Karriere
Infos zu Jobs, Berufseinstieg, Gehalt, Elternzeit und Weiterbildung sowie Tipps zum Thema Bewerbung, Lebenslauf, Studium und Ausbildung

15. Oktober 2012

Weiterbildung: Verschenktes Recht

 Von Laura Wagner
Arbeitnehmer haben das Recht auf fünf Tage Bildungsurlaub pro Jahr. Doch kaum einer traut sich den Urlaub auch zu nehmen. Foto: dpa

Die meisten Arbeitnehmer nehmen keinen Bildungsurlaub, obwohl ihnen fünf Tage im Jahr rechtlich zustehen. Aus Angst vor Konsequenzen.

Drucken per Mail
Recht auf Fortbildung

Bildungsurlaub dient der politischen Bildung, der beruflichen Weiterbildung oder der Fortbildung für die Wahrnehmung eines Ehrenamtes. Jeder Arbeitnehmer, dessen Arbeitsvertrag seit mindestens sechs Monaten besteht, hat das Recht auf fünf Arbeitstage Bildungsurlaub pro Jahr. Wird regelmäßig an mehr oder weniger als fünf Tagen in der Woche gearbeitet, so erhöht oder verringert sich der Anspruch auf Freistellung. Auszubildende können ihren Anspruch nur zur Teilnahme an Veranstaltungen der politischen Bildung geltend machen.

Für die Dauer des Bildungsurlaubs zahlt der Arbeitgeber das Gehalt weiter, die Beschäftigten haben aber die Seminarkosten zu tragen. Der Bildungsurlaub muss mindestens sechs Wochen vorher schriftlich beim Arbeitgeber eingereicht werden. Der kann ihn innerhalb von drei Wochen aus betrieblichen Gründen ablehnen. Eine Ablehnung muss er schriftlich begründen.

In Hessen gibt es eine ganze Reihe von Kursen: das DGB-Bildungswerk macht unter www.dgb-bildungswerk.org, die Arbeit und Leben Landesarbeitsgemeinschaft unter www.aul-hessen.de, das Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft, unter www.bwhw.de entsprechende Angebote. Weitere Kurse finden sich auf den Seiten des Instituts des Hessischen Volkshochschulverbands, www.vhs-in-hessen.de, des Paritätischen Bildungswerks, www.PBHessen.de und des Bildungswerk der Arbeiterwohlfahrt,
www.awo-fortbildung.de

Angebote für Bildungsurlaube aus dem ganzen Bundesgebiet finden sich auf den Portalen www.bildungsurlaub.info und www.bildungsurlaub.com

Das Hessische Sozialministerium bietet im Internet unter www.bildungsurlaub.hessen.de die Möglichkeit, nach Veranstaltungen und Veranstaltern zu suchen.

Die Balance zwischen Beruf und Privatleben finden, an der Volkshochschule die eigene Rhetorik verbessern oder sogar französische Vokabeln in Nizza pauken. Arbeitnehmer haben das Recht auf fünf Tage Bildungsurlaub pro Jahr. Theoretisch. Praktisch löst das kaum jemand ein. Laut einem Bericht der Landesregierung haben in Hessen im Jahr 2010 nur 0,55 Prozent der Frauen und 0,42 Prozent der Männer an Bildungsurlauben teilgenommen. Vor allem in kleinen Unternehmen liegt der Anteil der Teilnehmer deutlich unter dem ohnehin schon niedrigen Durchschnitt.

„Der Bildungsurlaub ist politisch nicht mehr so gewollt, wie er es einmal war“, sagt Ulrich Wessely, Bildungsreferent des DGB Bildungswerks Hessen. Die Teilnahme an den Veranstaltungen sei konstant auf einem niedrigen Niveau. Von 2007 bis 2010 gab es in Hessen 5580 Veranstaltungen mit insgesamt über 42 000 Teilnehmern. 7006 davon haben von ihrem Recht auf Freistellung zur Teilnahme allerdings keinen Gebrauch gemacht und stattdessen Erholungsurlaub eingereicht. „Die Leute trauen sich einfach nicht, um zusätzlichen Urlaub zu bitten“, sagt Wessely. Dabei steht er ihnen zu. Ob sie Urlaub einreichen, sei Sache der Arbeitnehmer, sagt Gesa Krüger, Pressereferentin des Hessischen Sozialministeriums. Das müsse jeder selbst entscheiden.

