Herr Occean, wie steht’s nach ein paar Wochen in Offenbach mit Ihrem Deutsch?
(In Deutsch) Ich spreche ein bisschen Deutsch. Ich lerne es langsam.
Olivier Occean hat sich bereits eingelebt und im Offenbacher Umland ein Haus für die Familie gemietet. Seine Frau und die beiden kleinen Söhne kommen demnächst aus Norwegen nach.
Der 28-Jährige Sohn haitianischer Eltern wurde in Brossard unweit von Montreal in der Provinz Quebec, dem französischsprachigen Teil Kanadas, geboren.
Sie sprechen ja schon vier Sprachen..
Ja. Norwegisch, Französisch, Englisch und Kreolisch. Ich hoffe, dass es in einigen Monaten fünf Sprachen sind.
Sie sind seit Juli in Offenbach. Wie ist Ihr Eindruck?
Es ist unkompliziert hier. Die Leute sind okay. Ich bin aber auch kein komplizierter Charakter.
Haben Sie jemals von Offenbach und den Kickers gehört, ehe sie zum OFC kamen?
Nein. Als mein Berater kam und mir vom Angebot der Kickers berichtet hat, habe ich mich im Internet über den OFC und die Stadt Offenbach informiert. Dass der OFC zum Beispiel eine große Tradition hat, dass er in der Ersten und Zweiten Bundesliga war und dort wieder hin will.
Sie sind in jungen Jahren in die USA gegangen. Was bewog Sie, ihre Heimat zu verlassen?
Eine Karriere in den USA ist für einen Fußballer aus Kanada ein üblicher Weg. Ein Stipendium zu bekommen, das streben viele an. Und dann hoffen sie, dass sie von einem Klub aus der Major League Soccer gedraftet werden. Ich hatte etwas Glück, ich wurde vor dem letzten Semester von New York gedraftet (damals MetroStars, heute Red Bull; Anm. d. Red.).
Wie kamen Sie dann nach Norwegen?
Wir waren in Spanien im Trainingslager. Und ich habe gut gespielt und viele Tore gemacht. Norwegische Klubs (unter anderem der Erstligist Odd Grenland/Anm. d. Red.) hatten herausgefunden, dass ich nirgendwo unter Vertrag stand. Nach einer Woche in Spanien saß ich plötzlich mit zwei Klubs aus Norwegen da und habe mit ihnen verhandelt.
Sie hätten aber auch in New York bleiben können. Da würden Sie jetzt mit Thierry Henry zusammenspielen.
Wer weiß. Wenn du in den USA unter Vertrag stehst, hast du keinen Schutz. Die Spieler werden viel hin- und hergeschoben, es gibt nur ganz wenige, die länger bei einem Verein spielen. Da heißt es schnell: ,Du kannst gehen.‘ Du kannst ruckzuck vor der Tür sitzen. Deswegen habe ich das Angebot aus Norwegen angenommen.
Sie kommen aus Kanada. Dort ist Eishockey Volksport. War das eine Option für Sie?
Eigentlich nicht. Ich stamme ja aus der Karibik, da ist Fußball die Nummer eins. Ich habe zwischendurch aber auch mal Basketball gespielt.
Hätten Sie auch Basketballprofi werden können?
Ich war ziemlich talentiert. Und als ich in die USA ans College kam, hatte ich die Wahl: entweder Fußball oder Basketball.
Warum dann Fußball?
Ich habe einfach mehr Leidenschaft für Fußball. Außerdem ist im US-Basketball der Wettbewerb gnadenlos. Es gibt massenweise gute Spieler.
Viele Fußballer von anderen Kontinenten träumen davon, in einer der großen europäischen Ligen zu spielen − etwa in der Premier League. Sie auch?
Ja. Ich bin ein großer Fan von Arsenal London, seit ich zehn bin. Ich habe Arsenal oft im Fernsehen gesehen und mir gedacht: Da würde ich gerne spielen.
Haben Sie es bedauert, nur in Norwegen gelandet zu sein?
Nein, gar nicht. Ich bin Kanadier, Fußball ist bei uns Randsport. Ich hatte die Gelegenheit, nach Europa zu gehen. Ich bin dankbar dafür, denn du kannst die Kanadier, die in Europa spielen, an einer Hand abzählen. Deswegen bin ich froh, dass es geklappt hat. Und Norwegen ist ein schönes Land. Viele Kanadier würden sich wünschen, in Norwegen zu spielen.
Warum dann der Wechsel von der ersten norwegischen in die dritte deutsche Liga?
