Das Eis der Arktis ist fast wieder so dünn wie 2008 und hat die legendäre Nordwest- und Nordostpassage für die Schiffahrt freigegeben. Das zeigen die Satellitendaten der Esa. Damit sind große Flächen der Arktis zum zweiten Mal seit den siebziger Jahren eisfrei. Damals begannen die Messungen des Eises per Satellit.
"Über die im Kanadisch-Arktischen Archipel gelegene Nordwestpassage kann der Seeweg von Europa nach Asien verkürzt werden. Die Eröffnung dieses Seewegs könnte jedoch auch zur Geltendmachung von Souveränitätsansprüchen führen und die Migration von Meerestieren über den Arktischen Ozean auslösen"; heißt es bei der Esa. Was abenteuerlustige Kapitäne freut, ist zugleich ein schlechtes Zeichen. Laut Esa könnte es diesen Sommer zu einem Negativrekord beim Meereis kommen.
„Das Minimum der Meereisbedeckung liegt noch drei bis vier Wochen vor uns, und hängt stark von den Wetterbedingungen ab, die in diesen Wochen über der Arktis herrschen“, so Leif Toudal Pedersen, ein leitender Wissenschaftler des Dänischen Meteorologischen Instituts. „Dieses Jahr lässt erneut erkennen, dass wir uns in einer Phase mit deutlich weniger Sommereis als früher befinden ... Die letzten fünf Sommer waren die Negativrekordjahre, in Bezug auf Sommereisausdehnung.“
Die Langzeitbeobachtung hat gezeigt, dass von den in den achtziger Jahren noch vorhandenen acht Millionen Quadratkilometern am Ende des Sommers nur noch 4,24 Millionen Quadratkilometer übrig sind - rund die Hälfte.

Auch der Forschungseisbrecher „Polarstern“ hat den geografischen Nordpol erreicht und meldet sehr dünnes erstjähriges Eis. Das Eis war so dünn wie 2007, als Wissenschaftler die bislang geringste gemessene Meereisausdehnung in der Arktis feststellten, sagte eine Sprecherin des Bremerhavener Alfred-Wegener-Institutes für Polar- und Meeresforschung (AWI).
Die Fahrt der „Polarstern“ ist Teil einer internationalen Forschungsexpedition, bei der Veränderungen in der Arktis beschrieben werden sollen. Der Eisbrecher wird am 7. Oktober in Bremerhaven zurückerwartet.
Was für heutige Kapitäne nun vergleichsweise leicht erscheint, war in der Vergangenheit ein Himmelfahrtskommando. Kapitäne von Columbus bis Robert McClure versuchten sich an diesem Abenteuer, an dem unter anderem Otto von Kotzebue und John Franklin scheiterten.
McClure hatte den Auftrag die verschollene Expedition von Franklin zu finden, als er es als erster durch den nordpolaren Archipel schaffte. Allerdings ging er das letzte Stück zu Fuß. Erst 1906 glitt Roald Amundsen erfolgreich durch die eisigen Fluten. (kho/dpa)
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