21. Februar 2007: Veranstalter Rainer Schaller, seine GmbH heißt Lopavent, verkündet das Aus für die Loveparade in Berlin. In den folgenden Monaten werben München, Leipzig, Köln und das Ruhrgebiet um das Event. In der Presse im Revier bricht Jubel über das „Großereignis, das wir uns nicht entgehen lassen dürfen“ aus.
11. Juni 2007: Überstürzt spricht sich Duisburg für eine Loveparade in der Stadt aus. Der Rat der Stadt Duisburg ermächtigt CDU-Oberbürgermeister Adolf Sauerland, einen Rahmenvertrag mit dem Veranstalter Lopavent über die Loveparade im Jahr 2010 abzuschließen. Die Linksfraktion enthält sich. Der Rat soll laut dem Geschäftsführer der Duisburger Marketing-Gesellschaft Uwe Gerste „noch vor der Sommerpause“ abstimmen, weil das gesamte Ruhrgebiet mit der Entscheidung an die Presse gehen wolle. Zeit für eine Debatte bleibt nicht.
16. Juni 2007: Das Ruhrgebiet erhält von den Veranstaltern Lopavent den offiziellen Zuschlag für die kommenden fünf Loveparades. Schon zwei Monate später, am 25. August, soll die Loveparade erstmals durch Essen ziehen. 2008 soll Dortmund folgen, in den Jahren darauf die Party in Bochum, Duisburg und Gelsenkirchen stattfinden.
20. August 2007: Veranstalter Rainer Schaller legt die Messlatte für die Revier-Paraden hoch. Der Fitnessstudio-Betreiber kündigt an, Berlin im Ruhrgebiet „in mehreren Faktoren zu schlagen“. Er will Events der Superlative.
25. August 2007: Die erste Loveparade im Ruhrgebiet findet in Essen statt. Die Raver haben das Zentrum für sich. Wegen Überfüllung wird zeitweilig der Bahnhof geschlossen.
19. Juli 2008: Mit der zweiten Loveparade im Revier beginnt der Wettlauf um die höchste Teilnehmerzahl. In Dortmund nehmen nach amtlichen Angaben 1,6 Millionen Raver teil, 100000 mehr als 1999 in Berlin. Diese „Rekordzahl“ nennt ein Sprecher der Stadt. Später zweifeln Polizei und Feuerwehrleute die Zahlen an, es sollen nur 850000 Menschen gewesen sein. Sie ravten ohne Zwischenfälle auf der gesperrten Autobahn 40. Der Bahnhof erwies sich aber schon damals als kritischer Punkt: Er wurde zeitweilig geschlossen, viele Besucher konnten erst Stunden nach Veranstaltungsende mit dem Zug abreisen.
15. Januar 2009: Die Loveparade in Bochum wird abgesagt. „Wir haben nicht die Infrastruktur für so ein großes Ereignis“, sagt Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz (SPD). Dortige Medien und die CDU sind empört. Die Entscheidung sei „eine Schande für das Ruhrgebiet“, die „Metropole hat sich blamiert“. Ein alternativer Austragungsort ist für 2009 nicht vorgesehen. Heute wird Scholz für ihre damalige Chuzpe gefeiert.
19. Januar 2009: Trotz fieberhafter Suche der politischen und wirtschaftlichen Interessengruppen im Ruhrgebiet wird kein alternativer Austragungsort gefunden. Auch die Autobahn 40, die schon in Dortmund genutzt wurde, sei laut dem Veranstalter Lopavent keine Alternative. Sie sei in Bochum zu weit von der Innenstadt und dem Bahnhof entfernt. Wie immer drängt Lopavent darauf, direkt durch das Zentrum zu ziehen, wie es später auch in Duisburg sein wird.
6. Februar 2009: Nach dem Aus für die Loveparade in Bochum kommen Zweifel für die Veranstaltung im Kulturhauptstadtjahr 2010 in Duisburg auf. Bislang sei keine geeignete Strecke für das Großfest der Techno-Fans gefunden, sagt Duisburgs Stadtsprecher Frank Kopatschek. „Wir warten jetzt auf einen Antrag der Veranstalter“, sagte Kopatschek.
