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Paketbomben: Keine Flüge mehr aus dem Jemen

Nach dem Fund von zwei Paketbomben in Frachtflugzeugen aus dem Jemen hat das Verkehrsministerium der Airline Jemenia die Landeerlaubnis in Deutschland entzogen. Auch für andere Länder werden Verbote geprüft.

Auf dem Flughafen Köln-Bonn wurde die Bombe umgeladen.  Foto: dapd
Berlin –  

Nach dem Fund von zwei Paketbomben in Frachtflugzeugen aus dem Jemen haben deutsche Behörden alle Flüge aus dem Jemen in die Bundesrepublik gestoppt. Das sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums am Montag in Berlin. Das Luftfahrtbundesamt habe eine hundertprozentige Kontrolle aller bereits in Deutschland eingetroffenen Pakete angeordnet und zudem der Fluggesellschaft Jemenia die Landeerlaubnis entzogen, hieß es aus Regierungskreisen. Die Airline fliegt einmal wöchentlich von Sanaa über Rom nach Frankfurt.

Als Konsequenz aus den vereitelten Paketbomben-Anschlägen in den USA prüft die Bundesregierung eine Verschärfung bei der Kontrolle von Luftfracht. Dazu wurde ein Arbeitsstab von Auswärtigem Amt, Verkehrs- und Innenministerium sowie den Sicherheitsbehörden eingerichtet.

Geprüft werde ein Verbot von Frachtlieferungen nicht nur aus dem Jemen, sondern auch aus anderen Ländern, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Es werde ein EU-weites Vorgehen zusammen mit den USA angestrebt.

Man habe keine Hinweise auf weitere Paketbomben, hieß es aus Ermittlerkreisen. Die Sprengvorrichtung der beiden gefundenen Bomben sei so professionell zusammengebaut gewesen, dass eine Entdeckung bei Kontrollen sehr schwierig sei. In den Tonerpatronen der HP-Laserjetdrucker habe sich einmal 400 und einmal 500 Gramm des Sprengstoffs PETN befunden, welcher über eine feine Verdrahtung und Teile eines Mobiltelefons zündbar gewesen wäre. Die Menge des Sprengstoffs hätte bei einer Zündung in einem Flugzeug zu erheblichen Auswirkungen geführt, hieß es.

Die Regierung wies Darstellungen zurück, dass die Behörden von den Vorgängen überrascht worden seien. Die Informationen seien in diesem Fall schnell weitergegeben und bearbeitet worden, so ein Sprecher des Innenministeriums. Es sei nicht möglich, das Frachtaufkommen der Erde zu durchleuchten, da sonst das System zusammenbreche. Bislang seien für die Sicherheit von Frachtgut auf dem Transitweg das absendende Land und die Transportgesellschaft verantwortlich.

Güter, die von Lufthansa Cargo geflogen werden, stammten entweder von Speditionen, die eine Lizenz des Luftfahrtbundesamtes in Braunschweig besitzen oder würden mit Röntgengeräten oder Sprengstoff-Detektoren untersucht, sagte der Pressesprecher des Unternehmens. Bislang habe es keinen kritischen Fall gegeben, sagte er. Außerhalb Europas gebe es aber Sicherheitslücken. „Wir brauchen weltweite Regelungen“, fordert der Sprecher.

Laut BBC hat ein ehemaliges Mitglied der Terrororganisation Al-Kaida den Hinweis auf die Paketbomben aus dem Jemen gegeben. Der Mann mit dem Namen Jaber al-Faifi habe sich vor zwei Wochen den saudi-arabischen Behörden gestellt, zitierte der britische Sender am Montag nicht näher genannte Quellen. Al-Faifi soll früher Insasse des US-Gefangenenlagers Guantánamo gewesen sein und sich danach Al-Kaida im Jemen angeschlossen haben.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) rechnete nach der Entdeckung der Paketbomben mit höheren Kosten für den Transport von Luftfracht. Die Sicherheitskontrollen werden bürokratischer und aufwendiger, sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Axel Nitschke. (mit dpa/rtr)

Autor:  Matthias Thieme und Friederike Tinnappel
Datum:  1 | 11 | 2010
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