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05. Februar 2014

Dürre in USA: Südwesten der USA trocknet aus

 Von Sebastian Moll
Im Süden der USA vertrocknet selbst der American Dream von der unbegrenzten Freiheit.  Foto: dpa

Von Utah bis Kalifornien wird das Wasser immer knapper. Einige Umweltschützer sehen die größte Öko-Katastrophe der westlichen Welt voraus, bereits bis Ende des Jahrhunderts könnte die Gegend unbewohnbar werden.

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Die Nachrichten von der schweren Dürre, die seit Wochen Südkalifornien plagt und die den Gouverneur Jerry Brown dazu gebracht hat, den Ausnahmezustand auszurufen, ist gewiss für niemanden eine Freude. In Los Angeles wird das Wasser stark rationiert, die grünen Gärten von Malibu dürften spätestens im Frühjahr braun sein. Im Central Valley von Kalifornien und in Arizona bangen viele Farmer bereits um ihre Existenz.

Ein Mann dürfte die bedrohliche Lage jedoch zumindestens mit einem lachenden Auge sehen: Hedge-Fonds-Milliardär John Dickerson. Er ist – wenn man das so nennen darf – ein Visionär. Bereits Ende der 90er Jahre begann er entlang des Colorado River, der Lebensader des gesamten amerikanischen Südwestens, Wasserrechte aufzukaufen. 400 Millionen Dollar gab Dickerson aus, eine langfristig bombensichere Investition, wie er glaubte.

In einer Zeit, in der Washington noch immer darüber stritt, ob es Klimawandel gibt oder nicht, wettete Dickerson ein Vermögen darauf, dass der Südwesten austrocknen und dass Wasser zum heute noch unfassbar kostbaren Gut avancieren würde. So, wie es derzeit aussieht dürfte Dickerson recht behalten.

Schlimmste Wasser-Krise aller Zeiten

Die derzeitige Dürre, darüber sind sich Experten einig, ist mit größter Wahrscheinlichkeit keine vorübergehende Erscheinung. Vielmehr ist die Wasserverknappung in den sechs Südwest-Staaten – Utah, Nevada, Colorado, New Mexico, Arizona und Kalifornien – nur ein weiterer Meilenstein eines langfristigen Prozesses, an dessen Ende die Region, in der 40 Millionen Menschen leben, ihre Lebensgrundlage verliert. „Wir sehen der schlimmsten Wasser-Krise in der Geschichte der menschlichen Zivilisation entgegen“, meint der Umwelt-Journalist William DeBuys.

DeBuys’ Diagnose stammt von 2011, als Kalifornien in einer ähnlichen Lage war wie heute. Die Waldbrände hatten den gesamten Winter über nicht aufgehört und hatten in ihrer Größe wie im Volumen des angerichteten Schadens Rekorde erzielt. In der gesamten Region wurden Höchsttemperaturen erzielt, die Landwirtschaft hatte bittere Einbußen hinnehmen müssen.

Damals verhinderte im letzten Augenblick ein Wetterumschwung das Schlimmste. Heftige Schneefälle im Februar und März bedeckten die Sierra Nevada mit kostbarem Weiß. Die Schmelze brachte für Südkalifornien das nötige Wasser, um den Sommer zu überstehen. Doch schon damals warnten Leute wie DeBuys, dass diese Situation in den kommenden Jahren immer wieder eintreten werde.

Diesen Winter ist es besonders schlimm. Ein Hochdruck-Gebiet hängt seit Monaten über den gesamten Rocky Mountains, von Kanada bis Mexiko. Eine Wand, die keinen Niederschlag durchlässt. Auf den Gipfeln der Sierra liegt weniger als 30 Zentimeter Schnee, in guten Jahren hatte es in den Skigebieten dort bis zu 120 Zentimeter. „So schlimm war es seit den 70er Jahren nicht mehr“, sagte der Manager des Donner-Skigebiets in der Nähe von Lake Tahoe der „New York Times“.

Lake Mead trocknet aus

Die Abhängigkeit vom Schnee in der Sierra Nevada ist umso dramatischer, weil der Colorado River dabei ist, auszutrocknen. Die vergangenen 14 Jahre waren entlang des Colorado so trocken wie seit mehr als 1250 Jahren nicht mehr. Das Resultat: Die großen Reservoirs dort haben historische Tiefststände. So haben die Behörden zum ersten Mal in der Geschichte der USA angeordnet, dass weniger Wasser vom Lake Powell in den Lake Mead, der Las Vegas versorgt, geleitet wird.

Derzeit steht der Lake Mead bei 1106 Fuß, weit unter dem Höchststand von 1230 Fuß, den der Stausee noch Ende der 90er Jahre aufwies. Dieses Jahr soll der Pegel um weitere 20 Fuß sinken. Ab einem Pegel von 1050 müssen drastische Wasserverknappungsmaßnahmen am 1450 Meilen langen Colorado eingeleitet werden, bei einem Pegel von 1000 Fuß ist Las Vegas nicht mehr überlebensfähig.

Noch bevor es so weit ist, werden weitreichende Folgen die Region erfassen. Sie haben bereits begonnen. Südkalifornien ist zuletzt betroffen, weil der Staat sich 1960 den ersten Zugriff auf das Wasser des unteren Colorado-Beckens gesichert hat. Doch bevor Los Angeles ernsthaft in Bedrängnis gerät, wird in Zentral-Arizona die Landwirtschaft sterben, die den gesamten Staat ernährt.

Doch das wäre nach DeBuys nur der erste Akt der drohenden Öko-Katastrophe im Südwesten. Sollte der Temperatur-Anstieg dort im Tempo der vergangenen 15 Jahre anhalten, könnte schon um 2030 herum die Wasserversorgung von Südkalifornien gefährdet sein. Bis Ende des Jahrhunderts, so der Journalist, der sich auf unter anderem Daten des ozeanographischen Instituts von Kalifornien und Studien der Universität von Colorado beruft, wird die Region unbewohnbar sein, falls nicht drastisch gegengesteuert wird.

Die gute Nachricht ist, dass die Menschen schon jetzt gelernt haben, extrem konservativ mit ihrem Wasser umzugehen. So wird alles Wasser, dass die Casinos und Hotels von Las Vegas gebrauchen, gereinigt und wieder in den Lake Mead geleitet. In Südkalifornien wird Klärwasser recyclet und die Farmer in Arizona haben durch klugen Bewässerungsbau den Wasserverlust durch Abfluss dramatisch reduziert.

William De Buys hält das alles aber nicht für ausreichend. „Der Südwesten wird schrumpfen“, glaubt er. „Die Frage ist nur, wie viel, wie schnell und um welchen Preis.“ Es bahnt sich ein Drama an, wie es die westliche Welt noch nicht erlebt hat.

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