8. Februar 2009: Die traditionell konkurrierenden Ruhrgebietsstädte wetteifern um die Loveparade. Ein Wettlauf der Zugeständnisse an die Veranstalter beginnt. Sollte die weltgrößte Tanzveranstaltung in Duisburg 2010 aus Sicherheits- und Platzgründen nicht stattfinden können, sei ein erneutes Gastspiel im benachbarten Essen denkbar, so der Stadtdirektor Christian Hülsmann. Er betont: „Die Loveparade ist keine Katzenkirmes. Das ist ein Riesenaufwand und erfordert zudem hohe Investitionen im mittleren sechsstelligen Bereich.“ Allerdings müsse man schon allein im Hinblick auf das Kulturhauptstadtjahr um die Parade kämpfen. Ansonsten wäre es sehr schlechte Werbung für das Ruhrgebiet. Eine Sprecherin der Wirtschaftsförderung Metropoleruhr GmbH sekundiert: „Das Ruhrgebiet braucht solche weltweit wahrgenommenen Veranstaltungen, um sein Image als offener und toleranter Lebensraum zu festigen.“
9. Februar 2009: Kritiker der Loveparade werden eingeschüchtert. Der Duisburger Bundestagsabgeordnete Thomas Mahlberg fordert in einem Brief an den damaligen NRW-Innenminister Ingo Wolf die Absetzung des Duisburger Polizeichefs Rolf Cebin. Dieser hatte wenige Tage zuvor geäußert, „eklatante Sicherheitsmängel“ stünden dem Ereignis in Duisburg entgegen. „Dies veranlasst mich zu der Bitte, Duisburg von einer schweren Bürde zu befreien und den personellen Neuanfang im Polizeipräsidium Duisburg zu wagen“, heißt es in Mahlbergs Brief. Er ist noch heute auf der Homepage der Duisburger CDU zu finden. Cebin ist seit Frühjahr in Pension, sein Stellvertreter Detlef von Schmeling wurde für die Loveparade verantwortlich.
10. Februar 2009: Hinter den Kulissen haben sich die Städte darauf geeinigt, doch Duisburg den Vortritt zu lassen. Trotz „Platz- und Sicherheitsbedenken“ soll die Loveparade 2010 in Duisburg stattfinden. Diese Meinung verträten alle großen Ruhrgebietsstädte, teilt die Wirtschaftsfördergesellschaft Metropoleruhr mit.
29. Oktober 2009: Die Veranstalter der Loveparade geben ihr „Go“ für das Technospektakel in Duisburg. Sie haben sich das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs ausgesucht. Bisher ist auf dem Brachland nahe der Innenstadt nicht viel außer grünem Gestrüpp. Überwachsene Schienen, eine alte Bahnhofshalle – das noch unbebaute Land ist der einzige freie Fleck, der den Veranstaltern zentrumsnah genug ist. Für die Loveparade muss das Gelände noch gerodet werden. Die Organisatoren arbeiten angeblich schon am Konzept und an den Streckenplänen. Anfang 2010 wollen sie Planungsdetails bekanntgeben. Dazu wird es nicht kommen, detaillierte Pläne wurden der Öffentlichkeit nie vorgestellt
15. Dezember 2009: Der Kulturausschuss wird per Power-Point-Präsentation über den Stand der Planungen für die Loveparade informiert. Die Präsentation bleibt oberflächlich. „Anhand einer Folie wurde dargestellt, dass viele Bahnlinien über Duisburg führen und damit eine gute Erreichbarkeit Duisburgs gegeben sei“, heißt es zum Beispiel im Protokoll der Sitzung. Es werde mit einer Million Gäste gerechnet. Die CDU-Fraktion betont, es käme Geld nach Duisburg – allein der Veranstalter würde mit mehreren hundert Leuten ja einige Tage in der Stadt übernachten müssen. Am Rande geäußerte Zweifel an den Einnahmen werden von der CDU-Ratsfraktion weggewischt.
Dezember 2009: Der Nothaushalt von Duisburg wird zum größten Hindernis für die Loveparade. Die bankrotte Stadt darf nur noch Geld für Pflichtaufgaben wie Kindergärten ausgeben, freiwillige Projekte muss sie genehmigen lassen. Die Bezirksregierung Düsseldorf als oberste Finanzaufsicht teilt der Rheinkommune in „informellen Gesprächen“ mit, dass die Stadt kein Geld für die Loveparade ausgeben darf, so Sprecher Bernd Hamacher. Dennoch schafft die Stadt Fakten: Nach Aussagen von Sprecher Frank Koptaschek werden zeitgleich Arbeitsgruppen mit Vertretern von Feuerwehr, Polizei, Ordnungsamt und Veranstalter gebildet, die in einem festen Turnus tagen sollen.