Aktuell: FR-Recherche: Medikamententests an Heimkindern | Zuwanderung Rhein-Main | Fotostrecken | Polizeimeldungen
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Tebartz-van Elst
Der Limburger Bischof Tebartz-van Elst steht in der Kritik: hohe, verschleierte Baukosten für die Bischofsresidenz und ein Meineid sind die Vorwürfe.

20. Februar 2015

Katholische Kirche: In Tebartz' Badezimmer

 Von 
Es gibt sie tatsächlich - die berühmteste Badewanne der Republik.  Foto: dpa

Fensterrahmen aus Bronze, schusssicheres Glas und beleuchtete Bücherschränke - das Bistum Limburg gewährt Einblicke in die Privatwohnung seines Ex-Bischofs.

Drucken per Mail

Die Führung beginnt Freitagmittag, Punkt 12. Mächtig klingen die Schläge der Limburger Domuhr herüber. Die Bistumsleitung hat die Journalistenschar eingeladen, das ganze Bischofshaus zu besichtigen. Jeden Winkel. Das gesamte Gebäudeensemble. Nichts soll mehr verborgen bleiben.
Gezeigt werden also auch die einstigen Wohnräume des zurückgetretenen Bischofs Frank-Peter Tebartz-van Elst. Die hat bisher kaum jemand zu Gesicht bekommen. Umso mehr wurde darüber geredet und geschrieben.

Wo ist sie, die frei stehende Badewanne? Und der Teich, in dem die Koi-Karpfen des Bischofs schwammen. Die sündhaft teuren Wandschränke. Der Weinkeller. Die Bibliothek. Und wo stand des Bischofs Bett? Was wurde nicht alles gelogen über diesen Bischofssitz, wurden Kosten verschleiert, waren die Mitarbeiter des Bischofs zum Schweigen verdammt. Jetzt steht er leer, der 31-Millionen-Euro-Bau.

Pfarrer Wolfgang Rösch, der stellvertretende Bistumsverwalter, begrüßt die Journalisten im Foyer. „Es ist der Versuch der Aufarbeitung, der Rückkehr in die Normalität“ , sagt er. In der Einladung ist die Rede von Entmystifizierung und Entmythologisierung. Dabei hat dieser Bau in seiner Klarheit und Schlichtheit so gar nichts Mystisches an sich. „Nachhaltig, edel, vornehm“ beschreibt Rösch die Architektur. Ihre Transparenz spricht der Entstehungsgeschichte Hohn. Nein, kein Protz. Und doch eine Verschwendung, die sprachlos macht.

Vom Foyer aus führt der Rundgang in die Alte Vikarie. In dem Fachwerkhaus von 1490 liegen die Amtsräume des Bischofs, die Sekretariate, Büros der Referenten. Die Regale leer, kein Aktenordner, die Schreibtische unbesetzt. Im ersten Stock das Arbeitszimmer des Bischofs mit direktem Blick auf das Domportal. Auf Wunsch des Bischofs wurde hier nachträglich schusssicheres Glas eingesetzt. Es ist der Ort, an dem Diözesanbaumeister Tilmann Staudt – nach den Gesamtkosten des Bischofssitzes gefragt – antwortete: „Eine Handbreit unter zehn Millionen.“ Das war im Juli 2013, kurz bevor der ganze Lug und Trug aufflog.

Weiter geht es in die Kapelle. Ein lichter, hoher Raum mit wunderbaren Fenstern. Tebartz-van Elst geriet darüber ins Schwärmen, als er im Juli 2013 Besuchern seine Kapelle zeigte. Doch der Blick geht zuallererst an die Decke. Dort baumelt das Seil, an dem Tebartz-van Elst den Adventskranz aufhängen ließ. Ein bloßer Ständer, wie zunächst vorgesehen, schien ihm unpassend. Dafür musste das schon fertige Dach geöffnet und ein Kran gestellt werden. Die Prüfungskommission, die über Monate hinweg die Baumaßnahmen auf dem Domberg untersuchte, konnte den Gesamtaufwand dafür nicht mehr klären. Mindestens 18 000 Euro jedoch kosteten allein die unmittelbaren Arbeiten am Dach. Für einen hängenden Adventskranz.