Angst vor Konsequenzen

Den ersten Schritt zu tun, falle vielen Arbeitnehmern schwer, sagt Wessely. Angst vor Benachteiligung und anderen Konsequenzen im Berufsleben halte sie davon ab, sich fortzubilden. „Die steigende prekäre Beschäftigung schürt Ängste.“ Auch zu Mobbing komme es manchmal. „Bei der Belegschaft herrscht manchmal Neid, weil einer sich traut, von seinem Recht Gebrauch zu machen.“

Die Kollegen sehen darin oft keinen Anreiz, selbst am Bildungsurlaub teilzunehmen, sondern beklagten sich über mehr Arbeit. „Das gibt den Mutigen natürlich kein gutes Gefühl. Traurig aber wahr“, sagt Wessely.

Es seien vor allem 40- bis 50-Jährige, die das Angebot nutzen. „Bei Jüngeren stehen oft Karriere und Familie an erster Stelle.“ Für Familien gibt es beim Bildungsurlaub nur „sehr wenige Angebote“. Doch viele wüssten gar nichts von dem Angebot. „Bildungsurlaub ist nach wie vor bei den Chefs nicht gerade beliebt“, sagt Jochen Nagel, hessischer Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Vor allem bei kleinen Betrieben. Denn die Arbeitskräfte fehlen, werden aber weiter bezahlt. Deshalb hielten sich Chefs mit Informationen stark zurück. „Das ist eine kurzatmige Sichtweise“, sagt er. Denn auch die Arbeitgeber hätten einen Nutzen vom Bildungsurlaub ihrer Angestellten. „Sie sind zufriedener und ausgeglichener.“ Das wirke sich positiv auf die Arbeitsleistung aus und führe zu sinkenden Krankheitszeiten. „Man muss eine Zwischenlösung finden.“

Die könnte nach Ansicht Nagels darin bestehen, dass die Kosten für Arbeitgeber übernommen werden – zum Beispiel von den Sozialkassen. „Das wäre schwierig zu organisieren und ginge nicht ohne einen Tarifvertrag“, sagt Wolfgang Koberski, Vorstand der SOKA-Bau. Das Land Hessen werde nicht für diese Kosten aufkommen, sagt Krüger.

Nagel zweifelt, dass der Bildungsurlaub in seiner jetzigen Form noch lohne. Das zeigten die Zahlen. Doch Krüger hält an dem bestehenden Modell fest. Der Bildungsurlaub sei bei Arbeitnehmern und Trägerverbänden noch immer gefragt und kein überholtes Modell, dass man abschaffen solle. Die Zahlen sprächen dafür.

Jetzt kommentieren

Ressort

Ausbildung & Weiterbildung, Familie & Beruf, Arbeitsrecht & Gehalt


Top Stellenangebote
Top-Stellenangebot Anzeige
Servicetechniker/Ingenieur (m/w)
Top-Stellenangebot Anzeige
Lehrer und Erzieher (m/w)
Top-Stellenangebot Anzeige
Verkäufer/in
Top-Stellenangebot Anzeige
Stv. Einrichtungsleitung (m/w)
Top-Stellenangebot Anzeige
Buchhalter (m/w)
Top-Stellenangebot Anzeige
Medizinische/n Fachangestellte/n, VZ/TZ
Top-Stellenangebot Anzeige
Rack Rechtsanwälte
Top-Stellenangebot Anzeige
RICS
Top-Stellenangebot Anzeige
HVSV
Top-Stellenangebot Anzeige
Innius
Anzeigenmarkt
Brutto-Netto-Rechner
Optimieren Sie Ihr Gehalt:
Bruttogehalt (Euro mtl.)
St.-Kl.
Arbeitslosengeldrechner
Wie viel Arbeitslosengeld steht Ihnen zu?
Bruttogehalt (jährl. Euro) Steuerklasse
Kinder Ja Nein Berechnen