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21. September 2012

Messe Zukunft Personal: Digitale Demenz versus Fortschritt mit Technik

 Von Stefanie Hornung
Ab Dienstag, 25. September, diskutieren Personalverantwortliche auf der Zukunft Personal in Köln drei Tage lang darüber, wie die Arbeitswelt von morgen aussehen wird und wie sie diese mitgestalten können. Foto: Zukunft Personal

Die Zukunft Personal steht in den Startlöchern: Ab Dienstag, 25. September, diskutieren Personalverantwortliche in Köln drei Tage lang darüber, wie die Arbeitswelt von morgen aussehen wird und wie sie diese mitgestalten können.

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Insbesondere an der Zukunft des Lernens scheiden sich die Geister – wie etwa an den Thesen von Hauptredner Prof. Dr. Manfred Spitzer.

Wer sehr häufig digitale Medien nutzt, riskiert geistige Demenz. Denn wenn Menschen ihr Denken und Wissen technischen Geräten überließen, verkümmere ihr Gehirn. So lässt sich die These des Ulmer Psychiaters Prof. Dr. Manfred Spitzer zusammenfassen, die seit Wochen in nahezu allen deutschsprachigen Medien für Furore sorgt.

Für Unternehmen ist diese Aussage brisant – denn ohne digitale Hilfsmittel funktioniert heute nichts mehr. Laut Spitzer ist genau das der Knackpunkt: „Es existieren Schätzungen, wonach die tägliche Überlastung und die Versuche des Multitasking, die letztlich nur dazu führen, dass man ineffektiver arbeitet, der Wirtschaft massiv schaden“, so der bekannte Psychiater. Mitarbeiter sollten sich einen anderen Umgang mit den Medien angewöhnen: „Nicht jede E-Mail muss innerhalb von drei Minuten beantwortet werden.“ Zeit, die Beschäftigte „offline“ zum Nachdenken und zur konzentrierten Arbeit hätten, sei wertvoll und jede Unterbrechung schädlich.

Auch E-Learning ist Prof. Spitzer zufolge wenig wirksam – und greife überhaupt nur, wenn ein Lehrer quasi „beigemischt“ werde: im Blended Learning. „Lernen funktioniert vor allem dann, wenn eine gute Beziehung zwischen Lernendem und Lehrendem vorhanden ist, ein Vertrauensverhältnis und eine gegenseitige Wertschätzung“, betont der Bestsellerautor des Buches „Digitale Demenz“. Zeit, die wir „vor einer Mattscheibe verdösen“, sei keine Lernzeit.

Vom Macher-Prinzip zum Ermöglichungsprinzip

Spitzers Thesen werden in Köln wohl kaum unwidersprochen bleiben. Prof. Dr. Sugata Mitra etwa, der sich als diesjähriger Preisträger des Leonardo – European Learning Award der Diskussion im messebegleitenden Kongress Professional Learning Europe stellt, spricht schon allein mit seiner bisherigen Forschung eine ganz andere Sprache: In einem Slum von Neu Delhi installierte der Professor für Educational Technology an der Newcastle University (Großbritannien) 1999 einen Computer mit Internetzugang in eine Mauer. Dieser Versuch, den er später mehrmals an Orten in anderen Erdteilen wiederholte, konnte beweisen, in welch hohem Maß Kinder selbstorganisiert lernen und soziales Verhalten entwickeln können – mithilfe der Technik, ganz ohne Lehrer.

„Im Lauf der Geschichte haben wir Technologien dazu genutzt, um uns weiterzuentwickeln. Das wird auch weiterhin so sein“, ist der Professor überzeugt. Hebel und Flaschenzug hätten den Bizeps ersetzt, das Auto unsere Fähigkeit, lange Entfernungen zu Fuß zu bewältigen. Nun entwickle sich die Kommunikation in der „Wissenswolke“ zu einer neuen „Prothese“.

