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Tebartz-van Elst
Der Limburger Bischof Tebartz-van Elst steht in der Kritik: hohe, verschleierte Baukosten für die Bischofsresidenz und ein Meineid sind die Vorwürfe.

27. September 2013

Streit um Tebartz-van Elst : Die T-Frage

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Die Herbstvollversammlung in Fulda ist inzwischen schon wieder zu Ende.  Foto: dpa

Auf der Herbstversammlung in Fulda deuten die deutschen Bischöfe die Worte von Papst Franziskus ganz unterschiedlich. Und noch ein anderes Thema sorgt für Diskussionen: Die Haltung zum Limburger Prunkbischof Tebartz-van Elst.

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Fulda –  

Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich. Das ist schon richtig. Aber irgendwie drängt sich die boshafte Parallele auf: Alle Welt rätselt, was von der Charme-Offensive des iranischen Präsidenten Hassan Ruhani zu halten sei. Und in der katholischen Kirche versuchen sie, sich einen Reim auf das zu machen, was der neue Papst Franziskus von sich gibt: Bloß eine andere Verpackung für dieselben Lehren? Oder doch ein Kurswechsel der Kirche?

Auf ihrer traditionellen Herbstvollversammlung in Fulda weichen die deutschen Bischöfe einer klaren Antwort aus. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, spricht von „richtungsweisenden Äußerungen“ im jüngsten großen Interview des Papstes. „Die Denkanstöße nehmen wir ernst“, betont Zollitsch, besonders die Mahnung zu gelebter Barmherzigkeit. Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode konstatiert einen „öffnenden“ Redestil des Papstes, bei dem „noch nicht sofort die Konkretion mitgenannt“ werde. In der Konkretion heißt das: Franziskus formuliert – bewusst? – vage. Hamburgs Erzbischof Thissen stellt im Gespräch mit der FR fest, es sei „im positivsten Sinne schon Wahnsinn, was der Papst macht“. In Fulda hätten die Bischöfe lange über das Papst-Interview gesprochen, ein jeder habe „auf Passagen hinweisen können, die ihn berührt und begeistert haben“.

Ein klassischer Fall von „Totloben“ also? Zumindest ist bei der Deutung der Papstworte vieles eine Frage der Perspektive. So sieht sich Bischof Bode durch den Papst in seinem Bemühen bestätigt, mehr Frauen in kirchliche Führungsämter zu bringen. Dass Bode sich – ähnlich wie der Mainzer Kardinal Karl Lehmann – auch die Diakonenweihe für Frauen vorstellen kann, ist kein Geheimnis. Das aber hat der Papst abgelehnt und von einer Tür gesprochen, die seine Vorgänger zugeschlossen hätten. Was wiederum Oberhirten wie der Kardinal Joachim Meisner gern gehört haben. Der Kölner Erzbischof behauptet ohnehin ständig die Übereinstimmung zwischen Franziskus und seinen Vorgängern und wundert sich, dass der Neue so viel besser ankommt als Benedikt XVI.

Tebartz-van Elst darf wohl vorerst weitermachen

Die katholische Basisbewegung „Wir sind Kirche“ wirft den Bischöfen derweil „Aufschieberitis“ vor. Auch nach dem Papst-Interview mogelten sie sich „an den entscheidenden Fragen vorbei“, sagt „Wir-sind-Kirche“-Vorstand Christian Weisner und nennt die Zulassung von Frauen zu den geistlichen Ämtern oder die Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene.

Und wie steht es hier mit den Armuts-Appellen des Papstes? „Das wird uns noch sehr beschäftigen“, sagt Erzbischof Thissen, ohne sich auch nur ein Wort dazu entlocken zu lassen, ob sich das nun auf die deutsche Kirche im Allgemeinen bezieht mit ihren Milliarden-Einnahmen aus der Kirchensteuer – oder doch speziell auf Bischöfe wie den Limburger Oberhirten Franz-Peter Tebartz-van Elst, der wegen seines Umgangs mit Geld und Luxusgütern unter Druck steht.

Offiziell ist der Fall Limburg in Fulda kein Thema. Intern schon. Mehrheitlich zeichnet sich die Haltung ab, dass Tebartz fürs Erste weitermachen kann. Er erhält also eine zweite Chance unter Brüdern. Sollte allerdings die Hamburger Staatsanwaltschaft eine uneidliche Falschaussage des Bischofs per Strafbefehl oder gar Anklage ahnden, dann wäre er wohl am Ende, glauben selbst die meisten seiner Unterstützer.

Zollitsch pariert Attacke

Mindestens einer von ihnen aber sieht selbst das offenbar anders: Kardinal Meisner steht auf Biegen und Brechen zu Tebartz. Als Prediger nutzt Meisner seinen letzten Auftritt in Fulda vor Erreichen der Altersgrenze zum Flankenschutz für Tebartz: „Wir nennen uns zwar Mitbrüder, aber lassen den einen oder anderen allein, wenn er unter öffentlichem Druck steht. Hier sollte keiner einen Zweifel haben, wo dann sein Platz ist.“

Verpackt als Fremdzitat („Es wird uns nachgesagt, dass es mit unserer gebotenen brüderlichen Kollegialität auch nicht weit her ist“) und Selbstanklage („Ich halte mir selbst diese Predigt“) sind das unverhohlene Angriffe auf die Tebartz-Kritiker unter den Bischöfen, namentlich die Kardinäle Lehmann und Reinhard Marx (München).

Robert Zollitsch als Vorsitzender der Konferenz sichert Tebartz am Freitag Unterstützung sowie „selbstverständliche“ Solidarität zu. Von Meisners Vorwurf fühlt sich Zollitsch nach eigenen Worten nicht getroffen, er pariert die Attacke mit der doppeldeutigen Bemerkung: „Ich habe noch nie einen Mitbruder öffentlich kritisiert und korrigiert.“ Ein anderer aus der Runde lässt deutlicher erkennen, wie genervt er vom Gardinenprediger aus Köln ist: „Das war zum Glück das letzte Mal!“

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Tebartz-van Elst

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