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Klimawandel

17. Februar 2012

Holz als Energiequelle : Viel Holzbedarf bedroht Umwelt

 Von Karl Urban
Die Wälder dürfen nicht mehr hergeben als nachwächst. Foto: IMAGO

Der Ertrag der Wälder dient immer öfter der Energiegewinnung. In den kommenden Jahren soll die Holzernte in Deutschland wegen des wachsenden Interesses drastisch ansteigen. Experten warnen vor den drohenden Umweltfolgen.

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Pellets und Hackschnitzel

Heizen mit Holz: Deutschlandweit werden über elf Millionen Öfen mit verschiedenen Holzprodukten befüllt. Überwiegend sind es noch klassische Kaminöfen, aber auch immer mehr Scheitholzkessel und Pelletheizungen. Sie verbrauchten im Jahre 2009 etwa
28 Millionen Kubikmeter Holz, überwiegend noch aus Quellen, die für die klassische Holzindustrie sowieso nicht geeignet gewesen sind, wodurch Holzpellets derzeit sogar noch exportiert werden können. Der Anteil von Holz am Heizungsmarkt wird jedoch weiter steigen.

Strom aus Holz: Allein Vattenfall will bis 2019 zwei große Biomassekraftwerke betreiben, um damit ein Braunkohlekraftwerk zum Teil zu ersetzen. Dann braucht der Konzern jedes Jahr 1,3 Millionen Tonnen Holzhackschnitzel.

Das Holzmobil kommt: In wenigen Jahren sollte es möglich sein, auch Kraftstoffe wie Ethanol verstärkt aus Holz herzustellen. Bislang war der Stoff Lignin eine Hürde, der die energiereichen Zellulosefasern umhüllt und sich nicht ohne Weiteres zu tankbarem Alkohol verarbeiten ließ. Neue Verfahren dafür werden jedoch derzeit entwickelt.

Die Nachfrage nach Holz ist so groß, dass es knapp wird. Immer mehr Nutzer drängen sich um den begrenzten Ertrag der Wälder in Deutschland, der besonders wegen seines Brennwerts immer interessanter wird. Holz deckt schon heute mehr als 60 Prozent der regenerativ gewonnenen Primärenergie.

Im September 2011 stellte die Bundesregierung deshalb eine neue Waldstrategie vor, die vorsieht, deutlich mehr Holz zu schlagen. Die Waldbesitzer sollen zwar nach den Regeln der Nachhaltigkeit nicht mehr ernten, als jährlich nachwächst, aber das theoretische Potenzial möglichst voll ausschöpfen. Das bedeutet, dass die Holzernte in den kommenden neun Jahren um 40 Prozent zulegen müsste.

In den meisten Forsten konnte der Holzeinschlag bisher problemlos ansteigen. Verantwortlich dafür ist die derzeit sehr günstige Altersstruktur der Wälder: Der Durchschnittsbaum, eine 50 Jahre alte Fichte, steht in der produktivsten Phase seines Lebens. Doch schon bald wird er in seine zweite Lebenshälfte übertreten, wo er deutlich langsamer emporstrebt. Danach sinkt allmählich auch die Zahl der Erntefestmeter, die aus den Wäldern entnommen werden kann.

Wertvolle Kronen

Deshalb warnen nicht nur Umweltschützer, sondern auch Forstwirte davor, den Einschlag wesentlich zu erhöhen. Denn die Wachstumszyklen der Wälder dauern Jahrzehnte und nur sie bestimmen, wie viel Holz ihnen entnommen werden kann. „Man hat in der Vergangenheit weniger genutzt, als nachgewachsen ist“, sagt Hermann Spellmann, der die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt in Göttingen leitet. „Wegen des günstigen Altersaufbaus der Bestände lässt sich der Holzeinschlag in den kommenden Jahren zwar weiter erhöhen, müsste danach aber wieder zurückgefahren werden.“

Dabei geht es nicht darum, wieder mehr Monokulturen aus Nadelholz anzubauen. Diese sind besonders anfällig gegenüber schweren Stürmen und Schädlingen und könnten erst in einigen Jahren den Mehrbedarf decken. Deutlich schneller ginge es dagegen, ab sofort nicht nur die Stämme, sondern auch die Kronen der Bäume vollständig zu nutzen. Reisig, Rinde, Nadeln und Blätter enthalten mehr als 20 Prozent der gesamten Biomasse eines Baumes, aus denen sich etwa Holzhackschnitzel herstellen ließen.

Doch in der Krone stecken auch besonders viele Nährstoffe, die der Baum während seines Lebens dem Boden entzogen hat. Wenn die zurückgelassenen Kronen nun nicht mehr auf dem Waldboden verrotten, werden dem Ökosystem dauerhaft Stickstoff, Phosphor oder Kalium entzogen, die anderen Bäumen fehlen dürften.

Hermann Spellmann sieht trotzdem ein begrenztes Potential für die Vollbaumnutzung. Sein Institut schließt derzeit eine Studie ab, die einen kleinen Teil deutscher Waldböden als geeignet kennzeichnen dürfte. Dazu gehören Gegenden um alte Vulkanregionen wie den hessischen Vogelsberg, die von selbst genügend Nährstoffe bereitstellen. Sandige Böden wie in Brandenburg kommen dagegen kaum in Frage.

Seite 2: Holzplantagen als Mittel gegen den drohenden Engpass?

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