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Klimawandel

09. Dezember 2011

Interview mit China-Expertin Helga Trüpel   : "Chinas Volk wehrt sich gegen Umweltverschmutzung"

Helga Trüpel. Foto: privat

Die Europaabgeordnete Helga Trüpel (Grüne) über Chinas Bereitschaft, dem Klimawandel entgegenzuwirken - und die Protesthaltung innerhalb der chinesischen Bevölkerung.

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Beim UN-Klimagipfel hat die Welt besonders auf China geschaut, den größten CO2-Emittenten der Welt.  Spielt Umwelt- und Klimaschutz in der chinesischen Öffentlichkeit überhaupt eine Rolle? 

Der spielt eine große Rolle. Wegen des unglaublichen Smogs sind die Lungenkrebsraten in den vergangenen Jahren dramatisch nach oben gegangen.  Die Luft ist in vielen Teilen des Landes so schlecht, dass die Leute nur mit Atemschutzmasken auf die Straße gehen. Bei aller Begrenztheit der Meinungsäußerung: Es gibt jeden Tag Demonstrationen in China, bei denen sich Leute auflehnen gegen diese Wachstumspolitik und den Preis, den sie dafür zahlen müssen. 

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Hat das Konsequenzen?

Dass die Öffentlichkeit Druck aufbauen kann, hat man vor kurzem bei neuen Tempolimits für Hochgeschwindigkeitszüge gesehen. Nachdem es einen sehr schweren Unfall gegeben hatte, sind die Menschen auf die Straße gegangen und haben klar gemacht, dass ihnen dieser Preis des Fortschritts zu hoch ist. Das hat funktioniert. 

Wird China tatsächlich, wie angekündigt, demnächst einem Klimavertrag beitreten?

Ich traue dieser Ankündigung nicht. Das kann ein taktisches Manöver sein, um nachher sagen zu können: „Die anderen haben sich ja nicht bewegt, wir hätten es sonst vielleicht getan.“ Es wäre jedoch ausgesprochen wünschenswert, dass China sich auf ein bindendes Abkommen einlässt.  Aber das fände ich mehr als erstaunlich. 

Welche Einflussmöglichkeiten hat die EU?

Es ist wichtig, dass Europa  mit guten Beispiel voran geht. Aber global gesehen spielen unsere elf Prozent an den globalen CO2-Emissionen nur eine kleine Rolle. Alleine können wir wenig ausrichten, und wären wir noch so fortschrittlich. Insofern sind die anderen großen Volkswirtschaften wie China, USA, Brasilien, Südafrika und Indien gefragt. Wenn sich China und die USA jetzt wieder so verhaken wie damals in Kopenhagen, kann Europa das nicht umdrehen.

Die EU ist zudem mit der Schuldenkrise beschäftigt. Bedroht das die klimapolitische Vorbildfunktion, die Europa gerne reklamiert?

Natürlich tut es das. Alle reden von Wettbewerbsfähigkeit. Die kann Europa besonders bei grünen Technologien erreichen und so Arbeitsplätze gewinnen. Die aktuelle Sparpolitik birgt aber die Gefahr, dass nötige Investitionen vernachlässigt werden. Das wäre ein großer Fehler. Auf diesem Feld kann Europa erfolgreich sein  – ökonomisch und ökologisch. 

Ist das krisengebeutelte Europa denn überhaupt noch ein Vorbild?

Noch ist es doch so, dass Europa vorgibt, was hip und schick ist – gerade was Technologie angeht. Die Chinesen sind begeistert von deutschen Autos. Deutsche und europäische Produkte stehen hoch im Kurs. Wenn wir also zu  einer ökologischen Transformation in der Lage sind und das Thema positiv besetzen, dann hat  das große Auswirkungen auf andere Teile der Welt.

Interview: Maurice Farrouh

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