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Erderwärmung: Klima retten im Alleingang

Das Problem der Erderwärmung soll ganz oben auf die Agenda. Forschungsinstitute fordern Europa auf, beim Klimaschutz den Vorreiter zu geben. China wirft indes den USA Passivität vor. Von Michael Bergius

Verursacher und Folgen des Klimawandels in China:  Kohlenbergbau, Algenpest, Sandsturm und Taifun (im Uhrzeigersinn von links oben).
Verursacher und Folgen des Klimawandels in China: Kohlenbergbau, Algenpest, Sandsturm und Taifun (im Uhrzeigersinn von links oben).
Foto: rtr(4)

Berlin. Beim Klimaschutz muss unverzüglich gehandelt werden, und wer dabei zu den Vorreitern gehört, für den zahlt es sich aus. Diese Empfehlung geben renommierte Forschungsinstitute insbesondere der Europäischen Union im Hinblick auf die bevorstehenden Weltklimaverhandlungen in Kopenhagen mit auf den Weg.

Ein auf den ersten Blick ungewöhnliches Bündnis präsentierte sich am Dienstag in Berlin. Der Finanzdienstleister Allianz, die Umweltstiftung WWF sowie das Potsdam-Institut für Klimafolgenfoschung (PIK) schlugen gemeinsam Alarm.

Das Zeitfenster für wirkungsvolle und finanziell beherrschbare Maßnahmen zur Bekämpfung der Erderwärmung sei eng. Bis zum Jahr 2020 seien "alle ambitionierten Ziele noch erreichbar", sagte PIK-Chef Ottmar Edenhofer . Wenn die Welt hingegen noch länger zuwarte, sei der Zug abgefahren.

Die EU und allen voran Deutschland verstehen sich seit Jahren als "Vorreiter" beim internationalen Vorgehen gegen den Treibhauseffekt. Allerdings hatten die Europäer zuletzt besonders ambitionierte eigene Anstrengungen davon abhängig gemacht, dass auch andere Weltregionen mitziehen. Dieses Schielen auf die Anderen sei nicht angebracht, hebt die Studie hervor.

Die Zeit drängt

Für die EU mache sich der rechtzeitige Einstieg in einen umfassenden Klimaschutz "sogar im Alleingang durch deutlich niedrigere Kosten bezahlt", meint Edenhofer. Regine Günther, Energieexpertin beim WWF, spitzt diesen Appell mit Blick auf die gerne jammernde deutsche Industrie zu: Wer jetzt früher als andere aktiv werde, dem drohe keineswegs "der wirtschaftliche Ruin", sondern das Gegenteil.

Szenarien, die das PIK und drei weitere internationale Institute durchgespielt haben, kommen zu diesem Schluss: Die ökonomischen Kosten einer "Dekarbonisierung" (sprich: für eine Minderung des Kohlendioxid-Ausstoßes) können "in überschaubaren Grenzen gehalten" werden. Der entsprechende Aufwand wird mit einer Spanne zwischen 0,7 und vier Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung beziffert. "Konsumverluste von drei Prozent bis zum Jahr 2050 bedeuten, dass es bis 2051 dauern wird, das Wohlstandsniveau zu erreichen, das ansonsten bereits 2050 erreicht worden wäre", so das Fazit.

Warum die Zeit dränge, erklärte Allianz-Vorstand Joachim Faber. In keinem anderen Markt werde es in den nächsten zehn Jahren ein derart "sprunghaftes und nachhaltiges Investitionswachstum" geben wie beim Klimaschutz. Die Investoren benötigten jedoch verlässliche Rahmenbedingungen und politische Vorgaben, so der Finanzmanager. Edenhofer verwies auf die USA und auf China, wo sehr bald bzw. in absehbarer Zeit auf den Kapitalmärkten erhebliche Investitionsentscheidungen anstünden, die durch ein "Umsteuern jetzt" in Richtung von mehr Klimaschutz gelenkt werden könnten.

Das Klimabündnis nennt drei Handlungsschwerpunkte. Die erneuerbaren Energien müssten gezielt gefördert werden - auch durch finanzielle Sonderregelungen wie Einspeisetarife. Daneben sprechen sich die Forscher dafür aus, neue Kohlekraftwerke nur noch dann in Betrieb zu nehmen, wenn diese über sichere und wirksame Technologien zur Abscheidung und Speicherung von CO2 (CCS)verfügten. Auf mittlere Sicht empfehlen die Wissenschaftler, im Straßenververkehr mehr auf Elektromobilität und Biomasse zu setzen.

Und die Atomkraft, für die hierzulande Schwarz-Gelb eine Lebensverlängerung plant? Auf globaler Ebene könne die Kernenergie "nur zu einem vergleichsweise geringen Teil zum Klimaschutz beitragen", so die Studie.

Autor:  Michael Bergius
Datum:  4 | 11 | 2009
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