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Klimawandel

28. November 2012

Anstieg unterschätzt: Meeresspiegel steigt schneller

 Von Anne Brüning
Der Meeresspiegel steigt immer schneller an. Foto: dpa/Archiv

Der Meeresspiegel in den Ozeanen steigt um 60 Prozent schneller als nach der mittleren Prognose des Weltklimarates IPCC. Die globale Mitteltemperatur dagegen nimmt in einer Geschwindigkeit zu, die gut mit den Projektionen des Weltklimarats übereinstimmt.

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Der Weltklimarat IPCC hat in seinen Prognosen zu den Folgen der Globalen Erwärmung den Anstieg des Meeresspiegels offenbar unterschätzt. Das geht aus einer Studie hervor, die Forscher um Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) jetzt veröffentlicht haben. Wie sie im Fachmagazin Environmental Research Letters berichten, ist der Meeresspiegel schneller angestiegen als vorhergesagt. Die Temperaturen dagegen haben sich so entwickelt, wie es das Expertengremium vorausgesagt hat.

Rahmstorf und seine Kollegen haben für den Zeitraum zwischen 1990 und 2011 die Projektionen des IPCC mit tatsächlichen Messdaten verglichen. Als tatsächliche Daten dienten den Klimaforschern  fünf gemittelte globale Reihen zu Land- und Ozeantemperaturen sowie Satellitenmessungen des Meeresspiegelanstiegs. Sie berücksichtigten auch kurzfristige Temperaturschwankungen durch das El Niño Phänomen, Schwankungen in der Sonnenintensität und Vulkanausbrüche.

60 Prozent schnellerer Anstieg

Der Vergleich zeigt, dass der Meeresspiegel in den Ozeanen um 60 Prozent schneller steigt als nach der mittleren Prognose in den beiden jüngsten Sachstandsberichten des Weltklimarats.  Während der IPCC einen Meeresspiegelanstieg von 2 Millimetern pro Jahr ab dem Jahr 1990 prognostizierte, zeichneten Satellitendaten einen Anstieg von 3,2 Millimetern pro Jahr auf.

Die Forscher halten es für unwahrscheinlich, dass ein nur vorübergehender Eisverlust von den Eisschilden Grönlands oder der Antarktis oder andere interne Schwankungen im Klimasystem die erhöhte Geschwindigkeit des Meeresspiegelanstiegs verursacht haben. „Im Unterschied zur Physik der globalen Erwärmung selbst ist der Meeresspiegelanstieg deutlich komplexer.

Es ist wichtig immer wieder zu prüfen, wie gut frühere Prognosen mit dem seither beobachteten tatsächlichen Verlauf übereinstimmen, um künftige Projektionen zu verbessern“, sagt Rahmstorf. „Die neuen Erkenntnisse unterstreichen, dass der IPCC keineswegs alarmistisch ist, sondern in einigen Fällen sogar die Klimarisiken unterschätzt hat“, ergänzt der Forscher.

Temperatur steigt wie erwartet an

Die globale Mitteltemperatur dagegen hat in den vergangenen Dekaden in einer Geschwindigkeit zugenommen, die gut mit den Projektionen des Weltklimarats übereinstimmt. Die Ergebnisse bestätigen, dass sich die Erderwärmung mit einer unverminderten Geschwindigkeit von 0,16 Grad Celsius pro Dekade fortsetzt – wie von Forschern in den 60er- und 70er-Jahren als Konsequenz steigender Treibhausgaskonzentration prognostiziert.

„Die globale Temperatur steigt weiterhin in der Geschwindigkeit, die in den letzten zwei Sachstandsberichten des IPCC prognostiziert wurde. Das zeigt erneut, dass die Erwärmung sich nicht verlangsamt hat oder hinter den Projektionen zurückbleibt“, sagt Rahmstorf. Der schnellere Anstieg des Meeresspiegels könnte darauf hinweisen, dass auch künftig die Berechnungen vom IPCC zu niedrig sind, warnen  die Forscher. Der Anstieg des Meeresspiegels hat potenzielle Auswirkungen für Millionen von Menschen auf der ganzen Welt, von Küstenregionen bis hin zu Megastädten wie Tokio.

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