Dann die Privatwohnung: 283 Quadratmeter Neubau vom Feinsten, auf zwei Stockwerke verteilt. Dafür musste der Fels des Dombergs weggefräst werden.

Knapp drei Meter Deckenhöhe, helles Parkett, die Wände weiß, ein paar wenige Bohrlöcher, in denen rote Kunststoffdübel sitzen. Die Bilder, die hier wohl einmal hingen, hatten nicht die Zeit, auf den Wänden Schatten zu hinterlassen.

Das Bischofshaus

Führungen für kirchliche Gruppen durch den Limburger Bischofssitz soll es von April an jeweils an zwei Tagen im Monat geben. Anmeldung unter www.bistumlimburg.de

Einblicke in das Gebäude gibt es unter www.bistumlimburg.de/bischofshaus

In der Mitte des Wohnzimmers ein freistehender Kamin. Von hier geht es zur schmalen, holzbelegten Terrasse. Fensterrahmen und Türbeschläge sind aus Bronze. Überall in der Wohnung Einbauschränke, die Fronten hochglanz-weiß. In der Bibliothek kein Buch. Eine ganze Wand Regal, jedes Brett einzeln beleuchtet. Die Lichtfarbe lässt sich mit den in der Wand eingelassenen Tablet-Computern steuern. Ebenso das automatische Auf- und Zuziehen der Vorhänge. Die Badewanne steht tatsächlich frei im Raum, dahinter ein ganzes Ensemble von Duschköpfen und Brausen. Die Sauna wurde nicht mehr geliefert, der Weinkeller im Außenbereich ist ausgeräumt.

Wer soll hier wohnen? Sechs Millionen Euro hat diese Single-Wohnung gekostet, das sind mehr als 21 000 Euro je Quadratmeter. Keine Rede mehr davon, der Bischof lebe in einer Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung, deren Baukosten das Bistum dereinst mit rund 200 000 Euro bezifferte. Allein das Ankleidezimmer mit den doppelten, sanft gleitenden Schiebetüren und raumhohen Schränken war teurer als das. Der rechteckige Koi-Karpfen-Teich vor der Bibliothek schlug laut Prüfbericht mit 213 000 Euro zu Buche.

Räume sollen genutzt werden

Seit Tebartz im September vergangenen Jahres Limburg gen Regensburg verließ, hallt nur selten ein Schritt durch die Gemächer. Ab und zu wischt jemand den Boden. Viel Staub wird dort nicht aufgewirbelt.

Bistumsverwalter Rösch sagt, man werde einem künftigen Limburger Bischof die Wohnung anbieten. Bis der kommt, können leicht ein oder zwei Jahre vergehen. Bis dahin sollen Teile des Gebäudeensembles für kulturelle Veranstaltungen, Empfänge, Arbeitstreffen genutzt werden. Auch Führungen für kirchliche Gruppen aus dem Bistum werde es geben. Die Privaträume bleiben dann verschlossen. „Diese Wohnung soll ihre Würde haben, wie jeder andere Privatbereich“, sagt Rösch. Und er fügt an: „Ein zweites Bischofshaus werden wir jedenfalls nicht bauen.“

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Spezial

Der Limburger Bischof Tebartz-van Elst steht in der Kritik: hohe, verschleierte Baukosten für die Bischofsresidenz und ein Meineid sind die Vorwürfe. Viele Christen sind empört.

Tebartz-van Elst

Im Jahr 2007 bschließt das Domkapitel einen Umbau des Dombergs mit dem Ziel, dem künftigen Bischof eine Wohnung und Residenz zu errichten. Der weitere Verlauf der Ereignisse ist skandalträchtig.

Übersicht

Wir informieren Sie aus der ganzen Region. Nachrichten aus Ihrer Stadt können Sie als Newsfeed abonnieren - klicken Sie bitte auf das orange Symbol.

Regionale Startseite

Frankfurt

Rhein-Main

Bad Homburg, Hochtaunus

Bad Vilbel, Wetterau

Darmstadt

Kreis Groß Gerau

Hanau, Main-Kinzig

Main-Taunus

Offenbach

Kreis Offenbach

Wiesbaden

Fotostrecken Frankfurt/Rhein-Main

Anzeige

ANZEIGE
- Partner