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Tebartz-van Elst
Der Limburger Bischof Tebartz-van Elst steht in der Kritik: hohe, verschleierte Baukosten für die Bischofsresidenz und ein Meineid sind die Vorwürfe.

13. November 2013

Bischof von Limburg: Tebartz fühlt sich verraten

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Fühlt sich verraten: der umstrittene Bischof Tebartz-van Elst.  Foto: dpa

Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst verteidigt die hohen Baukosten für seine Bischofsresidenz und verwahrt sich gegen Vorwürfe der Prunksucht. Alle wesentlichen Entscheidungen seien „kollegial“ getroffen worden, auch wenn sie am Ende nur seine Unterschrift trügen.

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Limburg. –  

Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hat sich erstmals seit seiner vorläufigen Beurlaubung durch Papst Franziskus öffentlich geäußert. Der Geistliche verteidigte in einem Exklusiv-Gespräch mit dem „Vatican-Magazin“ den 30-Millionen-Bau seiner Bischofsresidenz auf dem Limburger Domberg und verwahrte sich gegen den Vorwurf der Prunksucht. Das neue Bischofshaus sei „nicht protzig, sondern vor allem wertig“, zitiert ihn sein Gesprächspartner, der konservative Vatikan-Korrespondent Paul Badde. Das Projekt sei der Versuch, „zeitlose Formen zu finden“ und dem Hinweis Papst Benedikts XVI. zu entsprechen, dass die Wahrheit schön sei und dass wahre Schönheit immer auf die Wahrheit verweise. Problematisch werde es, wenn es darum gehe, etwas für sich selbst zu schaffen. Darum sei es aber in Limburg „nie gegangen“.

Der Bischof betonte weiter, alle wesentlichen Entscheidungen seien „kollegial“ getroffen worden, auch wenn sie am Ende nur seine Unterschrift trügen. Auf den Vorwurf jahrelanger systematischer Verschleierung der tatsächlichen Kosten geht Tebartz ebenso wenig ein wie auf seine persönliche Zukunft nach dem Ende der unbefristeten Auszeit, die der Papst zur Beruhigung der Situation in Limburg angeordnet hatte. Als eigenen Fehler räumt der Bischof lediglich zu große Vertrauensseligkeit ein. Er sei falschem Sachverstand gefolgt, etwa im Rechtsstreit mit dem „Spiegel“ um einen Luxusflug nach Indien. Hier droht ihm ein Strafbefehl wegen uneidlicher Falschaussage. Allerdings lässt Tebartz’ Gesprächspartner durchblicken, dass in dieser Angelegenheit auch vom Spiegel gelogen worden sei.

Es tue ihm weh, sich in seinem Vertrauen enttäuscht und „verraten“ zu sehen. Als „glücklichen Traum“ formuliert der Bischof nach Angaben seines Gesprächspartners den Wunsch, „dass im Bistum Limburg auch unversöhnlich scheinende Positionen wieder zusammenfinden mögen“. Ob er damit die Rückkehr ins Bistum verbindet, bleibt offen.

Priesterbild korrigieren

Der Münsteraner Historiker Thomas Großbölting warnt unterdessen vor einer einseitigen Personalisierung des Limburger Skandals. Unabhängig von dessen Ausgang und dem Verbleib Tebartz-van Elsts müsse die deutsche katholische Kirche ihr überhöhtes Priesterbild und ihre „unreflektierte Nähe zur staatlichen Macht“ korrigieren. „Die enge Verbindung mit dem Staat, die den Kirchen in den 1950er Jahren noch zum Vorteil gereichte, wird in einer mehr und mehr säkularen wie auch stärker multireligiösen Gesellschaft zum Bumerang“, schreibt Großbölting in einem Gastbeitrag für die Online-Ausgabe des „Kölner Stadt-Anzeigers“. Mit Blick auf die staatlichen Finanztransfers an die Kirchen heißt es darin, was die Gesellschaft über Jahrzehnte als selbstverständlich hingenommen habe, könne die Kirche heute nicht mehr plausibel begründen. Die Bischofskonferenz sollte in der Diskussion um Staatsleistungen und Kirchenfinanzen nach Meinung Großböltings „aktiv nach Lösungen suchen“ und sie dem Staat anbieten, ohne das Kirchensteuersystem als „für beide Seiten gewinnbringendes Arrangement“ infrage zu stellen.

Auch gehörten „Formen monarchischer Repräsentation“ in der Kirche auf den Prüfstand, die sich an der „Herrrschaftsdemonstration des weltlichen Absolutismus“ orientierten. „Die Sakralisierung der Hierarchie ist eine der entscheidenden Modernisierungsblockaden überhaupt“, so der Experte für die Geschichte der Religiosität im Nachkriegsdeutschland.

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Der Limburger Bischof Tebartz-van Elst steht in der Kritik: hohe, verschleierte Baukosten für die Bischofsresidenz und ein Meineid sind die Vorwürfe. Viele Christen sind empört.

Tebartz-van Elst

Im Jahr 2007 bschließt das Domkapitel einen Umbau des Dombergs mit dem Ziel, dem künftigen Bischof eine Wohnung und Residenz zu errichten. Der weitere Verlauf der Ereignisse ist skandalträchtig.

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