Veranstaltungstipp

Messe Zukunft Personal, 25. bis 27. September 2012, 9.00 bis 17.30 Uhr
Koelnmesse, Eingang Süd,
Hallen 11.1, 11.2 und 11.3
Programm und Ausstellerliste unter www.zukunft-personal.de

Die Natur werde unser Gehirn anpassen, um andere Dinge zu lernen, ist Sugata Mitra überzeugt. Die Rolle von Lehrern und Führungskräften ändere sich dabei von Grund auf: Das Macher-Prinzip, das auf dem Glauben basiere, Dinge exakt kalkulieren und sie entsprechend erzwingen zu können, verschwinde zugunsten eines Ermöglichungsprinzips, das Dinge geschehen lasse. Das zeige auch die Entwicklung der Physik, die dem Management erfahrungsgemäß voraus sei: „Physiker fangen derzeit an, die Natur des Chaos und der Selbstorganisation zu verstehen. Das wird andere Bereiche anstecken und einen neuen Lebensstil kreieren – und das Management verändern.“

Über das „Wie“ sprechen

Jenseits vom „Talkshow-Krawall“ (Süddeutsche Zeitung über die Medienresonanz von Prof. Spitzers Thesen) bemühen sich Experten auf Europas Leitmesse für Personalmanagement um eine konstruktive Diskussion, wie Unternehmen die Medien weiter entwickeln und einsetzen können. „Wir müssen uns bewusst sein, dass niemand die Entwicklung der Technologien aufhalten kann“, sagt etwa Dagmar Woyde-Köhler, Geschäftsführerin der EnBW Akademie und Teilnehmerin einer Podiumsdiskussion auf der Messe. „Genauso wie man Autos etwa unter Umweltgesichtspunkten schlecht finden kann, erfüllen sie dennoch für viele Menschen einen wichtigen Zweck.“ Es gehe also darum, auch das Internet und andere digitale Medien so weiterzuentwickeln, dass sie für die Menschen und die Umwelt gut seien – zum Beispiel im Einsatz zum selbstorganisierten Lernen.

Direkt zum Auftakt der Zukunft Personal spricht Dr. Nicola Millard von der British Telecom über die praktische Seite dieser Entwicklung. „Wir verlassen gerade die Welt des Befehls und der Kontrolle und treten in eine Welt der Verbindung und der Zusammenarbeit ein“, konstatiert die Zukunftsforscherin. Das Management müsse Teams zum Leben erwecken und sicherstellen, dass ihre Mitglieder über das erforderliche Wissen verfügten.

Online und Offline im Zusammenspiel

Mit dem Konzept „Team“ sei eine weitere Schwierigkeit, die auf virtuelle Unternehmen zukomme, verbunden: Während Teams früher langfristig angelegt waren, arbeiteten sie heute häufig nur projekt- oder themenbezogen zusammen. Dafür brauche es nicht nur ein gemeinsames Ziel, sondern auch „Fast Trust“ – schnelles Vertrauen. „In traditionellen Organisationen vertraute man sich, weil man sich kannte“, so Millard. „In modernen Unternehmen muss Vertrauen schnell hergestellt werden, weil wir die anderen Teammitglieder nicht unbedingt vorher kennen.“
Die Expertin setzt sich in „Zukunft der Arbeit“, einem Co-Projekt mit der London Business School, intensiv mit der Frage auseinander, wie Instant Messaging, Video, Audio und soziale Medien Menschen zusammenbringen und dabei helfen, schneller Vertrauen aufzubauen. „Mithilfe von Social Media können wir mit Menschen zusammenarbeiten, von denen wir noch nicht einmal wussten, dass es sie gibt“, so Millard. Der Mitarbeiter stelle eine Idee in den virtuellen Raum, auf die andere reagierten – teilweise über Unternehmens- und geographische Grenzen hinweg. Doch persönliche Face-to-Face-Kommunikation lasse sich dadurch nicht ersetzen. Online-Gespräche erzeugten häufig ein Bedürfnis, das Gegenüber persönlich zu treffen. „So stimulieren soziale Medien auch ganz stark die traditionelle Kommunikation.“

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