Karriere
Infos zu Jobs, Berufseinstieg, Gehalt, Elternzeit und Weiterbildung sowie Tipps zum Thema Bewerbung, Lebenslauf, Studium und Ausbildung

08. August 2012

Stress im Beruf: Leistung, die Leiden schafft

 Von Stefan Sauer
Stress am Arbeitsplatz ist keine Seltenheit. Foto: dpa

Immer mehr Beschäftigte arbeiten, als wären sie Unternehmer und werden krank dabei. Schuld sind oft „innovative Techniken“, die die Beschäftigten zu mehr Leistung bewegen sollen. Was zählt sind Resultate. Die Folge: Erschöpfung und Krankheit.

Drucken per Mail

Wie die Zeiten sich ändern. Die Stechuhr ist Vergangenheit. Wann die Arbeit erledigt wird und in welchem Zeitraum, ist dem Chef wurscht. Nicht Gehorsam ist gefragt, sondern Kreativität. Was zählt, ist das Ergebnis. Der Weg, auf dem es erreicht wird, bleibt den Mitarbeitern überlassen.

Das Problembewusstsein wächst

Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen nehmen seit Jahren stark zu. Veränderte Anforderungen in der Arbeit gelten als eine der Hauptursachen.

Für Frühverrentungen sind seelische Leiden häufigster Grund. Experten schätzen den volkswirtschaftlichen Schaden auf mindestens acht Milliarden Euro jährlich.

Ein neuer Führungsstil hat Einzug gehalten in deutschen Unternehmen, ein Stil, der Freiräume für die Beschäftigten schafft, der ihre Fähigkeiten zu fördern sucht und Engagement für die Unternehmensziele weckt. „Leistung aus Leidenschaft“, in diese Richtung geht es. In mancher Hinsicht kommt die gewandelte Unternehmensphilosophie den Belegschaften zugute, durch das Übertragen von Verantwortung zum Beispiel, mehr Gestaltungsmöglichkeiten und Autonomie.

Nur der Ertrag zählt

Andreas Krause, Professor für Angewandte Psychologie an der Fachhochschule Nordwestschweiz, betont diese Vorzüge am Dienstag auf einer Fachtagung der Initiative Gesundheit und Arbeit in Berlin ausdrücklich. Das Hauptaugenmerk aber gilt einer unerfreulichen Begleiterscheinung: Die Zunahme psychischer Erkrankungen sei teils auf die „innovativen Managementtechniken“ zurückzuführen.

Deren Ziel: Die Leistungsbereitschaft eines selbstständigen Unternehmers soll auf abhängig Beschäftigte übertragen werden. Die Überlegung scheint logisch. Wenn jeder Mitarbeiter rödelt, als ginge es um seinen eigenen Laden, dann geht’s dem Unternehmen prima. Daher werden Anforderungen, mit denen etwa ein Existenzgründer konfrontiert ist, ins Unternehmen „importiert“. Krause zählt auf: An die Stelle von Leistungs-, Anwesenheits- und Arbeitszeitkontrollen mit konkreten Vorgaben treten Kennziffern, Benchmarks und Quartalszahlen, die zu erreichen oder zu übertreffen sind. Nicht allein qualitativ gute Arbeit zählt, sondern der unternehmerische Ertrag, der mit dieser Arbeit erreicht wurde. Nicht Leistung und Anstrengung, vielmehr das Ergebnis wird zum wesentlichen Maßstab des Erfolgs.

Interne Konkurrenz

Dies hat gravierende Folgen für den Arbeitsalltag: Aus der Direktive „Beraten Sie in ihrer Arbeitszeit von neun bis fünf unsere Kunden freundlich, kompetent und umfassend über verschiedene Anlagemöglichkeiten“ wird „Gegenüber dem Vorjahr streben wir einen Umsatzzuwachs von zehn Prozent an, pro Monat sollen 20 Neukunden gewonnen werden“. Zusätzlich überträgt das Management laut Krause gezielt Marktmechanismen auf innerbetriebliche Abläufe: Teams wetteifern um die besten Monatsergebnisse, Filialen und ganze Produktionsstandorte eines Unternehmens treten in Konkurrenz zueinander.

Ursachen für Stress.
Ursachen für Stress.

