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15. Oktober 2012

Karriere: Frauen im Beruf: Berufsziel: Chefin!

 Von Cosima M. Grohmann
Bei den meisten Frauen ergibt sich die Position, in der sie später arbeiten, eher zufällig. Die Frauenquote kann helfen.Foto: Pressmaster Fotolia

Juliane Gringer im Interview über weibliche Vorgesetzte und die Notwendigkeit der Frauenquote.

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Frau Gringer, ist es immer noch so ungewöhnlich, dass man ein Buch darüber schreiben muss, wenn Frauen Chefinnen sind? Frau Gringer, ist es immer noch so ungewöhnlich, dass man ein Buch darüber schreiben muss, wenn Frauen Chefinnen sind?

Ich finde ja. Es geht ja nicht darum, dass Frauen die besseren Chefs sind, sondern, dass es einfach viel mehr sein könnten. Junge Frauen planen ihre Karriere noch zu wenig, sie sagen am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn viel seltener als Männer: „Ich will später mal Chefin von einem großen Konzern sein.“ Ich finde, das muss sich ändern.

Sie schildern die Perspektive weiblicher und männlicher Angestellter auf ihre weiblichen Chefs. Urteilen Männer anders als Frauen?

Natürlich haben Frauen eine andere Sicht auf ihre Chefinnen als Männer. Ich habe versucht, die Gender-Perspektive bei den Angestellten so zu berücksichtigen, indem ich acht Frauen und acht Männer zu Wort kommen lasse. Davon abgesehen finde ich aber nicht, dass das Geschlecht notwendigerweise immer die ausschlaggebende Perspektive sein muss. Bei den Angestellten etwa habe ich keinen Unterschied feststellen können, ob Männer oder Frauen urteilen. Natürlich drücken sich die Handwerker in dem von einer Frau geführten Familienbetrieb in meinem Buch anders aus als der wissenschaftliche Angestellte, aber am Ende machte es keinen erheblichen Unterschied, was die Bewertung angeht.

Zur Person

Juliane Gringer hat in Leipzig
Journalistik und Psychologie studiert.
Sie ist freie Journalistin und
Autorin und schreibt unter anderem
über Frauen im Beruf. Im
vergangenen Jahr erschien auch
„Zickenalarm“, ein Buch über
Mädchen, die zu Furien werden.


„Mein Chef ist eine Frau. Erfahrungsberichte
über die weibliche
Seite der Macht“, Juliane
Gringer, Verlag Schwarzkopf
& Schwarzkopf 2011, 240 Seiten,
9,95 Euro. 24 Frauen und
Männer berichten darüber, was
Chefinnen anders machen.

Der wissenschaftliche Angestellte bemängelt, dass seine Chefin viel zu viel Privates preisgibt. Sind Frauen zu redselig?

Bei diesem Beispiel muss man einfach sagen, dass der Mann eine inkompetente Chefin hat. Sie kann sich nicht abgrenzen, ist mit ihren Aufgaben überfordert und versucht, über private Geschichten Nähe und Vertrauen aufzubauen. Das gibt es bei Frauen wie bei Männern und es war mir wichtig, zu zeigen: Ja, auch Chefinnen können ganz schön nerven.

Einer anderen Angestellten fällt auf, dass weibliche Chefs zum „Überperformen“ neigen, was genau bedeutet das?

Dieses Beispiel finde ich schon komplexer: Frauen in Führungspositionen gelten gemeinhin als besser organisiert, motivierter und einfühlsamer, was ihre Angestellten betrifft. Vor allem gegenüber Männern müssen sie aber oftmals noch beweisen, dass dies auch Führungsqualitäten sind. Da ist es kein Wunder, dass manche Frauen zu ambitioniert, zu zackig, zu engagiert rüberkommen.

Sind Sie für die Frauenquote?

Unbedingt. Viele Frauen trauen sich noch nicht, sich im Job das zu nehmen, was ihnen zusteht, und es würde ihnen sicher helfen, wenn konkrete Plätze freigehalten werden. Natürlich ist eine staatliche Regulierung nie optimal, aber zurzeit sehe ich keine andere Lösung. Zumal es bewiesen ist, dass Männer lieber Männer einstellen. Diesen Kreislauf muss man jetzt erst einmal durchbrechen, dann kann man weitersehen. Erst müssen Tatsachen geschaffen werden.

Das Gegenargument lautet, dass eine Quoten-Chefin erst recht Probleme hat, ernst genommen zu werden.

Das glaube ich nicht. In anderen Bereichen wurden auch schon Gleichberechtigungsfragen staatlich geregelt. Und das hat dazu geführt, dass Frauen heute mehr Rechte haben und diese auch gesellschaftlich anerkannt sind. Und letztendlich müssen auch die Frauen ein bisschen in ihre neuen Rollen als Chefinnen gezwungen werden. Chefin sein sollte für junge Frauen zum Berufsziel werden und nicht zur eventuellen Möglichkeit, die sich durch einen glücklichen Zufall ergibt.

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