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Porträt: Aufklärer in Duisburg

Stephan Becker, Ermittler aus Köln, soll mit 60 Kripo-Leuten das Loveparade-Unglück untersuchen.

Stephan Becker, 49, ist Kriminaldirektor bei der Kölner Polizei und leitet  die Kommission, die die Hintergründe des Unglücks von Duisburg aufklären soll.  Becker steht an der Spitze des Dezernats für Organisierte Kriminalität.
Stephan Becker, 49, ist Kriminaldirektor bei der Kölner Polizei und leitet die Kommission, die die Hintergründe des Unglücks von Duisburg aufklären soll. Becker steht an der Spitze des Dezernats für Organisierte Kriminalität.
Foto: ARTON KRASNIQI

Für gewöhnlich wird es am Nachmittag still auf den Fluren des Polizeipräsidiums in Köln-Kalk. In dieser Woche aber herrscht noch spät abends reger Betrieb im kürzlich fertiggestellten Gebäudeteil C. Verteilt auf Büros in drei Etagen haben die Beamten der 60-köpfigen Ermittlungsgruppe ihre Arbeit aufgenommen. Sie sollen die Hintergründe des Loveparade-Unglücks in Duisburg aufklären.

Chef der Kommission ist Kriminaldirektor Stephan Becker, 49 Jahre alt, Leiter des Dezernats für Organisierte Kriminalität. „Ich habe ihn ausgewählt, weil er ein hoch qualifizierter, erfahrener Ermittler und Inspektionsleiter ist“, sagt Norbert Wagner, Leiter der Kölner Kriminalpolizei.

Seit mehr als 25 Jahren ist Becker Polizist. Mitte der 1980er Jahre fing er als Sachbearbeiter bei der Behörde an, arbeitete zwischenzeitlich auch bei der Bezirksregierung. Kollegen beschreiben ihn als „ruhigen, höflichen und sehr korrekten“ Ermittler, dessen Vater es schon bis zum Polizeioberrat gebracht hatte.

Bei der Kölner Polizei ist Becker Mitglied eines Pools aus hochrangigen Beamten, die als Einsatzführer für „besondere Einsatzlagen“ vorgesehen sind. Dazu zählen vor allem Geiselnahmen und terroristische Anschläge. Im Januar koordinierte der 49-Jährige die Polizeiarbeit bei einer umfangreichen Übung eines Terroranschlags auf dem Köln-Bonner Flughafen. Insgesamt 2700 Einsatzkräfte waren beteiligt. Erst vorige Woche gelang es Beckers Kommissariat, 50 Kilo Kokain im Wert von fünf Millionen Euro sicherzustellen; es war der zweitgrößte Drogenfund in der Geschichte der Kölner Polizei.

Die Herausforderung, die der Kriminaldirektor in den kommenden Wochen und Monaten meistern muss, ist die wohl gewichtigste in seiner bisherigen Laufbahn. Es gilt herauszufinden, wer für den Tod von 21 Menschen und für weitere 500 Verletzte verantwortlich ist. Offizielle Unterlagen zur Loveparade müssen ausgewertet werden, Augenzeugenberichte, Fotos und Handyvideos, die zuhauf über die klassischen Medien und das Internet verbreitet werden. „Das wird Monate dauern“, ist ein Beamter überzeugt.

Die 60 Sonderermittler, die Stephan Becker anleiten soll, setzen sich zusammen aus verschiedenen polizeilichen Bereichen und Institutionen mehrerer Städte. „Der gesamte Sachverhalt birgt natürlich auch eine gewisse politische Brisanz“, sagt Kripo-Chef Wagner. An Motivation jedenfalls mangelt es offensichtlich weder der Ermittlungsgruppe noch ihrem Chef, im Gegenteil. „Egal, wen Sie hier fragen“, versichert Wagner, „von allen bekommen Sie zu hören: ‚Wir packen das, wir klären das.‘ Das Engagement der Kollegen ist unheimlich hoch.“

Autor:  Tim Stinauer
Datum:  29 | 7 | 2010
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