In solchem Arbeitsumfeld handeln abhängig Beschäftigte oft in der Tat wie Selbstständige: Sie übernehmen Verantwortung für den Unternehmenserfolg, beurteilen den Wert ihrer Arbeit am Ertrag, dehnen, ohne dazu aufgefordert zu werden, ihre Arbeitszeit aus, bleiben auch bei Erkrankungen nicht zu Hause, sind immer erreichbar und niemals erschöpft. „Interessierte Selbstgefährdung“ nennt Krause diesen Mechanismus. Um den gestellten Arbeitsansprüchen zu genügen, setzt man Gesundheit und Seelenfrieden aufs Spiel, gleichsam aus freien Stücken.

Wie sehr manche Freiheit, die den Arbeitnehmern gewährt wird, am Ende zu größerer Unfreiheit führt, ergab eine aktuelle Umfrage, die Krause in Schweizer Unternehmen durchführen ließ. Befragt wurden Beschäftigte in „Vertrauensarbeitszeit“, bei der die Anwesenheit nicht mehr kontrolliert wird, und solche in klassischen Acht-Stunden-Jobs. Ergebnis: Die freie Arbeitszeiteinteilung führte zu längeren Arbeitszeiten, geringerem Freizeitausgleich, weniger Privatleben und häufigerer Arbeit trotz Erkrankung.

Angst vorm eigenen Erfolg

Dass damit das Risiko von Schlafstörungen, emotionaler Erschöpfung und depressiver Verstimmungen einhergeht, liegt auf der Hand. Krause hat gar beobachtet, dass Mitarbeiter Angst vor dem eigenen Erfolg entwickelten – weil sie ihn im kommenden Jahr erneut würden übertreffen müssen. In den Unternehmen wachse erst sehr allmählich das Bewusstsein, dass die neuen Managementmethoden auch unerwünschte Nebenwirkungen zeitigten, denen entgegen zu wirken sich lohne. Wie? Nur ein Beispiel: „Es macht Sinn, an der Erfassung der Arbeitszeit festzuhalten, denn das hat eine gewisse Schutzfunktion für die Arbeitnehmer.“ Dein Freund, die Stechuhr – wie die Zeiten sich ändern.

Jetzt kommentieren

Ressort

Ausbildung & Weiterbildung, Familie & Beruf, Arbeitsrecht & Gehalt


Top Stellenangebote
Top-Stellenangebot Anzeige
Fillialleiter/in Vollzeit und Textilverkaufsberater/in Teilzeit
Top-Stellenangebot Anzeige
Bauingenieure/innen und Stahlbaukonstukteu/in
Top-Stellenangebot Anzeige
Steuerfachwirt/in
Top-Stellenangebot Anzeige
Gestalter/in für visuelles Marketing
Top-Stellenangebot Anzeige
Ausbildungsberufe
Top-Stellenangebot Anzeige
Partnersekretär/in"
Top-Stellenangebot Anzeige
Lohn-
Top-Stellenangebot Anzeige
Schichtführer"
Top-Stellenangebot Anzeige
Energieanlagenelektroniker
Top-Stellenangebot Anzeige
Sportwissenschaftler
Top-Stellenangebot Anzeige
Kundenbetreuer
Top-Stellenangebot Anzeige
Kundenbetreuer
Top-Stellenangebot Anzeige
Lehrer und Erzieher (m/w)
Top-Stellenangebot Anzeige
Kundenbetreuer
Top-Stellenangebot Anzeige
Duales Studium
Top-Stellenangebot Anzeige
Produktmanager (m/w)
Top-Stellenangebot Anzeige
Dipl. Ing. Elektrotechnik (m/w)
Top-Stellenangebot Anzeige
Koordinator/in
Top-Stellenangebot Anzeige
Schlosser (m/w)
Top-Stellenangebot Anzeige
Babylotsen m/w
Top-Stellenangebot Anzeige
Servicetechniker/Ingenieur (m/w)
Anzeigenmarkt
Brutto-Netto-Rechner
Optimieren Sie Ihr Gehalt:
Bruttogehalt (Euro mtl.)
St.-Kl.
Arbeitslosengeldrechner
Wie viel Arbeitslosengeld steht Ihnen zu?
Bruttogehalt (jährl. Euro) Steuerklasse
Kinder Ja Nein Berechnen