Die Saison 2007/2008 bei Lilleström SK war sehr gut. Wir haben den Pokal gewonnen und ich habe viele Tore geschossen. Die Saison danach war schlecht. Ich war verletzt, habe aber trotzdem gespielt. Dann war ich noch mal verletzt, und als ich danach wieder da war, war ich eigentlich in guter Form. Aber der Trainer hat sich für andere Spieler entschieden. Und da mein Vertrag Ende dieses Jahres ausgelaufen wäre, habe ich mich für einen Wechsel entschieden. Ich hatte zwar auch Angebote aus anderen Ländern, aber ich wollte in ein Land, wo der Fußball eine große Tradition hat. Und die Verantwortlichen in Offenbach haben mir von den Plänen des Vereins berichtet. Der OFC will in die zweite Liga, kriegt ein neues Stadion. Das war ziemlich attraktiv.
Was wären die Alternativen gewesen?
Ich hatte Angebote aus den USA und aus Asien.
Nach kurzer Zeit haben bereits einige deutsche Bundesligisten Interesse an Ihnen bekundet. Wie gehen Sie damit um?
Es ist schön zu wissen, dass meine Leistung honoriert wird und dass da Interesse geweckt wird. Aber ich kann nicht gehen, ich bin ja gerade erst gekommen. Ich muss hier konstant gut spielen.
Ist die dritte Liga stärker oder schwächer, als Sie gedacht haben?
Die Spieler sind sehr gut. Gerade beim OFC. Wir haben Bochum im Pokal geschlagen, und wir hätten sie höher als 3:0 schlagen können. Das zeigt, wie hoch das Level ist.
Wie weit sind Sie schon in die Mannschaft integriert?
Recht gut. Manchmal gehe ich mit den Kollegen einen Kaffee trinken. Hin und wieder gehen wir auch nach Spielen etwas trinken. Für mein Deutsch ist das gut, es wird besser. Aber einige Kollegen sprechen auch gut Englisch.
Wie kommunizieren Sie mit Trainer Wolfgang Wolf?
In Englisch.
Wie ist Ihr Eindruck von ihm? Kannten Sie ihn vorher?
Nein. Aber ich habe mich erkundigt und weiß, dass er große Teams trainiert hat. Er ist ein sehr guter Motivator.
Sie haben in sechs Punktspielen sechs Tore erzielt. Ist das der beste Olivier Occean, den es gibt? Oder geht es noch besser?
Eine gute Frage. Ich mache einfach mein Ding und gebe immer mein Bestes. Ich fühle mich sehr gut, aber ich kann mich sicher auch noch entwickeln.
Zurück zum OFC: Wie beurteilen Sie die Aufstiegschancen?
Bis jetzt haben wir gerade mal sechs Spiele absolviert. Wenn wir nach der Hälfte der Saison oben stehen, dann kann man vielleicht was sagen. Wir werden jetzt gejagt, und die anderen Vereine sind gut vorbereitet. Das sieht man in den Spielen.
Die Fans wollen den Aufstieg und sind nicht gerade geduldig...
Das ist logisch. Der OFC hat eine Tradition in der zweiten Liga. Diesen Druck haben wir, den müssen wir aushalten. Aber ich bin sicher: Wir gehen unseren Weg. Wir haben viele Spieler, die einen großen Willen haben.
Interview: Wolfgang Hettfleisch und Andreas Hunzinger
| Mannschaft | Tore | Punkte | |||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | SV Sandhausen | 57:42 | 66 | ||
| 2 | VfR Aalen | 50:42 | 64 | ||
| 3 | Jahn Regensburg | 55:41 | 61 | ||
| 4 | 1. FC Heidenheim | 48:36 | 60 | ||
| 5 | Rot-Weiß Erfurt | 54:41 | 59 | ||
| 6 | Burghausen | 55:47 | 57 | ||
| 7 | VfL Osnabrück | 46:35 | 55 | ||
| 8 | Kickers Offenbach | 49:41 | 55 | ||
| 9 | Chemnitzer FC | 47:43 | 55 | ||
| 10 | 1. FC Saarbrücken | 61:51 | 54 | ||
| 11 | VfB Stuttgart II | 44:47 | 50 | ||
| 12 | Preußen Münster | 40:44 | 50 | ||
| 13 | Arminia Bielefeld | 51:57 | 50 | ||
| 14 | Darmstadt 98 | 51:47 | 49 | ||
| 15 | Unterhaching | 63:59 | 44 | ||
| 16 | Wiesbaden | 40:48 | 44 | ||
| 17 | SV Babelsberg | 44:59 | 44 | ||
| 18 | Carl Zeiss Jena | 39:59 | 39 | ||
| 19 | Oberhausen | 33:47 | 38 | ||
| 20 | Werder Bremen II | 29:70 | 22 | ||
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