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17. August 2012

Psychische Erkrankungen: Immer im Dienst

 Von Stefan Sauer
Arbeitnehmer sollen überall erreichbar sein. Dieser Dauerdruck führt häufig zu psychischen Erkrankungen. Foto: imago

AOK-Report: Viele Arbeitnehmer leiden unter ständiger Erreichbarkeit und Überstunden.

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Es sind Anrufe am Feierabend und die Mails am frühen Morgen. Auch viele Überstunden und ständige Wechsel im Arbeitsalltag können zur seelischen Überlastung führen. Aber reichen diese Faktoren aus, um den enormen Anstieg psychischer Erkrankungen in den vergangenen 15 Jahren zu erklären? Hat es nicht immer schon Stress am Arbeitsplatz gegeben? Einst haben schließlich Dauerlärm und Dreck und rüder Kommandoton im Betrieb für Frust und Erschöpfung gesorgt.

Solche Vergleiche vermögen nicht zu klären, warum seelische Erkrankungen im vergangenen Jahr doppelt so häufig diagnostiziert wurden wie noch 1997; weshalb die Zahl psychisch Erkrankter seit 2004 um mehr als 40 Prozent zugenommen hat, wie der AOK-Fehlzeitenreport 2012 ausweist, und wieso die Fehlzeiten wegen eines Burnout in den vergangenen acht Jahren von 8,1 auf 94,4 Tage anstiegen, pro Jahr gerechnet auf 1000 AOK-Mitglieder.

Zunächst belegt der am Donnerstag in Berlin vorgestellte Report, dass die „üblichen Verdächtigen“ – also Handy, Mails und Co. – in der Tat massenhaft zu längeren Arbeitszeiten, ständigen Störungen am Feierabend und permanenter Auseinandersetzung mit beruflichen Belangen führen können. Rund ein Drittel der 2.000 Beschäftigten, die das wissenschaftliche AOK-Institut Wido im Sommer befragte, klagte über ungeplante Überstunden durch ständige Erreichbarkeit. Jeder achte gab an, private Vorhaben wegen beruflicher Erfordernisse mitunter kurzfristig hintanzustellen. Die Grenzen zwischen Dienst und dessen Schluss verschwimmen zunehmend. Statistische auffällig ist zudem, dass mit der Länge der beruflichen Wegezeiten die Zahl der psychischen Erkrankungen ansteigt.

Neben solchen Einzelfaktoren verweisen die Autoren des Reports auf die fortschreitende Enttabuisierung des Themas. Wer wegen seelischer Überlastung nicht mehr kann, gilt nicht automatisch als Schwächling. Zudem hat die Diagnose-Genauigkeit in den vergangenen Jahren zugenommen. Bei Verspannungen im Rücken oder Kopfschmerzen fahnden viele Mediziner heute zunächst nach seelischen Ursachen – und werden häufig fündig. Somit würden Erkrankungen, die es auch gestern massenhaft gab, heute teils anders diagnostiziert. Ein Indiz hierfür liefern die rückläufigen Diagnosen der Muskel- und Skeletterkrankungen.

Ein dritter, umfassender Erklärungsansatz nimmt moderne Managementkonzepte in Visier, die den Mitarbeitern mehr Freiheiten einräumen: flexible Arbeitszeiten, und selbstständige Problemlösungen können Engagement, Freude und Erfolgserlebnisse der Mitarbeiter fördern. Aber nicht unbegrenzt. Machen sich Arbeitnehmer die gestellten Ziele vollständig zu eigen, droht die „interessierte Selbstgefährdung“: Die Beschäftigten arbeiten bis zur Erschöpfung, gleichsam freiwillig, als wäre es der eigene Betrieb.

Für ein Unternehmen ist derart zügelloser Einsatz natürlich zunächst eine feine Sache. Wenn hoch qualifizierte Mitarbeiter dann aber en gros zusammenklappen, sieht es anders aus. Fehlzeiten sind teuer, für die Betriebe wie für die Beitragszahler. Laut AOK wurden 2011 rund 9,5 Milliarden Euro zur Behandlung psychischer Erkrankungen erstattet. Bei den Erwerbsminderungsrenten lagen seelische Leiden 2011 mit 178 000 neu bewilligten Rentenanträgen auf Platz eins. 2006 waren es erst 55 000 gewesen.

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