht mittlerweile das gesamte Leben. Empfinden Sie die neuen technischen Errungenschaften als Glück für die Menschheit?

Ich schon (lacht). Ich liebe es. Ich könnte mein Leben gar nicht managen ohne die digitalen Möglichkeiten und ohne die Vernetzung mit der ganzen Welt durch das Internet. Es verhält sich aber wie bei jeder Entwicklung –  ob beim Auto oder beim Fernsehen. Es gibt keine Errungenschaft der Menschheit, die nicht auch negative Aspekte beinhalten würde. Ich denke da etwa an die Abhängigkeit von Videospielen, die besonders bei Jugendlichen um sich greift, oder die vermeintliche Notwendigkeit, stets erreichbar zu sein. Dieses ständige Herumhängen vorm Bildschirm, diese zunehmende Blindheit für das reale Leben, ist natürlich ein großes Problem und hat komplexe negative Auswirkungen. Insofern ist es wirklich eine große Aufgabe für Lehrer, Eltern, ja auch für Arbeitgeber, einen vernünftigen Umgang mit den digitalen Möglichkeiten zu vermitteln. Aber wenn ich das hinbekomme, dann sind sie sicher eine Bereicherung,

Sie glauben also, dass die Chancen weitaus größer sind als die Risiken?

Wenn ich gelernt habe, die digitalen Angebote zu managen.

Sie sind ja ohnehin bekennender Optimist. Kann man eine positive Einstellung trainieren?

Ja, eindeutig. Es gibt inzwischen eine ganze Menge von Schulen, begonnen mit Baden-Württemberg, die Optimismus in den Lehrplan aufgenommen haben. Nicht in Form eines  Schulfachs wie Mathe oder Deutsch, sondern mit bestimmten Modulen, in denen es um Selbstvertrauen, Freundschaft oder Ziele setzen geht. Die begleitende Forschung hat bereits gezeigt, dass Kinder, die in dieser Hinsicht unterrichtet wurden, optimistischer und mit mehr Selbstvertrauen an ihre Aufgaben gehen als andere, die das nicht gemacht haben. Letztendlich wird es einem schon vermittelt durch das Vorleben der Eltern und der Lehrer und Lehrerinnen. Aber ich glaube auch, dass Menschen, die in ihrer Kindheit in dieser Hinsicht nicht so gut bedient wurden, durch Selbstbeobachtung und Beobachtung von anderen an sich arbeiten und ihre Grundeinstellungen beeinflussen können.

Und dass Optimisten gewinnen und andere Menschen leichter für sich einnehmen und mitziehen, ist ja keine Frage. Aber es kann keine Vorschrift sein, sondern einfach nur ein Angebot. Es gibt Menschen, die das gar nicht wollen, die lieber pessimistisch und sehr skeptisch durchs Leben gehen. Das sollte man ihnen natürlich genauso lassen. Wir leben in einer sehr freien Gesellschaft, zum Glück.

 

Das Interview führte Petra Jauch

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