Am Ende seiner Ausführungen, als Dieter Wehe auf die Todesopfer zu sprechen kommt, versagt dem Polizeiinspekteur für Nordrhein-Westfalen einen Moment die Stimme. Bei der Pressekonferenz im Düsseldorfer Landtag kämpft er gegen die Tränen, als er sagt: „Nach allem, was wir wissen, wurden die Zäune, die auf dem Boden lagen, zur Stolperfalle.“
Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) und die Polizei erhoben schwere Vorwürfe gegen die Veranstalter der Loveparade und die Stadt Duisburg. „Der Veranstalter hat Vorgaben und Zusagen aus dem Sicherheitskonzept nicht eingehalten. Als die Ordner die Situation nicht mehr im Griff hatten, riefen sie die Polizei um Hilfe, die durch beherztes Eingriffen noch Schlimmeres verhindert hat“, sagte Jäger. 4000 nordrhein-westfälische Polizisten und 1300 Bundespolizisten waren im Einsatz. Zur Kooperation mit der Stadt sagte der Innenminister: „Eine enge, vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen der Polizei und einer Stadt als Genehmigungsbehörde stelle ich mir anders vor.“
„Ich bin selbst Duisburger“, merkte Jäger an. Er habe die schlimmen Ereignisse zusammen mit Freunden und Bekannten miterlebt und finde es „unerträglich“, wenn Verantwortung auf Seiten der Stadt oder des Veranstalters abgeschoben werde.
Polizeiinspekteur Wehe bemängelte, der Veranstalter habe im kritischen Bereich des Tunnels, an dem die Panik entstand, sowie an den Einlassschleusen vor dem Tunnel zu wenig Ordnungskräfte im Einsatz gehabt. Es sei momentan unklar, ob die vom Veranstalter zugesagte Zahl der privaten Sicherheitskräfte eingehalten worden sei.
Entgegen der Absprachen mit der Polizei um 15.30 Uhr hätten die Ordner zudem die Schleusen auch dann nicht gesperrt, als sich die Situation vor der Rampe zuspitzte. „Das wäre nötig gewesen, um einen weiteren Zustrom zu verhindern.“ Stattdessen hätten die Ordner sogar zwei weitere Absperrgitter geöffnet, durch die weitere Besucher in den Tunnel strömen konnten. „Erst auf Hinweis der Polizei wurden die Gitter wieder geschlossen“, erläuterte Wehe.
Ein weiteres Problem: Gemäß der Planung sollte der Veranstalter das Partygelände um elf Uhr öffnen oder schon um zehn Uhr für den Fall, dass der Besucherandrang vor den Schleusen hoch sein sollte. Tatsächlich seien die Zugänge aber erst um zwölf Uhr geöffnet worden, sagte Wehe. Der Grund: „Auf dem Veranstaltungsgelände waren noch Planierraupen im Einsatz.“
20.000 Menschen standen dicht gedrängt, aber die Schleusen blieben zu
Zwischenzeitlich hätten sich vor den Schleusen 20.000 Menschen gedrängt, die eingelassen werden wollten. Dennoch hätten die Ordner nicht sämtliche Schleusen zum Tunnel geöffnet, um den Druck zu verringern, sondern acht geschlossen gehalten. Erst nach Intervention der Polizei seien diese dann auch geöffnet werden. Kameras, die installiert waren, um den Besucherstrom fortwährend zu kontrollieren, fielen gegen 17 Uhr aus – genau, als die Panik losbrach. Menschen, die aus Verzweiflung die Tunnelwände hochgeklettert waren, hätten dabei die Kabel herausgerissen, berichtete Wehe.
Die Polizei, fasste Innenminister Jäger zusammen, sei am Samstag während der Loveparade für die Sicherheit im gesamten Stadtgebiet verantwortlich gewesen – mit Ausnahme des Festivalgeländes. „Da war der Veranstalter zuständig.“